Hat kranker Kater Ginger kein Recht auf Leben?

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Armer Ginger! Hingebungsvoll kümmert sich Diane Naguschewski aus Lichtendorf um den alten, kranken Kater. (Foto: Norbert Fendler)

Do.-Lichtendorf/Schwerte. (NO) „Warum tust du dir das bloß an?“ Eine Frage, die Diane Naguschewski so oder ähnlich oft gehört hat in den letzten Wochen. Warum reibt sie sich auf, opfert Zeit und Geld, um einen armen, alten, schwerst kranken Kater zu retten? Weil auch er ein Recht auf Leben hat. Weil er eine Chance verdient hat. Weil Diane Naguschewski es nicht erträgt, das Tier leiden und sterben zu sehen. Für die Tierfreundin ist Hilfe auch in einem kostenträchtigen Fall Pflicht. Doch die Hilferufe der 46-jährigen aus Dortmund-Lichtendorf verhallen nahezu ungehört.

Begegnung auf Malta

Vor rund zehn Wochen lief Diane Naguschewski auf Malta – dort war sie jahrelang im Tierschutz aktiv – ein abgemagerter, elend aussehender und sicher über zehn Jahre alter Kater über den Weg. „Zweieinhalb Stunden folgte er mir und ich konnte ihn einfach nicht seinem Schicksal überlassen, hätte immer an ihn zurückgedacht“ so die Tierfreundin. Obwohl selber gesundheitlich schwer angeschlagen, als alleinerziehende Mutter von drei Kindern mehr als ausgelastet und finanziell alles andere als üppig ausgestattet, entschloss sie sich zur Hilfe. Sie konnte sofort sehen, dass die schlechten Zähne des Katers, fortan Ginger genannt, eine Sanierung brauchen würden, die Kosten hierfür waren jedoch überschaubar. Leider sollte es aber nicht bei dieser Behandlung bleiben

Beim Tierarzt

Mit Ginger zuhause angekommen, ging es zuerst zum Tierarzt. „Denn Ginger konnte nur Flüssiges schlecken, hatte sich offensichtlich seit Monaten so ernährt“, erzählt Diane Naguschewski. „Der Tierarzt teilte mit, dass der Kater vor der Narkose erst einmal aufgepäppelt werden müsste. Dann musste der Tierarzt zu einem Kongress und ich suchte eine andere Tierärztin auf, weil Ginger trotz Antibiotika mittlerweile Ausfluss aus Nase und Augen bekommen hatte. Die Tierärztin behandelte den Kater dann mit einem schweren Antibiotikum, was ihn wiederum schwächte, denn sie ging von einer Erkältung aus.“

Kugel im Kopf

Was jedoch keine war, sondern ein vereiterter Zahn, wie der zuerst aufgesuchte Tierarzt später feststellte. Mittlerweile hatte Ginger die mühsam angefütterten 500 Gramm wieder verloren, aber „wir mussten wagen, ihn in Narkose zu legen und ihm den Zahn ziehen. Verlorene Zeit, verlorene Kraft, Schmerzen ohne Ende“, klagt Diane Naguschewski. „Ginger schlief nur noch, wenn ich mich mit ihm hinsetzte. Am Hals fiel auch noch das Fell ab, er wurde regelmäßig gewaschen und eingecremt.“ Doch damit nicht genug – denn es wurde festgestellt, dass Ginger auch noch ein Bleigeschoss im Kopf hatte.

Nicht zuständig

Auf der Suche nach Unterstützung suchte Diane Naguschewski am Tag vor der OP das Büro der Arche90 in Dortmund auf, da telefonische Anfragen nicht beantwortet wurden. „Die Arche90 sagte dem Tierarzt daraufhin die Übernahme der OP Kosten zu, unter der Voraussetzung, dass ich das Tier juristisch an die Arche übergebe, damit man sich für den Kater um Spenden oder eine Patenschaft bemühen könne.“ Eine wunderbare Idee, die niemandem weh getan hätte, der plötzlich jedoch kein Erfolg mehr beschieden war. Denn zwei Tage später sagte die Arche90 unvermutet die Hilfeleistung wieder ab. Die Kapazitäten würde nicht ausreichen, sich auch noch um Tiere zu kümmern, die nicht aus Dortmund, ja nicht einmal aus Deutschland stammen.

Tatsächlich sind üblicherweise auch nur die regionalen Tierschutzvereine für die Problemfälle vor Ort verantwortlich. Demzufolge zeigte sich auch der Tierschutzverein Schwerte, wo auf Diane Naguschewskis Problem sehr freundlich und kompetent eingegangen wurde, für Ginger ebenfalls nicht zuständig. Und der Tierschutzverein Groß-Dortmund e.V., der vor einiger Zeit noch sozial schwache Bürger unterstützte, hat dieses Angebot wegen knapper Kasse mittlerweile eingestellt.

Die zweite OP

Mittlerweile hat der alte, kranke Kater aus Malta nach einer Unterkiefer-Vereiterung schon die zweite (Not-)Operation überstanden, bei der ihm auch das Geschoss im Kopf entfernt wurde. Jetzt ist Diane Naguschewski dabei, Ginger mühsam abermals aufzupäppeln – und der Kater dankt. „Ich legte meinen kleinen Sohn, der eine Grippe bekam, ins Bett – und von seinem Lager kraxelte der schwerkranke Kater, um das Kind zu trösten“ berichtet Diane Naguschewski.

Wer hilft?

Doch mittlerweile ist die Tierfreundin aus Lichtendorf – auch finanziell – am Rande ihrer Kräfte. Denn fast 800 Euro hat die Behandlung von Ginger, der mittlerweile einen gesunden Appetit hat, bisher gekostet. Diane Naguschewski hofft auf Unterstützung. Und ist für jeden guten Rat dankbar.