Integration durch Ausbildung: Erste Zwischenbilanz aus Schwerte

Michele Demant und Tobias Bäcker (2.v.r.) sorgen in der Rohrmeisterei für Integration durch Ausbildung. (Foto: Bürgerstiftung Rohrmeisterei)

Michele Demant und Tobias Bäcker (2.v.r.) sorgen in der Rohrmeisterei für Integration durch Ausbildung. (Foto: Bürgerstiftung Rohrmeisterei)

Schwerte. Anfang 2016 startete die Bürgerstiftung Rohrmeisterei mit einem der ersten Modellprojekte für die berufliche Integration von Flüchtlingen. „Vor dem Hintergrund des damaligen Höhepunkts beim Zustrom von Menschen nach Deutschland war uns ein schnelles und pragmatisches Signal wichtig“, erinnert sich Stiftungsvorstand Tobias Bäcker.

Schon seit 2015 waren zwei reguläre Ausbildungsplätze an einen jungen Syrer und einen jungen Aserbaidschaner vergeben worden. Sieben junge Menschen nahmen nun seit Februar 2016 darüber hinaus für sechs Monate an einer Einstiegsqualifizierung teil – einem arbeitsmarktpolitischen Instrument zur Erlangung beruflicher Handlungsfähigkeit. Nach gut einem Jahr ziehen die Verantwortlichen nun eine erste Zwischenbilanz.
Einstiegsqualifizierung
Michele Demant, die das Projekt entwickelt hat, berichtet: „Aus dieser ersten Gruppe wurden im Sommer 2016 drei Flüchtlinge in normale Ausbildungsverhältnisse übernommen, einer von ihnen hat die Ausbildung nun unterbrochen, um einen Integrationskurs zu absolvieren. Ein Flüchtling wurde als Hilfskraft in Teilzeit fest eingestellt, ist aber inzwischen auf einen Ausbildungsplatz in einer anderen Branche gewechselt. Seit dem 1. August 2016 absolvieren drei weitere Flüchtlinge die Einstiegsqualifizierung in der Gastronomie der Rohrmeisterei. Die Maßnahme wird bis zum 31. Juli 2017 andauern. Ziel ist, alle Teilnehmer zum 1. August 2017 in Ausbildungsverhältnisse zu übernehmen.“
Sprachkurse
Voraussetzung für gesellschaftliche und berufliche Integration sind sprachliche Fähigkeiten. Da die anfänglichen breit angelegten Sprachkurse bei örtlichen Bildungsträgern nicht fortgesetzt wurden und die Bemühungen, die Berufsschule zu einem gesonderten Angebot zu bewegen, nicht fruchteten, finanziert die Rohrmeisterei nun weiterhin auf eigene Kosten einen zweimal wöchentlich stattfindenden betrieblichen Sprachkurs. Darüber hinaus wird einmal wöchentlich zu einem festen Termin eine Anlaufstelle und Gesprächsmöglichkeit für alle Maßnahmeteilnehmer angeboten. Insgesamt befinden sich aktuell sieben Flüchtlinge in Ausbildung bzw. Qualifizierung.
Verantwortung übernehmen
Das Projekt der Rohrmeisterei war eines der ersten landesweit, hat für Nachahmer in der Schwerter Wirtschaft gesorgt und wurde auf Tagungen von IHK und Dehoga präsentiert. In einem Schreiben des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW wird das „frühzeitige Engagement der Bürgerstiftung Rohrmeisterei bei der Qualifizierung und Beschäftigung von Flüchtlingen“ begrüßt. Im Herbst 2016 haben Kuratorium und Stifterversammlung der Rohrmeisterei die Flüchtlingsintegration als Satzungszweck der Bürgerstiftung ergänzt und damit das Engagement nachhaltig gemacht.
2018 weitere Plätze
Ab August 2018 sollen – neben der Übernahme der jetzigen Teilnehmer in Ausbildungsverhältnisse – erneut Plätze für neue Einstiegsqualifizierungen besetzt werden. Insbesondere der Tätigkeitsbereich Küche hat sich für das Projekt als geeignet herausgestellt. „Wir werden weiter Verantwortung übernehmen“, betont Tobias Bäcker. „Spracherwerb und berufliche Integration sind die wichtigsten Voraussetzungen für gesellschaftliche Integration. Unser Projekt ist unakademisch und nah am Menschen.“