Interview: Spitzen-Drummer Tony Liotta

Schlagzeuger Tony Liotta spielt in der Oberliga der internationalen Musikszene und lebt in Schwerte. Vor seinem nächsten Auftritt bei der „Groove Attack“ in Dortmund gab er dem wochenkurier ein Interview. (Foto: Marvin Breuer)

Schwerte. (mb) Er hat Generationen von Drummern inspiriert. Sein Stil und seine Grooves sind unverwechselbar. „Hot Chocolate“, „Earth, Wind and Fire“ und „Young Generation“ sind nur einige der bekannten Gruppen, für die er schon spielte. Auch im Madison Square Garden und der Radio City Hall in New York war er schon zu erleben.

Tony Liotta zählt weltweit zu den renommiertesten Schlagzeugern des Musikgeschäfts. Mittlerweile hat er sich zusammen mit Frau und Tochter in Schwerte niedergelassen. Marvin Brauer, 16, selbst Schlagzeuger, hat Liotta im Rahmen eines Praktikums für den wochenkurier interviewt.

Du bist ja schon viel in der Welt rumgekommen, woher kommst du eigentlich?

Ich bin in Turin geboren. Als ich sechs Monate war, sind wir in die USA gezogen. Meine Mutter ist Amerikanerin und mein Vater war Italiener.

Warum wohnst du jetzt in Schwerte?

Naja, vorher habe ich in Dortmund gelebt, aber ich bin hierhin gezogen, um etwas mehr Ruhe zu haben.

Wie bist du zum Schlagzeugspielen gekommen?

Bei mir in der Familie sind alle sehr musikalisch. Viele sind Musiker, Schauspieler, und, und, und. Ich wurde schon mit einem Schlagzeug in mir geboren (lacht).

Hattest du nie andere Berufswünsche?

Nein, ich wollte immer schon Musiker sein.

Wie würdest du deine Art zu spielen beschreiben?

Das kann ich schwer sagen. Ich bin Freelancer, ein Freischaffender, und ein Allrounder. Das heißt, ich spiele alles. Natürlich bin ich eher ein Soul-, Latin-, Jazz- und Fusion-Drummer, aber ich bin ja auch Dozent und daher unterrichte ich ebenso Heavy Metal und Punk.

Hast du dich auch von anderen großen Schlagzeugern inspirieren lassen?

Ja, ich habe zwei große Lehrer in meinem Leben gehabt. Einer davon war Buddy Rich und der andere war Steve Gadd. Klar gibt es auch noch viele andere, aber das waren für mich die Wichtigsten, denn ich hatte bei ihnen Unterricht, als ich noch in den USA gelebt habe.

Was war für dich das größte Event, bei dem du gespielt hast?

Naja, also ich mache diesen Job seit 45 Jahren und ich war auf allen großen Bühnen, daher muss ich sagen, dass jeder Gig, den ich erlebt habe, ein Erlebnis war. Ich kann nicht sagen, dass einer davon am besten war. Jedes Konzert ist anders und ich fand alle cool.

Hat man als Musiker eigentlich einen Alltag oder ist jeder Tag anders?

Bei mir ist es immer anders. Deswegen bin ich Musiker geworden, denn wenn ich jetzt in eine Fabrik gehen würde, um dort jeden Tag nach acht Stunden meine Karte abzustempeln, würde ich mich gleich umbringen (lacht). So bin ich eben Musiker geworden, ich höre jeden Tag andere Musik, habe andere Schüler, andere Konzerte, andere Platten… Das ist sehr abwechslungsreich, Gott sei Dank.

Wie sieht deine Zukunft aus und was hast du als nächstes vor?

Ja, ich habe viel vor. Als nächstes kommt jetzt Ende Februar, Anfang März meine neue DVD „Drum Energy“ heraus, dann läuft ich eine große Produktion mit meiner Plattenfirma, ich produziere noch zwei andere große Interpreten, die auch nach Deutschland kommen werden und für die ich auch Schlagzeug spiele.

Und bald steht doch auch wieder ein großer Auftritt an, oder?

Genau, ich mache „Groove Attack“ zusammen mit „Artists cat“, hinter dem Namen verbirgt sich meine Frau, und „Groove Attack“ läuft jeden Monat in der Pauluskirche in Dortmund, jetzt wieder am 15. Februar. Das Programm heißt diesmal „Jazz Brass“, aber wir werden keinen Standard-Jazz spielen, sondern gehen auch in Richtung Funk, Fusion und Latin.

Wie lange, glaubst du, wirst du noch Schlagzeuger bleiben?

Bis ich wahrscheinlich 350 Jahre alt bin (lacht).

Du arbeitest ja auch viel im Ausland. Was genau machst du da eigentlich?

Wir haben in der Nähe von Mailand ein großes Studio, in dem wir für Universal oder auch Warner Brothers Platten produzieren. Dort arbeitet auch Andrea Fresu, ein großer italienischer Produzent, sozusagen der Dieter Bohlen Italiens.

Weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für das Interview!