Island – einfach traumhaft!

Thorsten Trelenberg hat bei seinem Aufenthalt in Reykjavik besonders die Caféhauskultur genossen. Das gemütliche Café „babalou“ machte der Schwerter Lyriker zu seinem „Literaturhauptquartier“. (Foto: privat)

Schwerte. (NO) Der Schwerter Lyriker und Kinderbuchautor Thorsten Trelenberg verbrachte knapp vier Wochen, vom 23. Dezember 2012 bis 20. Januar 2013, auf Einladung des Isländischen Schriftstellerverbands als Stipendiat im Rejkjavik. Untergebracht war er im Gunnarshus, dem ehemaligen Wohnsitz von Gunnar Gunnarson (1889 – 1975), neben Halldor Laxness wohl der bedeutendste isländische Dichter des 20. Jahrhunderts. Im Gunnarshus war bereits unter anderem auch die Literaturpreisträgerin Hertha Müller zu Gast.

Sein bereits vierter Aufenthalt auf der Insel im Norden war für den Poeten aus der Hansestadt an der Ruhr das „bisher intensivste Island-Erlebnis“. Besonders die entspannte und offene Lebensart der Isländer haben es ihm angetan. Hier Teil II der Island-Impressionen.

Vom Wetter

An Island ist nur der Name kalt, stellte Trelenberg fest. Die Leute sind ungemein herzlich und vertrauensvoll, die Temperaturen auch mitten im Winter, der Golfstrom macht‘s möglich, durchaus erträglich. Regen, Nebel, Schnee – das Wetter in Rejkjavik zeigt sich in der Regel durchwachsen und stellt mit einem Kälterekord von minus 7 Grad auch für den Gast von der Ruhr keine Herausforderung dar. An den ständigen Wind muss sich der Neuling allerdings gewöhnen, und Bäume wird der Unkundige vergeblich suchen.

Lichthunger

Gewöhnungsbedürftig ist das spärliche Tageslicht zur Winterzeit. „Die Sonne ging bei meinem Besuch gegen 10.30 Uhr auf und verschwand dann um 14.30 Uhr wieder unter dem Horizont.“ Der kurzen Dämmerung folgt eine lange Nacht. Dunkel ist es dann, zumindest in der Hauptstadt, trotzdem nicht. „Die Isländer haben einen regelrechten Lichthunger, überall brennt Licht, alle Häuser, alle Räume sind hell erleuchtet“, so Trelenberg. Und wer sich ein wenig abseits der hellen Straßen aufhält, kann dennoch auf den einen oder anderen Lichtblick hoffen.

Nordlicht

„Zum ersten Mal im Leben habe ich Nordlicht gesehen!“, ist Thorsten Trelenberg auch jetzt noch begeistert. „Zuerst habe ich gedacht, es käme eine Nebelbank über das Meer heran, doch die wurde zu einem grün leuchtenden, hoch im Himmel wabernden Vorhang, und das Licht spiegelte sich im schwarzen Wasser und im frischen Schnee – traumhaft!“

Badekultur

Island, die Insel der Geysire, steckt voller vulkanischer Energie. 20.000 Erdbeben werden jährlich registriert. Nicht nur der Erdwärme wegen erfreut sich Island einer ausgeprägten Badekultur. Die tägliche Entspannung im Hot Pot, einer Art Whirl-Pool, in der Nachbarschaft oder im eigenen Haus ist obligatorisch und hat eine lange Tradition, ebenso Besuche in den zahlreichen Badeanstalten – gern mit der ganzen Familie.

„Dass sich Mama und Papa mit ihren durchschnittlich vier, fünf Kindern noch bis 23 Uhr Badespaß gönnen, ist eher die Regel als die Ausnahme“, so Trelenberg. Was dem Dichter aus Schwerte noch auffiel: „Auch in der Männerdusche stehen Wickeltische, damit sich nicht immer nur Mama um den Nachwuchs kümmern muss.“

Beneidenswerte Lebensart

Die rund 313.000 Isländer – rund 200.000 sind in Rejkjavik ansässig – leben, so Trelenberg, „in einer nahezu familiären Gesellschaft, die auf Vertrauen basiert. Man ist automatisch auch Fremden gegenüber auf ,Du‘, der Umgang miteinander ist sehr entspannt und informell, Hierarchien, wenn sie den existieren, sind kaum zu spüren. Der Staat ist für unsere Begriffe unterrepräsentiert, Politiker sind auf der Straße ansprechbar, und in den ganzen vier Wochen habe ich nur einmal einen Polizeiwagen gesehen!“

Offenheit

Die Offenheit der isländischen Gesellschaft sah Trelenberg auch durch die Möglichkeit des freien Blicks in Wohnräume bestätigt: „Keine Jalousien behindern den Blick in die Zimmer, keiner fühlt sich gestört, auf der anderen Seite ist man allerdings auch nicht besonders neugierig.“ Wo so viel Vertrauen und Offenheit herrscht, wiegt ein Vertrauensbruch besonders schwer und erschüttert die Basis der Gesellschaft. Thorsten Trelenberg: „Als sich die isländischen Banker verzockten und daraufhin die ganze Wirtschaft des Landes ins Taumeln geriet, war man fassungslos: dass Isländer ihre eigenen Landsleute über den Tisch ziehen galt bisher als völlig ausgeschlossen!“

Bastion Sprache

Island hat keine Schlösser, keine Burgen, hatte nie eine Armee. Die Bastion der Landeskultur ist die Sprache. Die hat sich seit 1000 Jahren kaum verändert, Isländer können auch heute noch die Edda im Original lesen. Ansonsten zeigt man an Literatur ein lebhaftes Interesse, volle Bücherregale findet man nicht nur in Privathäusern, sondern auch in den zahlreichen Cafés. Eines dieser Cafés, das „babalu“, hat Thorsten Trelenberg bei seinem Stipendium in Rejkjavic als „Literaturhauptquartier“ erkoren.

Kein Widerspruch

„Bei aller Liebe zur Tradition ist Island technisch auf dem allerneuesten Stand“, stellte Trelenberg fest. „Man ist bestens mit Smartphones, Computern und so weiter ausgestattet und nutzt die Geräte ohne Scheu. Bemerkenswert fand ich auch die in jeder Hinsicht exzellente Ausstattung von Kindertagesstätten und Schulen. Island ist eine vorbildliche Bildungsgesellschaft!“

Kontakte

Etliche Autoren- und Künstlerkontakte konnte der Schwerter Lyriker diesmal knüpfen, zudem wurde er zu einer Lesung in die Uni der Hauptstadt eingeladen. Aber auch Lesungen in diversen Cafés stießen bei den Einheimischen auf Sympathie und Interesse. „Mein ganz besonderer Dank gilt Kristinn Steinsdottir, Präsidentin des Isländischen Schriftstellerverbands (RSI), und Ragnheidur Tryggvadottir, ausführende Managerin des RSI. Beide haben sich liebevoll um mich gekümmert und ich habe sie ins Herz geschlossen!“

Island begeistert! Immer wieder muss Thorsten Trelenberg an die Insel im Norden und ihre liebenswerten Menschen denken. Und hat die Erkenntnis gewonnen: Ja, dort könnte ich leben…

Überaus produktiv war der Schwerter Lyriker bei seinem Aufenthalt in Island. Von seinem Stipendium auf Einladung des Isländischen Schriftstellerverbands brachte er 12 Kurzgeschichten und 77 Gedichte zurück. Hier eines davon.

Schwarzer Strand

Hier geht seit Jahrtausenden
Der Himmel an Land

Unaufhörlich brüllender Sturm
Deine trommelnden Reiter

Ziehen Tag und Nacht
Dunkle Wolken hinter sich her

Schwarzer Strand

Hier geht seit Jahrtausenden
Der Himmel an Land