Jenin in Schwerte

Schwerte. Lange Zeit galt das Flüchtlingslager Jenin/Palästina als Hochburg des Elends und des Terrorismus und stand im Visier israelischer Sicherheitskräfte. 2002 wurde Jenin als Antwort auf mehrere Anschläge in einen Trümmerhaufen verwandelt.

Wut, Gewalt, Tod - und Hoffnung: Das Freedom-Theatre aus Jenin gastiert in Kürze an der Realschule am Bohlgarten. (Foto: Veranstalter)

Doch spätestens mit dem Erscheinen des Filmes „Ein Herz von Jenin“ wurden andere Töne hörbar. In Jenin gab es Menschen, die sich der Spirale der Gewalt entgegenstellten. Hier arbeitete das Freedom-Theatre, das seit Jahren zu einer Zuflucht vieler Kinder des Lagers geworden war. Das Freedom-Theatre ist seit Anfang September nun auf Deutschland-Tournee und wird am 17. Oktober in Schwerte ein Gastspiel geben.

Den Grundstein für dieses Theater legte 1992 die israelische Friedensaktivistin Arna Mer-Khamis, die dort ein Kinderhaus aufbaute, in dem die Kinder Unterricht bekamen, um wie sie sagte, ihre Würde als Mensch zu erlangen. Nach ihrem Tod übernahm im Jahre 2006 ihr Sohn, der Schauspieler und Regisseur Juliano Mer-Khamis, die Einrichtung und führte sie als Freedom-Theatre auf eine professionelle Ebene.

Die Jugendlichen erlernten das Handwerk des Theaters als ihren Weg, ihre Erfahrungen umzusetzen, Raum für ihre Emotionen zu haben, für ihre Wut und ihre Sehnsüchte.

Mer Khamis und sein Theater setzte sich immer zwischen die Stühle, angefeindet von der Hamas, weil hier Mädchen und Jungen zusammen auf der Bühne auftraten, misstrauisch beäugt vom israelischen Staat, weil hier ein Israeli gemeinsame Sache mit Palästinensern machte. Das Theater war ein bedrohter Raum der Freiheit. Brandanschläge versuchten sie zu lähmen, und Anfang April 2011 wurde Juliano Mer-Khamis auf offener Straße von einem Maskierten erschossen.

Nach anfänglichem Schock spielten die Menschen weiter. Auch der nächtliche Überfall durch die israelische Armee, bei dem zwei Mitarbeiter verschleppt wurden, konnte sie nicht zurückhalten. Anfang September feierten sie eine fulminante Deutschlandpremiere mit ihrem Stück „Sho kman (Was noch?)„, ein knapp einstündiger furioser Einblick in das Leben der Kinder der zweiten Intifada, für die das Todesspiel so zum Alltag gehört wie bei uns die Playstation.

Zu sehen ist das Freedom-Theatre am Montag, 17. Oktober 2011, um 18 Uhr in der Aula der Realschule am Bohlgarten, Holzener Weg 22. Vorverkauf: Ruhrtal-Buchhandlung, ayuda, Raumausstattung Boos.