Jesidische Familie fühlt sich wie im Paradies

Schwerte. (NO) Einen weiten Weg musste die vielköpfige jesidische Familie Ali aus dem Nordirak zurücklegen, um nach zwei Jahren schließlich mehr oder weniger wohlbehalten in Schwerte anzukommen. Bei der gelernten Krankenschwester und Künstlerin Uschi Vielhauer fanden die Geflüchteten eine Bleibe, ein offenes Herz und tätige Hilfe. Die älteren Alis – 13 Personen zählt die sehr junge Familie – lernen nun eifrig Deutsch, es keimen Hoffnungen auf eine berufliche Zukunft an der Ruhr.

Beim Weltheater dabei

Doch zunächst steht vier Familienmitgliedern – Afrah, Ahmet, Omar und Salem – ihre erste Theatererfahrung bevor. Sie möchten im Rahmen des Welttheaters der Straße am 26. und 27. September bei einer Aufführung des Theatre Fragile mitwirken. Es geht um Flucht und Asyl. Titel des Stücks: „Wir treffen uns im Paradies“. Das passt. Denn die Alis sagen: „Hier sind wir im Paradies angekommen.“

Neben Afrah, Ahmet, Omar und Salem Ali wird sich auch Khaled Hamdi, der einst im syrischen Aleppo zuhause war und jetzt Bundesfreiwilligendienstleister bei Kultur- und Weiterbildungsbetrieb Schwerte ist, als Akteur dem Publikum präsentieren.

Maskenspiel und Soundcollage

Die theatrale Collage des Theatre Fragile „Wir treffen uns im Paradies“, produziert vom Kultursekretariat Gütersloh und unterstützt durch die Kulturregion Hellweg, findet mit Mitwirkenden aus Ahlen, Hamm, Unna und Schwerte statt. Mittels Maskenspiel, wenigen Requisiten, jedoch großer Körperpräsenz und unterlegt von Soundcollagen erzählen die Protagonisten ihre Geschichten von Abschied, Flucht und Ankunft. Zum Abschluss der Aufführungen wird an einem Stand Suppe gereicht – das gemeinsame Essen als Zeichen eines gedeihlichen Miteinanders. Heike Pohl vom Kulturbüro des KuWeBe hat bereits eine Aufführung miterlebt: „Das war Gänsehaut pur.“

Workshops und Interviews

Zurzeit werden im Rahmen eines von Lana Blömer koordinierten Workshops im „Kulturhaus am Bahnhof“ des Theaters am Fluss die Theater-Neulinge der Familie Ali und Khaled Hamdi interviewt. Diesen Job übernimmt Anna Schneider vom Theatre Fragile. Die Aussagen werden Bestandteil der Soundcollage, mit der das Stück „Wir treffen uns im Paradies“ unterlegt wird. Zudem werden die Akteure in den Maskenbau und das Maskenspiel eingeführt.

Hoffnung auf Neubeginn

Bei all den bedrückenden Erfahrungen von Vertreibung und Flucht soll die Aufführung in Schwerte beim Welttheater der Straße keine Trauer, sondern eher die Hoffnung des Neuanfangs vermitteln, so wie es schon bei den bisherigen Veranstaltungen zu erleben war. „Das wird ein Highlight des diesjährigen Welttheaters“, ist Heike Pohl vom Kulturbüro im KuWeBe überzeugt.