„Johnny zieht in den Krieg“ in Schwerte

Schwerte. Mit einem bislang einmaligen Ereignis in seiner fünfjährigen Geschichte kann das Theater am Fluss in Schwerte aufwarten: Als deutsche Erstaufführung hat unter der Regie von Lars Blömer das Antikriegsstück „Johnny zieht in den Krieg“ am Freitag, 24. Februar 2012, ab 19.30 Uhr in Halle 4 der Rohrmeisterei Premiere. Weitere Veranstaltungen sind am 26. und 29 Februar sowie am 1. und 2. März 2012, ebenfalls ab 19.30 Uhr.

Die Solorolle des Johnny ist mit Michael Wernikowski besetzt. (Foto: Theater am Fluss)

Dank Blömers persönlicher Kontakte zum US-amerikanischen Autor Bradley Rand Smith überließ dieser dem Theater am Fluss in Schwerte die Rechte zur Übersetzung ins Deutsche einschließlich der Aufführungen seines Stückes im deutschsprachigen Raum. Die deutsche Fassung besorgte die Schwerter Übersetzerin Katharina Wais, deren Honorar vom Förderverein des Schwerter Lions Club übernommen wurde.

Das Stück basiert auf einem Film aus dem Jahr 1971 von Dalton Trumbo, der seinen eigenen Roman aus dem Jahr 1939 verfilmte. Buch und Film schildern das Schicksal des 21-jährigen Joe (Johnny) Bonham, der freiwillig für die USA in den Ersten Weltkrieg zieht und schwer verwundet wird. Der US-amerikanische Autor Bradley Rand Smith hat den Stoff im Jahre 2003 für das Theater adaptiert. Daher lautet der (korrekte) Langtitel des Stückes „Dalton Trumbo’s Johnny got his gun – adaptiert von Bradley Rand Smith“.

Zum Inhalt: Der junge Johnny ist nur noch ein Stück Fleisch. Voller Tatendrang in den Ersten Weltkrieg gezogen, wurde der junge Soldat von einer Granate getroffen, verlor Augen, Ohren, Gesicht, Arme und Beine. Weil die Ärzte ihn für hirntot halten, erhalten sie ihn am Leben, um zu sehen, wie lang ein seelenloser Körper überlebt. Was sie nicht wissen: Johnny ist bei Bewusstsein, versucht verzweifelt Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen, lässt in diesem Dämmerzustand sein Leben, seine Familie und seine Liebe Revue passieren und verliert langsam den Verstand.

Das Stück ist ein eindringliches, schockierendes Antikriegsstück, das auch auf der formalen Ebene die Klischees eines herkömmlichen Soldatenschicksals durchbricht und zur erschütternden Reflexion über das Leben wird.

Lars Blömer: „Meine Inszenierung folgt der kompromisslosen Frage nach der eigenen Identität: Wann ist man noch Mensch, ab wann nur noch ein willenloses Stück Fleisch? Die Horrorvorstellung, im eigenen Körper gefangen und Dritten hilflos ausgeliefert zu sein, stelle ich dem Glück körperlicher Unversehrtheit entgegen. Der Körper als Vehikel unserer Welterfahrung – hier in einer feindlichen Welt – steht im Mittelpunkt des Geschehens, das ich mit äußerst reduzierten bühnenbildlichen Mitteln zeige.“

Die Rolle des Johnny wird durch Michael Wernikowski in beeindruckender und stark bewegender Weise verkörpert. Um seine grenzenlose Einsamkeit und Hilflosigkeit zu unterstreichen, werden die übrigen Personen im Stück über Ton zugespielt.

Karten kosten 9,00 Euro und ermäßigt 5,00 Euro; Kartenreservierungen unter info@theateramfluss.de; Hotline: 0 23 04 / 25 18 00, Karten auch in der Ruhrtal-Buchhandlung.