Kleine Bergstraße, großer Ärger

Schwerte. (NO) Stillstand, jahrelange Verzögerung und damit Kummer sind die Anwohner der Kleinen Bergstraße gewöhnt. Wenig bis nichts tut sich im Hinblick auf die Verbesserung der Lebensumstände in unmittelbarer Nähe der viel befahrenen Hörder Straße. Doch immerhin wurde im Oktober der Bürgerantrag zur Einrichtung der Tempo-30-Zone Bergstraße im Rahmen des Gesamtverkehrskonzept Schwerte-Nord vom Rat einstimmig beschlossen.

Hans Dieter Frost engagiert sich für die Interessen der Anwohner der Kleinen Bergstraße, die von Feinstaub und Verkehrslärm geplagt sind. (Foto: Norbert Fendler)

Ein Lichtblick. Doch die für die Anlieger unerträgliche Wohnsituation ist damit noch längst nicht aus der Welt geschafft. „Da müssen noch viele dicke Bretter gebohrt werden“, ist sich Hans Dieter Frost sicher. Feinstaub, Straßenlärm – es gibt viel zu tun.

Dicke Ordner

Mit Marion Töpfer gehört Frost, der im Rathaus oft, jedoch nicht immer gern gesehen wird, dem Verwaltungsbeirat der 30-köpfigen Eigentümergemeinschaft Kleine Bergstraße an. Als Frührentner hat er Zeit, sich den Anliegen der genervten Anwohner zu widmen. Etliche dicke Ordner hat der 60-Jährige bereits gefüllt: eine gut dokumentierte Sammlung der „unendlichen Geschichte“ an der Kleinen Bergstraße.

„Wenn sie wissen wollen, womit wir uns herumplagen müssen, fragen sie doch einfach mal eine Nachbarin und weist auf das Haus gegenüber, dessen Garten direkt an die Hörder Straße grenzt. Gern gibt die Nachbarin Evi K. Auskunft. Dampf ablassen – das müssen die Anwohner der Kleinen Bergstraße immer wieder einmal.

Unerträglich

„Wir wohnen hier seit 1988. Seit der Tunnel auf ist, also so seit drei Jahren, hat unsere Lebensqualität enorm abgenommen, man fühlt sich wie an der Rennbahn. Im Sommer ist der Verkehrslärm ohrenbetäubend. Und wenn die Lkw praktisch noch in der Nacht zum Montag wieder los brettern, ist an Schlaf erst recht nicht zu denken.

Mein Mann und ich sind berufstätig, tagsüber fühlen wir uns wie gerädert. Im Sommer halten wir deshalb trotz Hitze die Fenster geschlossen, sonst wäre es gar nicht auszuhalten. Und selbst bei geschlossenen Fenstern hören wir da und dort die Bässe in den Autos wummern, wenn mal wieder Stau ist. Und das kommt ja mehr als oft vor, der Verkehr hat in den letzten Jahren ja stark zugenommen.

Mehrmals am Tag schlängeln sich Polizei- und Rettungswagen mit lauten Tatü-Tata durch den Verkehr. Bei dem ganzen Krach hier würden wir jetzt auch keinen Käufer mehr für unser Haus finden. Und zum Lärm kommt natürlich noch die Belastung mit Feinstaub. Wir freuen uns schon immer auf den Winter, am besten mit ganz viel Schnee, dann kehrt wenigstens etwas Ruhe ein – und wir können auch mal wieder die Fenster aufmachen…“

Evi K. ist froh, dass sich Hans Dieter Frost so engagiert der Probleme der Bewohner der Kleinen Bergstraße – und damit auch ihrer eigenen – annimmt.

Nachtfahrverbot

Ganz oben auf der Wunschliste der Anwohner: Ein Nachtfahrverbot für Lkw für den Abschnitt der Hörder Straße zwischen der Autobahnauffahrt und der Stadtgrenze zu Dortmund. Wenigstens von 22 bis 6 Uhr sollte diese Maßnahme der Kleinen Bergstraße einige Stunden Ruhr verschaffen. Doch mittlerweile fühlen sich die Nachbarn regelrecht verschaukelt, denn weder die Stadt Schwerte noch Straßen NRW sieht sich für ein Lkw-Nachtfahrverbot zuständig. Die Stadt verweist auf den Landesbetrieb und dieser wieder zurück an Schwerte. Und der Lkw-Lärm bleibt. Obwohl in reinen und allgemeinen Wohngebieten laut Gesetz von 6 bis 22 Uhr maximal 59 Dezibel und von 22 bis 6 Uhr maximal 49 Dezibel unbedingt einzuhalten sind. Am Standort Kleine Bergstraße werden deutlich höhere Messwerte erreicht. Perspektiven? Vorerst keine. Denn der Beginn des Ausbaus der B 236 vom Tunnel bis zur Autobahn steht bislang in den Sternen…

Feinstaub

Weil an der Hörder Straße die von der EU erlaubten Feinstaubwerte laut Messungen mehr als 35 Mal überschritten werden, müsste ein Luftreinhalteplan erarbeitet werden. Warum das nicht geschieht? „Die Bundesregierung hat in Brüssel eine Reihe von Ausnahmegenehmigungen beantragt, so dass in bestimmten Gebieten eine Überschreitung rechtens ist. Die Luft an der Hörder Straße ist zwar dick, wird aber rein rechtlich aufgrund eines absurden bürokratischen Winkelzugs für sauber erklärt“, schimpft Hans Dieter Frost.

Naherholungsgebiet

Frost und seine Mitstreiter halten es außerdem für erforderlich, eine Umweltzone vom Freischütz aus in Richtung Schwerte einzurichten. „Die Bergstraße ist laut Kataster des Kreises Unna Bestandteil unseres allgemeinen Wohngebietes ‚Bergstraße, Bebauungsplan 29‘, weist aber eine Verkehrsdichte von mittlerweile 3,1 Millionen Fahrzeugen pro Jahr auf. Unser Ziel ist die Unterbindung des Schleichverkehrs, denn allzu viele Fahrer benutzen die Bergstraße als Schleichweg zur Autobahn, und die Entwicklung des Schwerter Waldes zu einem echten Naherholungsgebiet mit Tempoeinschränkungen und gezielten Fahrbehinderungen!“

Wahrlich „dicke Bretter“ muss die Eigentümergemeinschaft Kleine Bergstraße noch bohren. Sicher ist nicht jedem Anliegen Erfolg beschieden. Doch sich mit der verfahrenen Situation abzufinden, ist die Sache von Frost und Co. nicht. Man wird auch weiterhin von ihnen hören – nach dem Motto „Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“