Landtagswahl: Die Kandidaten in Schwerte

Schwerte. (ric/ME) Sie mussten bekanntlich vorgezogen werden. Deshalb finden die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen am Sonntag, 13. März 2012, statt. Der wochenkurier nahm dies zum Anlass, sich mit den Kandidaten auseinanderzusetzen und bat jeden der direkt kandidierenden Politiker zum persönlichen Gespräch. Schaffen Sie sich nun, liebe Leser, einen kleinen Überblick über die Kandidaten unserer Region (gegliedert nach Alter):

Jörg Schindel (CDU)

CDU

Die CDU schickt im Wahlkreis mit dem 29 Jahre alten Jörg Schindel den jüngsten Kandidaten ins Rennen. Schindel, frisch verheiratet, amtiert als Parteivorsitzender der CDU in Schwerte, seit 2002 ist er Mitglied der Partei.

„Wir müssen endlich anfangen zu sparen“, erklärt der selbstständige Rettungsassistent. „Die Politik muss sich disziplinieren, wir müssen eine Schuldengrenze anstreben.“ Die Belastbarkeit der Bürger sei erreicht, erklärt Schindel. Insofern sei es wichtig, dass Land und Bund ihre Aufgaben selbst bezahlen, folglich die Gelder nicht auf Städte und Kommunen abwälzen. „Gleichzeitig müssen die Kommunen ihre Möglichkeiten optimal nutzen“, so der Kandidat für die Landtagswahl und ergänzt: „Das gesellschaftliche Leben in den Städten ist darauf angewiesen, dass es attraktive kulturelle Angebote gibt.“

Neben der Stärkung der wirtschaftlichen Situation sieht Jörg Schindel die Familien im Vordergrund. „Es ist eine wichtige, gesellschaftspolitische Aufgabe, die Betreuung für unter drei Jahre alte Kinder zu optimieren. Ab August 2013 stehen hierfür finanzielle Mittel bereit – wir wollen den Betrag jedoch noch aufstocken“, so der 29-Jährige.

Susanne Schneider (FDP)

FDP

Susanne Schneider, 45 Jahre alt, genoss an ihrem Geburtstag Sonnenschein und Besuch, als ihr Mobiltelefon klingelte. Schneider rief die angekommene Mail ab – und staunte nicht schlecht über ihren Inhalt: „Was machst du die nächsten 60 Tage? Der Landtag hat sich aufgelöst!“ Susanne Schneider, die aus Baden-Württemberg stammt und über Bayern und Bochum 2004 nach Schwerte kam, ist seit 2003 in der Politik aktiv. Die gelernte Pharmareferentin ist Mutter von drei Kindern und stellte schnell fest, wie hoch die Defizite in der Kinderbetreuung sind. „Ich wollte mich engagieren, selbst tätig werden, die Dinge einfach anpacken. Somit fiel die Entscheidung schnell auf die FDP“, erinnert sich Schneider.

Heute ist die 45-Jährige Vorsitzende der Schwerter FDP, stellvertretende Parteivorsitzende im Kreis Unna und Mitglied im Bezirksvorstand der FDP Westfalen-Süd. Ganz oben auf die Fahne geschrieben haben sich die Liberalen die Bildungspolitik. „Ich finde es ganz wichtig, die Schulvielfalt zu erhalten“, sagt die Politikerin. „Jede Schulform hat ihre Daseinsberechtigung. Nur so können Kinder und Jugendliche individuell und passgenau gefördert werden.“ Angebot und Nachfrage bestimmen auch den nächsten Punkt, mit dem sich Schneider eingehend beschäftigt: Es geht um die Ladenöffnungszeiten: „Letztlich ist es doch so: Die Politik muss nicht immer und überall eingreifen. Die Öffnungszeiten von Geschäften richten sich ganz danach, ob ein Angebot von den Kunden angenommen wird oder nicht. Es bringt nichts, ständig neue Gesetze zu beschließen und die Bürger zu bevormunden. Unter Politik verstehe ich auch, dass die Menschen eigene Entscheidungen treffen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“ Ein weiteres, persönliches Anliegen ist Susanne Schneider die Diskussion um das Tempolimit: „Als Pharmareferentin sitze ich täglich viele Stunden im Auto. Ich verbringe unheimlich viel Zeit auf den Autobahnen und ich stehe ewig im Stau. Warum sollte man nicht überall dort, wo es gefahrlos möglich ist, so schnell fahren können, wie man möchte?“

Hartmut Ganzke (SPD)

SPD

„Wir benötigen unbedingt einen gesetzlichen Mindestlohn, der nicht unter 8,50 Euro liegen darf. Wer arbeitet, muss auch davon leben können“, ist der Kandidat der SPD, Hartmut Ganzke, überzeugt. Der 46-jährige Familienvater stammt aus Unna und ist als selbstständiger Rechtsanwalt tätig. In der SPD ist er seit 1985 aktiv, seit 1994 amtiert er als Kreistagsabgeordneter in Unna (seit 2008 stellvertretender Fraktionsvorsitzender).

„Türöffner“ will er für Unna, Schwerte, Holzwickede und Fröndenberg sein. „Die Kommunen benötigen in Düsseldorf einen Sprecher, der schnell und unkompliziert mit Anderen in Kontakt tritt, so effektiv arbeiten kann und das Gebiet aktiv stärkt“, erklärt Ganzke.

Auf Kreisebene liegt ihm der Übergang von der Schule in den Beruf besonders am Herzen. „Wir beklagen einerseits einen Fachkräftemangel, andererseits gibt es aber Jugendarbeitslosigkeit. Da kann etwas nicht stimmen“, stellt der Politiker klar. „Jeder Jugendliche muss individuell gefördert werden können. Es muss erreicht werden, dass jeder nach der Schule auch einen Ausbildungsplatz erhält.“

Heike Palm (Piraten)

Die Piraten

„Das wichtigste Anliegen der Piratenpartei ist Transparenz“, erklärt Heike Palm, Kandidatin der Partei. Die 48-jährige Diplompsychologin stammt aus Unna, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 2009 ist sie politisch aktiv. 2010 war sie bereits Direktkandidatin für den Wahlkreis. „Somit konnte ich mich schon damals gut in die Landespolitik einarbeiten“, ergänzt Palm.

Die Piraten haben es sich auf die Fahne geschrieben, den Stil der Politik zu verändern, „weil die Politik aktuell an den ganz normalen Bürgern vorbeigeht“, findet die Kandidatin. „Politische Entscheidungen sind nicht transparent genug, man wird einfach vor vollendete Tatsachen gestellt und hat nur unzureichende Möglichkeiten zur Beteiligung an den Beschlüssen.“ Ihre Mittel sind Bürgerbegehren, die heute noch viel zu wenig zum Einsatz kämen. Das liege auch an den Hindernissen, die ein solches Begehren zu überwinden habe: „Überbordende Bürokratie und erhebliche Auflagen machen es schwer, politisch aktiv zu sein.“ Auf offene Ohren im Wahlkreis treffe die Partei, so Palm. Sie fordert: „Politiker müssen herunter von ihrem hohen Ross und sich endlich wieder der Realität nähern. Wir sind schließlich Vertreter des Volkes, also müssen wir auch im Sinne der Bürger handeln und entscheiden.“

Herbert Goldmann (Die Grünen)

Die Grünen

Der Kandidat der Grünen, Herbert Goldmann, 57 Jahre alt, verheiratet, Ressortreferent in Iserlohn, war 17 Jahre lang Umweltamtsleiter. Als Vorsitzender der Grünen verfügt er über einen reichen Erfahrungsschatz. Politisch aktiv ist er seit Mitte der 80er Jahre. Schon damals beschäftigte sich der Fröndenberger intensiv mit der Asylantenbetreuung und Migrationen: „Das ist auch heute noch ein ausgesprochen wichtiges und hochinteressantes Feld, das jedoch leider viel zu wenig Beachtung findet. Dabei gibt es auch in Schwerte sehr viele Menschen mit Migrationshintergrund. Insofern wäre es unheimlich wichtig, dass wir uns intensiv mit den Rahmenbedingungen und der Integration auseinandersetzen.“ Problematisch findet es Goldmann, dass nach wie vor viele Kinder und Jugendliche kaum Zugänge zu Bildungs-, Kultur- und sinnvollen Freizeitangeboten haben.

Ebenso problematisch sieht der Politiker die Haushaltslage: „Die Städte haben keine finanziellen Spielräume mehr, die Entwicklung ist dadurch stark beeinträchtigt. Dies betrifft nicht nur den Zustand öffentlicher Gebäude oder Straßen, sondern auch die gänzlich menschlichen Bereiche der Städte. Wir benötigen unbedingt mehr Qualität und mehr Personal in Betreuungseinrichtungen wie Schulen und Kindergärten.“

Nicht zuletzt beschäftigt sich Herbert Goldmann intensiv mit der Umweltpolitik: „Die Grünen konnten einige wichtige Ziele erreichen und umsetzen.“ Dazu gehöre besonders das Klimaschutzgesetz: „Die Ziele sind durchaus realistisch, wenn auch noch in weiter Ferne. Aber es ist dringend notwendig, konsequent weiter an der Umsetzung zu arbeiten.“

Walter Wendt-Kleinberg (Die Linke)

Die Linke

Der Senior unter den Kandidaten stammt aus der Partei „Die Linke“: Walter Wendt-Kleinberg. Der 64-jährige Schwerter ist wissenschaftlicher Referent bei der evangelischen Kirche von Westfalen in Haus Villigst, wo er im Rahmen der gemeinsamen Sozialarbeit der Konfessionen zuständig ist für Fragen von „Kirche und Arbeitswelt“. Ging es hier früher vorrangig um die Arbeiter im Bergbau, sind es heute unter anderem die Mitarbeiter von Opel, die im Mittelpunkt der Arbeit von Wendt-Kleinberg stehen.

Natürlich seien die Schulden der öffentlichen Hand ein Riesenthema, aber man müsse nicht nur ihren Abbau im Blick haben, sondern auch über eine Verbesserung der Einnahmen nachdenken, etwa, indem eine Vermögenssteuer eingeführt wird. „In diesem Bereich gibt es reichlich Spielraum nach oben,“ hat der Kandidat erkannt. „Generell bin ich der Überzeugung, dass die Starken mehr für den sozialen Zusammenhalt tun müssen und dass mehr Gerechtigkeit auch mehr Lebensqualität bringt.“ Schließlich zähle Deutschland zu den reichsten Ländern der Erde, doch für die Verbesserung der Infrastruktur und für einen gut ausgestatteten Sozialstaat sei momentan merkwürdigerweise nicht mehr genug Geld da. Hier würde er gern umsteuern. Ein Herzensanliegen ist ihm auch die Bildungspolitik – er möchte, angelehnt an Finnland, „zehn Jahre Schule für alle“, also keine frühe Trennung. Eine bessere Bildung dürfe nicht von der Herkunft abhängig sein. Zudem fordert er, Deutschland solle sich zu einem „attraktiven Einwanderungsland“ mausern.