Legendäre Schwerter Schützenböller

Schwerte. (NO) Generationen von Schwerter Kindern haben auf den Kanonenrohren gesessen. Für die „Alten“ gehörten die „Böller“ immer schon zum Stadtbild. Dann verschwanden die Geschütze lange Jahre in der Versenkung. Jetzt werden sie, generalüberholt und frisch gestrichen, wieder aufgestellt – Dank des Bürger-Schützenvereins 1436.

Die legendären Schwerter Schützenböller werden wieder aufgestellt! Hier Oberst Erwin Lange, Geschäftsführerin Marlene Böker und der 2. Vorsitzende des BSV Schwerte von 1436, Manfred Hentschel, mit einer der kleinen Kanonen am Standort Im Reiche des Wassers. Die offizielle Übergabe der Böller findet am 1. September statt. (Foto: Norbert Fendler)

Ein Stück Geschichte

Mit den Kanonen verbindet sich ein gutes Stück Stadt- und Schützengeschichte. Im Jahr 1865 werden die zwei Schwerter Schützenböller erstmals erwähnt. Deren Herkunft ist jedoch nicht eindeutig nachgewiesen, möglicherweise waren sie ein Geschenk des damaligen Schützenkönigs Friedrich Pferdekämper an den Bürger-Schützenverein Schwerte von 1436.

Nie im Krieg

„Die Schützenböller bestehen aus gusseisernen Böllerrohren, Holzlafetten und Speicherrädern aus Holz und wiegen pro Stück rund 150 Kilo“, erklärt Oberst Erwin Lange, federführend bei der Restaurierung der Kleingeschütze und akribisch bemüht, sie wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzten. Lange weiter: „Sie dienten keinem kriegerischen Einsatz und gaben niemals einen echten Kanonenschuss ab. Sie waren jedoch gut für einen Ehrensalut, wenn ein neuer Schützenkönig ausgeschossen war und böllerten somit das jeweilige Schützenfest ein. Dieser Vorgang wurde nicht mit einer Kugel, sondern mit einer Sprengladung ausgelöst.“

60 Jahre Wahrzeichen

Die Schützenböller wurden in früheren Jahren bei Schützenumzügen mitgeführt und der Schwerter Bevölkerung präsentiert. Nach den Wirren des 1. Weltkrieges versanken sie vorübergehend in Vergessenheit. Es ist nicht überliefert, wo sie eingelagert waren. Als im Jahre 1933 das Ruhrtalmuseum gegründet wurde, erinnerte man sich der Schützenböller und sie erhielten unter den Arkaden des Alten Rathauses einen neuen Standort, sicher befestigt im Fußboden mit eigens hierfür gefertigten Stahlbügeln und Verankerungen. Dort überdauerten die Kleingeschütze 60 Jahre als historisches Wahrzeichen der Stadt und sind bei der Schwerter Bevölkerung und den Besuchern der Stadt als besondere Sehenswürdigkeit in Erinnerung geblieben.

Brandschäden

Als im Jahre 1993 die Arkaden verglast wurden und der somit geschaffene neue Raum einer anderen Nutzung zugeführt wurde, mussten die Schützenböller weichen, wurden eingelagert und erlitten im Jahre 1997 infolge eines Brandes erhebliche Schäden. Zwar beseitigte man nachher die Schäden – aber nicht originalgetreu, wie sich später herausstellte. Es vergingen einige Jahre, bis neue Entscheidungen des amtierenden Schützenvorstandes getroffen wurden mit dem Ziel, die Böller wieder originalgetreu zu restaurieren und einen würdigen Standort zu finden, um sie wieder als prägendes Wahrzeichen der Stadt zu übergeben.

Restaurierung

Die Restaurierug fand hauptsächlich in Eigenregie statt. Die Speichenräder beispielsweise wurden eigens aus Bayern neu angeschafft und mit viel Kleinarbeit in den jetzigen Zustand gebracht. Die Überarbeitung der Lafetten und einige wichtige Metallarbeiten ergänzten die oft mühsame Arbeit. Gleichzeitig wurde nach einem geeigneten und würdigen Standort in der Altstadt gesucht. Es war der Wunsch des Schützenvorstandes, die Böller möglichst in die Nähe des früheren Standortes zu bringen. „Bei der Suche war die Stadt Schwerte, insbesondere Bürgermeister Böckelühr, äußerst hilfreich und kooperativ“, würdigt Manfred Hentschel, 2. Vorsitzende des BSV Schwerte von 1436, das Engagement des Stadtoberhaupts. Ebenfalls mit eingebunden in das „Böller-Projekt“ wurden das Oberschicht, der Vorstand von Schicht 1 sowie der Heimat- und Hanseverein.

Im Reiche des Wassers

Vorgeschlagen wurden mehrere Standorte. Letztlich entschied man sich für das Gelände im Reiche des Wassers rechts und links der Strangbrücke, wo das ehemalige alte Brückentor stand – ein passender, historischer Standort in der Altstadt. Die SEG erklärte sich bereit, die Arbeiten für das Fundament, das Verlegen des Altstadtpflasters und die Verankerung der Böller vorzunehmen. Am Montag, 20. August 2012, wird mit den Arbeiten begonnen.

Übergabe

Die Schützenböller, Schwertes alte und neue Wahrzeichen, werden am 1. September um 11 Uhr wieder an die Schwerter Bevölkerung übergeben. Dabei können sie zwar nicht Salut schießen, aber für den passenden Knalleffekt ist dennoch gesorgt. Denn zur Übergabe rückt der befreundete Schützenverein Iserlohn-Dördel mit einem eigenen Böller an.

Eine Bitte

Abschließend tritt der Bürger-Schützenverein Schwerte von 1436 e.V. mit einer besonderen Bitte an die Bevölkerung heran: „Achten sie auf die Böller, damit sie vor Vandalismus und vor Verunreinigungen geschützt werden!“