Leidenschaftlicher Holzpfosten der ersten Stunde

Schwerte. (hc) Nils Klems ist eine Tausendsassa bei den Holzpfosten Schwerte.
Der 27-Jährige ist nicht nur Futsaler der ersten Stunde, er ist auch noch der
erste Vorsitzende des Gesamtvereins.
„Noch“, wie Klems betont. „Es ist einfach zu viel. Selber spielen, die
Entfernung und dann noch so ein Amt bekleiden ist einfach eine ganz schön große
Aufgabe.“
In der Tat, wer Klems kennenlernt, der muss glauben, dass sein Tag mehr als
24 Stunden hat. Neben einem „ganz normalen“ Bürojob als Key-Account-Manager
trainiert er täglich. Montags und Mittwochs mit seinen Teamkollegen, ansonsten
individuell. „Das erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Wenn man abends um
halb sieben nach Hause kommt, dann will man manchmal lieber auf die Couch, als
noch einmal eine oder eineinhalb Stunden zu trainieren“, gibt Klems einen
Einblick in seinen täglichen Ablauf.
Lange Tage, kurze Nächte
Dieser wird vor allem donnerstags empfindlich gestört. Grund dafür ist die
sehr späte Trainingszeit der Holzpfosten in der Alfred-Berg-Halle. Von 21.45 bis
23.15 Uhr geht das Training. Klems muss dann noch zurück nach Köln, wo er lebt
und arbeitet. Das sind dann 180 Kilometer pro Training und eine sehr späte
Ankunft in der Domstadt.
„Das ist eigentlich eine Frechheit“, findet Klems deutliche Worte. „Wir sind
zweimal deutscher Vizemeister geworden und trainieren zu diesen Zeiten. Da wäre
mehr Unterstützung wünschenswert.“
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Satzung über die Nutzung
kommunaler Sportanlagen in der Stadt Schwerte. Diese besagt in Paragraph zwei,
Abschnitt vier: „Nach 22 Uhr darf keine Sportanlage mehr benutzt werden. Über
Abweichung entscheidet die Stadt nach pflichtgemäßen Ermessen.“ Das heißt, dass
Klems und Co eigentlich früher in die Halle müssten, um den eigenen Vorgaben der
Stadt zu entsprechen. Doch es bewegt sich wenig auf diesem Sektor. „Wir sind ja
schon froh in der Alfred-Berg-Halle zu spielen. Die hat wenigstens die richtigen
Abmessungen“, erklärt Klems. Um teamtaktische Einheiten zu gewährleisten ist
eine große Halle nötig. Um auch öfter in den „Genuss“ von Training zu kommen,
haben sich die Schwerter bei Eintracht Dortmund „eingemietet“. „Das ist nicht
gerade günstig“ bekennt Klems.
Doch die Ziele der Holzpfosten sind groß, so dass alle Spieler viel Herzblut
in die ganze Sache legen.
Moskau, London, Amsterdam
Einmal international spielen, das ist ein ganz großer Traum den sich die
Holzpfosten erfüllen wollen. Um im UEFA-Cup, dem europäischen Pokalwettbewerb,
teilnehmen müssen sich die Ruhrstädter allerdings zuvor einen ganz anderen
Wunsch erfüllen: die Meisterschaft. „Wir sind zweimal Vizemeister geworden,
haben letztes Jahr Rang eins in der Regionalliga belegt. Natürlich kann man da
nicht sagen, wir wollen Vierter werden. Aber die Liga wird immer stärker“,
erklärt Klems.
Neuer Trainer bringt frischen Wind
Einen großen Vorteil in diser Saison sieht er in der Verpflichtung von
Trainer Daniel Ramon Saballs. „Er hat unglaublich viel Fachwissen. Wir lernen
sehr viele Sachen neu und machen viele neue Übungen. Da sind viele Sachen bei,
die wir von grundauf neu lernen“, berichtet Klems von der Arbeit des neuen
Coaches. Bereits im letzten Jahr wollte man Saballs verpflichten, doch der hatte
seine Zusage in Mühlheim gegeben. 2016 klappte es aber. Klems hatte dabei
natürlich seine Finger im Spiel. Er hatte den Kontakt hergestellt und ist nicht
nur als Spieler, sondern auch als Vorsitzender sehr stolz darauf, dass Saballs
sich für die Holzpfosten entschieden hat.
Den Bundesadler auf der Brust
Ein weiteres persönliches Ziel kann sich Klems schon in diesem Herbst
erfüllen. Der Deutsche Fußballbund hat eine Futsal-Nationalmannschaft gegründet
und Klems gehört zum Kader. „Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich habe
bereits an ein paar Maßnahmen teilgenommen, aber der Konkurrenzkampf ist sehr
groß“, erklärt er. Gemeinsam mit Sandro Jurado Garcia war er zum Beispiel in
Georgien und hat dort einem Lehrgang samt Trainingsspiel teilgenommen. „Die
haben erst einmal das Fernsehen und Zuschauer eingeladen, das war dem DFB nicht
so recht“, so Klems. Hintergrund ist, dass die ersten beiden offiziellen Spiele
der DFB-Auswahl erst am 30. Oktober und 1. November in Hamburg gegen England
ausgetragen werden sollen. Live-Übertragung im TV inklusive. Diese beiden
Begegnungen plus die EM-Qualifikation sind das große persönliche Ziel von Nils
Klems. „Dafür trainiere ich jeden Tag sehr hart. Das motiviert mich seit
mehreren Jahren, ich will unbedingt dazu gehören!“
Startschuss der Karriere
Das wäre die vorläufige Krönung von etwas, dass ebenfalls mit einem
TV-Mitschnitt begonnen hatte. „Ich hab Futsal zum ersten Mal bei Eurosport
gesehen. Die haben da ein WM-Spiel gezeigt, glaube ich. Da war die Idee dann
geboren. Der Verein bestand ja schon, ich hab mein Leben lang Fußball gespielt
und dann bin zum Futsal gewechselt“, erklärt er den Wechsel vom Rasenviereck in
die Halle.
Zunächst wurden beide Sportarten parallel ausgeführt, vor zwei Jahren
entschied er sich endgültig für den Futsal.
Spezialisierung nötig
„Das ist auch nötig. Eine weitere Professionalierung ist nötig, wenn man
Erfolg haben will. Das wird der DFB auch hoffentlich schnell einsehen und die
entsprechenden Strukturen schaffen.“ In Deutschland ist es derzeit noch nicht
möglich, als Futsal-Profi seine Brötchen zu verdienen, doch Klems sieht klare
Tendenzen dahin gehend. „Ich werde das wohl nicht mehr in meiner Laufbahn
erleben“, sieht er das ganz nüchtern, doch mit Freude für seinen Sport. Die
Stars der Branche spielen in Brasilien oder Portugal und heißen Falcao oder
Ricardinho. Sie sind die absoluten Superstars und verdienen Geld mit ihrem
Können in der Halle. Sie spielen ausschließlich Futsal, auch wenn es Ausflüge
zum „großen Bruder“ Fußball gab.
Klems selbst schaut sich gerne im Internet die Highlight-Clips der Beiden an
und übernimmt den ein oder anderen Trick von ihnen.
Kleine Futsal-Fans
Als Vorbilder würde er sie allerdings nicht bezeichnen, zu unterschiedlich
sind noch die Voraussetzungen. Er selbst sieht sich auch noch nicht in der
Vorbild-Rolle, wenn gleich immer mehr Kinder Interesse am Futsal entwickeln. „Es
ist super zu sehen, wenn die Kleinen sich die Spiel anschauen und auch mal nach
einem Foto oder Autogramm fragen. Das Interesse ist für den Sport einfach nur
toll.“ Klems erhofft sich daher, dass sein Verein weiter im Aufschwung bleibt
und neben der Herren und Damenmannschaft vielleicht auch bald Nachwuchs-Futsaler
in den eigenen Reihen begrüßen kann. Dann allerdings zu etwas
kinderfreundlicheren Trainingszeiten…