Leserbrief: „Grenze ist zwischen Demokraten und Demokratiefeinden“

Betrifft: Artikel „Religionsgemeinschaften unterzeichnen Votum für Vielfalt und Toleranz“ vom 1. April

Die Bemühungen um ein ersprießliches Zusammenleben der vielen Schwerter Religionsgemeinschaften sind zu loben und sicherlich gut gemeint. Allerdings beschloss kürzlich der Vorsitzende der Schwerter DITIB-Moscheegemeinde, aus dem Vorbereitungskreis für das überkonfessionelle und internationale Friedensgebet auszuscheiden. Außerdem, findet er, sollten sich islamische Frauen und Männer nicht die Hände schütteln. Das wurde meiner Meinung nach zu Recht von einer Schwerter Pfarrerin und einem ihrer Amtskollegen kritisiert.
Vielleicht sollte man hin und wieder einmal die Freitagspredigten der Schwerter DITIB-Moschee besuchen, um die alltägliche islamische Religionspraxis hautnah zu erleben. Der Journalist Constantin Schreiber hat kürzlich das Buch „Inside Islam“ vorgestellt, nachdem er acht Monate lang Freitagspredigten in deutschen Moscheen besuchte, darunter selbstverständlich auch DITIB-Moscheen. Er kommt zu alarmierenden Ergebnissen bezogen auf das demokratische Ziel der Integration zwischen Muslimen und andersgläubigen bzw. atheistischen Deutschen und dem Inhalt von Moscheepredigten.
Das Fazit Constantin Schreibers ist, überaus diplomatisch ausgedrückt, bedrückend: „Nach acht Monaten Recherche musste ich feststellen: Moscheen sind politische Räume. Die von mir besuchten Predigten waren mehrheitlich gegen die Integration von Muslimen in die deutsche Gesellschaft gerichtet. Wenn das Leben in Deutschland thematisiert wurde, dann hauptsächlich in einem negativen Zusammenhang. (…) Fast allen Predigten ist der Aufruf an die Gläubigen gemein, sich abzukapseln und unter sich zu bleiben.“
Zu Herrn Schreibers Ermittlungen und Erkenntnissen passt die Integrationsverweigerung der Schwerter DITIB-Verantwortlichen bezüglich des interkonfessionellen Friedensgebetes.
Integration funktioniert bei allem guten Willen nur mittels ehrlicher Analyse des Bestehenden und nicht aufgrund freundlicher Blicke durch die rosa Brille. Wir brauchen keine Moscheen, in denen Imame gegen die Demokratie hetzen.
Die Grenze verläuft allerdings nicht zwischen zufällig als Türken oder Deutschen Geborenen, sondern zwischen Demokraten und Feinden der Demokratie. Ein türkischer Demokrat ist mir tausend Mal lieber als ein deutscher Nazi. Die 60 Prozent deutscher Türken, die für den Diktator Erdogan sind, können mir allerdings genauso gestohlen bleiben wie die deutschen AFD-Anhänger.
Hartmut Wagner, Schwerte