Leserbriefe: Pläne zur Schließung des Wandhofener Friedhofs

Schwerte. Zu unserer Berichterstattung rund um die Pläne zur Schließung des Friedhofs und der Trauerhalle in Wandhofen erhielten wir mehrere Leserbriefe, die wir im Folgenden veröffentlichen.
Kostenlos arbeiten für Friedhofserhalt

Liebe Mitbürger,
als ich am 2. Februar in der Bürgerversammlung in Wandhofen war, war ich sehr enttäuscht. Es ging um den Erhalt des dortigen Friedhofs und unser erster Bürger der Stadt glänzte wie so oft, wenn es um ganz sensible Themen geht, durch Abwesenheit. Angestellte haben, bis auf einen die Diskussion geführt, somit wurde das Pferd von hinten aufgezäumt. Letztendlich entscheidet der Rat der Stadt und nicht die Mitarbeiter. Deshalb sollte der Stadtrat solche Diskussionen führen.
Lob möchte ich aussprechen, dass wenigstens ein Bestattungsunternehmen von vielen dort anwesend war und für alle nachvollziehbare Wortbeiträge kommentierte. Für den Erhalt aller Friedhöfe und Trauerhallen. (…)
Es darf auch nicht sein, dass einem vorgeschrieben wird, welche Bestattungen man vorzunehmen hat. Man fühlt sich ja um 80 Jahre zurück versetzt. Wer aus der Geschichte nicht lernt, ist gezwungen, sie zu wiederholen.
Des Weiteren möchte ich mich anbieten, kostenlos für ca. 50 Stunden im Jahr zu arbeiten und hoffe, dass dies viele Mitbürger tun, damit der Friedhof mit allen Gegebenheiten erhalten bleibt.
Martin Fischer, Im Potthof 3
Gründe zur Friedhofsschließung werden verschwiegen
 
Die Informationsveranstaltung in Wandhofen zum Thema – Schließung des örtlichen Friedhofs am 2. Februar – brachte es an den Tag. Die Stadt Schwerte hat durch die geplante Schließung keinerlei finanzielle Vorteile und wenn, dann erst im ungünstigsten Fall in 55 Jahren. Im Gegenzug verzichtet sie bei der Schließung des Friedhofs auf Einnahmen in Höhe von ca. 21.000 Euro pro Jahr (bei 55 Jahren wären das 1.155.000 Euro), wobei die Pflegekosten bis zur endgültigen Schließung weiter anfallen.
Je tiefer ich in die Materie einsteige und mich mit Verwaltungsmitarbeitern anderer Städte über die von der Verwaltung vorgebrachte Begründung zu der geplanten Schließung des Friedhofs in Wandhofen unterhalte, komme ich zu dem Ergebnis, dass man im Schwerter Rathaus die wahren Gründe für die Schließung des Friedhofs verschweigt. Bei der Informationsveranstaltung in Wandhofen wurden von der Verwaltung vier Dinge als Gründe für die geplante Schließung genannt. Zum einen führt man die schlechte Finanzlage der Stadt Schwerte als Sicherungsgemeinde und zum anderen auf die großen Flächenüberhänge auf den kommunalen Friedhöfen sowie die steigenden Friedhofsgebühren und die geringe Auslastung des Friedhofs in Wandhofen an. Diese Aussagen sind und können nicht der wahre Grund für die Schließung des Friedhofs sein, da muss es noch etwas anderes geben.
Bei einer Schließung des Wandhofener Friedhofs kann im ungünstigsten Fall eine Kosteneinsparung in 54 Jahren erreicht werden. Für eine Haushaltssicherungsmaßnahme ist dieses Vorgehen wohl kaum geeignet. Bei der Informationsveranstaltung habe ich darauf hingewiesen, dass bei einer Schließung die jährlichen Kosten weiterhin anfallen und die Einnahmen von jetzt 60 Prozent dann komplett entfallen. Bei dieser Konstellation muss ich mich fragen, wo da die Kosteneinsparung für die Stadt Schwerte zu sehen ist. Wenn man die Flächenüberhänge in Wandhofen abbauen will, so kann man das doch tun. Deshalb muss man den Friedhof nicht schließen.
Im Übrigen sagt selbst die Verwaltung, dass der Gebührenhaushalt ‚Friedhöfe‘ mit der Schließung des Friedhofes in Wandhofen und dem Abriss der Trauerhalle allein nicht zu retten sei. Es müssten weitere Lösungen zur Stabilisierung des Gebührenhaushaltes gefunden werden. Die Gebühren bei den kommunalen Friedhöfen werden weiter steigen. Die starke Konkurrenz durch die konfessionellen Friedhöfe, bei den zum Teil erheblich günstigeren Bestattungskosten, deren besserer Pflegezustand und Ausrüstung werden dazu führen, dass die Stadt Schwerte, weitere Bestattungen verlieren wird. Hieran muss unbedingt gearbeitet werden.
Will die Verwaltung die ungeliebte Trauerhalle in Wandhofen weg haben und bietet später den Abriss gegen den Erhalt des Friedhofs an? Oder will man in Wandhofen ein Exempel statuieren, um das Verhalten der Bevölkerung zu testen und um daraus zu lernen, wie man dann in Zukunft auch die anderen kommunalen Friedhöfe leichter schließen kann?
Warum um alles in der Welt muss man bei dieser Betrachtung der Dinge den Friedhof in Wandhofen schließen? Kann es sich denn die Stadt Schwerte denn überhaupt erlauben, auf weitere Einnahmen aus Wandhofen zu verzichten? Es gibt nach wie vor keinen plausiblen Grund, den Friedhof in Wandhofen zu schließen, denn an der Belastung der Stadt Schwerte würde sich dadurch nichts ändern. Was sind also die wahren Gründe für die Schließung?
Dieter Schmikowski, Sprecher der Dorfgemeinschaft Wandhofen
 
Ein „Glanzstück“ zur Bürgernähe
Als Anwesende in der Bürgerversammlung in Wandhofen ziehe ich folgendes Fazit. Als unmittelbare Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger setzten die gewählten Volksvertreter vor Ort Verwaltungskräfte ein, die im Rat der Stadt keine Entscheidungsfunktionen haben. Die heiße Debatte zwischen Bürger und Verwaltung verfolgten dennoch die anwesenden politischen Vertreter aller Ratsfraktionen, ein Wortbeitrag bzw. Einmischung von ihnen erfolgte dagegen zu keinem Punkt!
Selbst die Aussage vom ehemaligen SPD-Ratsherrn und Sprecher Dieter Schmikowski, das die im Rat der Stadt vertretenen Parteien die Friedhofsschließung schon längst beschlossen hätten, konnten die anwesenden Volksvertreter nicht zu einem Dementi bewegen. Keiner aus der Politikerkaste hatte den Schneid, vor Ort Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern zu übernehmen.
Natürlich ist aus meiner Erfahrung als ehemalige Fraktionsvorsitzende der Wählervereinigung für Schwerte die Friedhofsschließung im Vorfeld der Ratsentscheidung bereits getroffen und da wird sich nichts ändern. Der von allen Beteiligten gepriesene Satz „Bürgerinnen und Bürger müssen frühzeitig in den Entscheidungsprozess aufgenommen werden“ gleicht einer Sprechblase, ansonsten wären die Erstinformationen zu diesem Thema direkt von der Politik gekommen und nicht von einem Insider.
Ilona Blank
Erstaunliches Sparmodell
Gern wird unseren Politikern vorgeworfen, nicht über die Wahlperiode hinaus zu denken. Was dabei herauskommt, wenn sich Politik um Nachhaltigkeit bemüht, mussten am Donnerstag die Wandhofener bei einer Informationsveranstaltung zur geplanten Schließung des dortigen Friedhofs erfahren.
Unter Hinweis auf die prekäre Finanzlage der Stadt Schwerte als Nothaushaltsgemeinde wurde ein erstaunliches Sparmodel vorgestellt: Der Friedhof soll geschlossen werden, d.h., es sollen keine Beisetzungen mehr vorgenommen werden. Ausnahme: Ehegatten und eingetragene Lebenspartner, wenn das Nutzungsrecht für die Grabstelle des zuerst Verstorbenen noch nicht abgelaufen ist.
Nach Ablauf aller Nutzungsrechte soll dann der Friedhof entwidmet werden. Bis dahin fallen die jährlichen Kosten weiterhin an, die Einnahmen, die nach Angaben der Verwaltung derzeit immerhin 60 Prozent der Ausgaben decken, entfallen jedoch mit sofortiger Wirkung.
Die Hoffnung, dass die künftig in Wandhofen nicht mehr möglichen Beisetzungen dann auf einem der verbliebenen städtischen Friedhöfe stattfinden und somit dort die Rentabilität steigern, scheint unbegründet. Schließlich wiesen die Vertreter der Verwaltung selbst auf die starke Konkurrenz u.a. durch die konfessionellen Friedhöfe hin, die nicht nur gebührenmäßig, sondern nach allgemeiner Überzeugung der Anwesenden auch vom Pflegezustand her attraktiver sind. Somit scheint nur die Nähe bzw. die bereits hier erfolgte Beisetzung weiterer Angehöriger zu einer Bestattung auf einem städtischen Friedhof zu motivieren.
Der Zeitpunkt, an dem die Kosteneinsparung realisiert werden kann, tritt im ungünstigsten Fall in 54 Jahren, also im Jahre 2071 ein. Darauf angesprochen verwiesen die Vertreter der Verwaltung auf die Verpflichtung auch gegenüber späteren Generationen (hier kommt die Nachhaltigkeit ins Spiel) und darauf, dass nur durch einen entsprechenden Beschluss zum jetzigen Zeitpunkt der Wegfall der finanziellen Belastung in (später) Zukunft eingeleitet werden könne.
So begrüßenswert eine vorausschauende Politik auch sein mag, so unwahrscheinlich erscheint es doch, der Bezirksregierung im Rahmen des Konsolidierungskonzeptes dieses Vorgehen als geeigneten Beitrag zur Sanierung des städtischen Haushalts zu verkaufen. Schließlich wird nicht nur für die Dauer von bis zu 54 Jahren auf Einnahmen verzichtet, sondern auch die Ausgaben werden, unabhängig von den allgemeinen Preissteigerungen, durch dieses Vorgehen erhöht.
Wenn Nutzungsrechte für einzelne Grabstellen ablaufen und diese nicht neu belegt werden dürfen, steigt entsprechend der von der Stadt auf eigene Kosten zu pflegende Flächenanteil. Und selbst bei Entwidmung des Friedhofs entfallen die von der Verwaltung als anteilig auf den Friedhof Wandhofen entfallenden Kosten nicht in dem dargestellten Umfang. So enthalten etwa die Personalkosten sogenannte Overhead-Kosten, z.B. Gehaltsanteile der Kämmerin und der weiteren Vorgesetzten des tatsächlich auf dem Friedhof tätigen Personals, der Posten „interne Leistungserbringung“ beinhaltet fiktive Kosten für etwa Rechtsberatung durch das Rechtsamt, personalwirtschaftliche Betreuung durch das Personalamt usw..
Diese Kostenanteile werden durch Wegfall des Friedhofs nicht verringert, sondern bestenfalls nach einem veränderten Schlüssel neu verteilt. An der Belastung für die Stadt Schwerte insgesamt ändert sich hier nichts.
Nun täte man der Verwaltung sicher Unrecht, würde man ihr unterstellen, all diese offensichtlich erscheinenden Argumente gegen die geplante Schließung des Friedhofs nicht selbst erkannt zu haben. Vielmehr hatten die am Donnerstag anwesenden Vertreter die undankbare Aufgabe, eine, wenn auch noch nicht offiziell beschlossene, jedoch allem Anschein nach bereits feststehende und politisch motivierte Vorgehensweise fachlich zu begründen, was bei der beschriebenen Sachlage naturgemäß schwierig war.
Erstaunlich in diesem Zusammenhang erscheint es, dass bisher von keiner Partei eine eindeutige Stellungnahme erfolgte. Grundsätzlich ist ja eine parteiübergreifende Einigkeit zum Wohl der Stadt durchaus wünschenswert. Dass sich alle Ratsvertreter von der offiziellen Begründung zur Schließung des Friedhofs haben überzeugen lassen, darf jedoch angezweifelt werden. Für die von der Kämmerin zu Beginn der Info-Veranstaltung eingeforderte „offene und faire Diskussion“ wäre es daher hilfreich, die wahren Beweggründe auf den Tisch zu legen.
Gabi Weck