Liebe, Schweigen, Schuld und Verhängnis

Schwerte. (NO) Daniela Gerlach, die Pendlerin zwischen ihrer Wahlheimat Spanien und der Geburtsstadt Dortmund, zieht es immer wieder auch an die Ruhr. Anlaufstelle ist dann Schwerte-Wandhofen, wo im Haus von Onkel und Tante Erinnerungen lebendig werden. Vor kurzem war Daniela Gerlach wieder vor Ort, im Gepäck ihr neues Buch mit dem Titel „Was das Meer nicht will“. Ihr zweiter Roman ist ein tiefgründiges Beziehungsdrama, ein beklemmendes Kammerspiel über die Verflechtung von Liebe, Eifersucht, Schweigen und Schuld. Eine Verstrickung, die verhängnisvoll endet.

In Dortmund geboren, studierte Daniele Gerlach in München Neue Deutsche Literatur, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften, arbeitete als freie Journalistin, machte eine Werbetexter-Ausbildung, wurde Sekretärin, Ghostwriter und Co-Autorin. 1997 lernte sie einen Spanier kennen, nach der Heirat ließ sich das Paar an der Küste vor Sevilla nieder. Auch jetzt produziert Daniela Gerlach dort berufsmäßig noch „Bücher für andere“, hat sich mit ihrem Neuling aber auf den Weg zur freien Autorin begeben.

Ein reifes Werk

Der Wochenkurier hat Daniela Gerlach, Jahrgang 1962, und ihren Erstling „Ruhrkönige“, einen Reigen recht skurriler „Ruhri“-Typen, bereits im Dezember vorgestellt. Ganz anders – anspruchsvoller, intimer, emotionaler, auch sprachlich ausgereifter – präsentiert sich nun ihr Buch „Was das Meer nicht will“. Die Szenerie: Die Protagonistin – der Name wird nicht erwähnt, die Perspektive wechselt von der Ich-Erzählung im Präsens zur Vergangenheitsform – ist seit 20 Jahren mit dem als Übersetzer arbeitenden Georg verheiratet. Die Ehe ist harmonisch, aber eintönig. Selbst die Ferien in Spanien bieten wenig Abwechslung.

„Georg ist nicht mein Feind, aber er gehört zu der Monotonie, die ich an manchen Tagen empfinde und die mich unruhig und gelangweilt zugleich sein lässt. Es gibt keine Distanz mehr zwischen Georg und mir “, schreibt Daniela Gerlach. Schal, ausweglos erscheint das Leben der Erzählerin, zunehmend macht sich Beklemmung breit. Unter der Stille, dem Nichtgesagten beginnt es zu brodeln. An andere Stelle heißt es: „Verachtung ist, als ob man von innen verschmutzt “

Mutter kommt auch zum Strandurlaub nach Spanien. Während das Meer zu einem Ort der Freiheit wird, engen die Fürsorge von Mutter und Ehemann die Protagonistin immer weiter ein. Sie beginnt eine Affäre mit dem mysteriösen und etwas schmuddeligen Nachbarn Karl. Die Spannungen eskalieren.

„Was das Meer nicht will“ ist als Hardcover beim Verlag „Stories & Friends“ erschienen, umfasst rund 280 Seiten und ist im Buchhandel erhältlich. Die Autorin wird Schwerte demnächst wieder einen Besuch abstatten. Am 1. September 2015 ist sie im Rahmen der Reihe „Weibsbilder 2015 – Gusto und Genuss gestern und heute“ in der Rohrmeisterei zu Gast.