Marcel Martens ist ein echter „Eisenmann“

Schwerte. (hc) Die einen kennen ihn als Polizeioberkommisar Marcel Martens, den anderen ist er als „Maazel“ bekannt. Der 37-jährige Schwerter ist ein Sportaholic, der vor allem seine Leidenschaft als Triathlet in seiner Freizeit nachgeht. Zuletzt war er beim Frankfurter Ironman am Start und erfüllte sich damit einen lang gehegten Wunsch. Der Wochenkurier hat ihn im Anschluss dazu interviewt.
Wochenkurier: Als einer von drei Triathleten sind Sie beim Frankfurter Ironman angetreten und haben neben der eigenen sportlichen Höchstleistung (Verbesserung der Bestzeit), auch noch Spenden gesammelt. Für Ironman Kinderhilfe Rheuma sind sie gemeinsam mit Christoph Selbach mit Christian Mokros gestartet.
Martens: Das stimmt – Schon kurz nach meiner ersten Langdistanz in Roth letztes Jahr habe ich mir für dieses Jahr den Ironman Frankfurt ausgesucht als neue Herausforderung – Geplant war „damals“ lediglich, die Zeit Richtung 11 Stunden zu bringen und mich etwas im Training zu verbessern… Nach meiner Spendenaktion „Nepal for Neven“, in der ich 2.450 Euro für die Neven-Subotic-Stiftung sammeln konnte, habe ich zudem nach einer neuen schönen Bezugsquelle gesucht, eigene Ziele obendrein für den Guten Zweck anzubieten. Dabei haben dann Christoph Selbach und ich zueinander gefunden…
WK: Wie viel Spendengelder sind zusammen gekommen?
MM: Christoph hat schon über 70.000 Euro zusammenbekommen in mehreren Spendenrunden – in der letzten allein 10.000 – Der Ironman Frankfurt blanko hat circa 3.000 Euro erbracht – tolle Zahlen. Die Kinder werden sich freuen.
WK: Wie sind Sie zu der Kinderhilfe Rheuma gekommen?
MM: Ich habe die Ironmanhilfe Kinderrheuma schon länger bei Facebook verfolgt und über Christoph`s Frau unter anderem erfahren, dass er selbst an Rheuma leidet und trotzdem beim Ironman startet – Wenn man seine Homepage genauer unter die Lupe nimmt, sieht man, mit wieviel Herzblut und Hingabe er schon seit mehreren Jahren Gelder für die Klinik sammelt und auch schon andere hochklassige Triathleten wie Daniela Sämmler (in Frankfurt als Dritte für den Ironman auf Hawaii qualifiziert) als Unterstützer für diese Sache gewonnen hat…
Zum einen macht mich so etwas schon immer neugierig und zum anderen hatten er und ich nachfolgend einen regen Austausch in Sachen Initiative und wie man diese anpushen könnte… Leider kam es bis heute noch nie zu einem Live-Treffen, weil wir beide gefühlt ständig „auf Achse“ sind. Er selbst hat im Übrigen trotz seiner Krankheit in sagenhafter Zeit gefinisht am Sonntag!
WK: Sportlich gesehen war der Ironman sicherlich eine ganz besondere Erfahrung? Warum lief es so gut? Mit welcher sportlichen Erfahrung würden Sie den Ironman vergleichen? Sie hatten den Wettkampf in Frankfurt als Ziel auf ihrer Homepage ausgewiesen – welche Aufgabe haben sie sich in naher Zukunft gestellt.
MM: Eine besondere Erfahrung ist ein Ironman auf jeden Fall – auch wenn ich schon einige dieser Art erleben durfte. Vergleichen kann man einen derart langen Tag schon mit einem 100 Kilometer-Ultra oder einem zwei bis dreifachen fachen Marathon. Ansonsten lässt sich das schwer greifen, weil ich scheinbar die Kombination aus allem tatsächlich spät, aber jetzt so richtig für mich entdeckt habe! Bei sechs Marathons im Jahr zum Beispiel oder überhaupt jährlich 12 bis 15 Wettkämpfen die letzten drei bis vier Jahre war ich auch hier und da mal „unrund“ unterwegs und etwas geschlaucht oder körperlich auch arg lädiert. Schließlich bin ich 37 mittlerweile und trampel immer noch mit zwei neuen Kreuzbändern durch die Welt!
Aber Triathlon ist wohl genau mein Ding! Rad fahren konnte ich gefühlt schon immer ganz brauchbar, auch früher beim Mountainbiken, und habe ich das zunächst so gehasste Schwimmen und die Rad-Kilometer erstmal „drin“, läuft`s irgendwie. In naher Zukunft folgen „nur“ noch erneut in Roth in knapp über eine Woche – allerdings als Staffel und lediglich auf dem Rad – danach Allgäu-Triathlon, Köln-Triathlon und noch Frankfurt-Marathon… Das dürfte es dann aber für dieses Jahr fast gewesen sein! Ein Traum wäre der Norseman – leider hat es beim Losverfahren für dieses Jahr noch nicht gereicht.
WK: Anfang des Jahres hatten Sie einen schweren Unfall, mussten operiert werden und anschließend Reha absolvieren – wie ist es ihnen in dieser Zeit gegangen? Wer gab ihnen besonderen Halt ?
MM: Tatsächlich wurde ich drei Tage nach meinem Geburtstag im wahrsten Sinne vom nagel-neuen Tri-Rad „gemäht“ – Handgelenk-Bruch, Schleudertraume, diverse Prellungen und ein komplizierter Bruch im rechten Daumen waren mit sechs Wochen Gips die Folge. An sich für mich schrecklich – Meine Frau ist da nach gemeinsamen Jahrzehnten Kummer gewohnt – sie kannte meine Kreuzband-Auszeiten und war diesmal fast nur froh, dass der zerstörte Helm nicht noch schlimmere Resultate hervorgerufen hat. Sehr viel Grübeln haben die Schulter-Schmerzen gebracht, weil man dann natürlich Schwimmen völlig vergessen konnte über zwei Monate, ein bisserl Radeln und Laufen war ich hier und da „heimlich“ – sonst wäre ich vermutlich unausstehlich geworden.
Anni hat mit ihren drei Jahren schon etwas Rücksicht genommen, fand aber ansonsten glaube ich nur toll, dass ich immer zu Hause war. So verging die Zeit auch recht schnell.
WK: Zum Abschluss – eine Frau, eine Tochter und zwei Hunde, dazu eine Stelle als Polizeioberkommissar – hat ihr Tag eigentlich 30 Stunden?
MM: Nein – 33 (lacht) Vermutlich nicht von ungefähr war „diese Geschichte“ auch mal Teil eines „Väter-Magazins“. Aber im Ernst – das geht mit wenig Schlaf, relativ viel Selbstdisziplin, einer gehörigen Portion Motivation und tatsächlich nicht so viel Training, wie jetzt alle denken – in meinem Blog kann man ungefähr die Maßeinheiten verfolgen, die ich für den Ironman trainingstechnisch absolviert habe – das ist echt lächerlich – oder würden andere vermutlich fast als „frech“ betiteln. Aber ich setze lieber andere Prioritäten. Familie, Freunde, Job, Sport, ich pflege das alles gern und viel und möchte einfach keinen Punkt davon missen oder zu kurz kommen lassen! Manchmal ist es grenzwertig und ich bin froh um die tollste Frau der Welt – sie und Töchterchen Anni wissen aber auch, dass ich umgekehrt immer funktioniere. Zum Wohnmobil zurück bin ich noch knapp fünf Kilometer durch die Frankfurter City selbst mit dem Rad und das Gefährt gefahren, be- und entladen habe ich auch. Die Schonung kam erst Montagmorgen parallel zum Kindergarten.