Mit Karl auf Pirsch

Schwerte. (NO) 18 Jahre ist Jan-Bernhard Holtmann. Der gebürtige Schwerter lebt seit kurzem in Iserlohn-Rheinen, fühlt sich aber der Ruhrstadt weiterhin verbunden, ist dort Vorsitzender der Jungen Union Schwerte und geht auf das Wirtschafts-Gymnasium des Hansa-Berufskollegs Unna. Jagd ist seine Leidenschaft. Dazu steht er. Gern nahm sich der junge Mann Zeit, dem wochenkurier einige Fragen zu seiner Passion zu beantworten.

Mit seinen 18 Jahren ist der gebürtige Schwerter Jan-Bernhard Holtmann ein passionierter und erfahrener Jäger. Den Hochsitz erklimmt er hier mit seinem Parson-Russel-Terrier Karl im Gepäck. (Foto: privat)

Herr Holtmann, wann gingen Sie das erste Mal auf die Jagd?

Holtmann: Da muss ich vier gewesen sein.

Sie sind also familiär „vorbelastet“?

Holtmann: Das kann man so sagen. Mein Vater ist auch Jäger, ich bin früh mit ihm in die Natur gegangen und habe ihm immer gern nachgeeifert.

Wann haben sie ihren Jagdschein gemacht?

Holtmann: 2009.

Wie sieht es mit der Ausbildung aus?

Holtmann: Bei der Kreisjägerschaft oder der Jagdschule muss man Kurse besuchen, die rund ein dreiviertel Jahr dauern. Am Schluss stehen Prüfungen in Schießen und Theorie. Dem Prüfungsausschuss muss man Rede und Antwort stehen zu den Themen Wildkunde, Recht und Waffenkunde.

Ist es schwierig, Jäger zu werden? Was braucht man dazu?

Holtmann: Man muss natürlich die Leidenschaft mitbringen. Und körperlich fit sein. Außerdem hat es die Jägerprüfung in sich. Die nennt man auch das „Grüne Abitur“, aus gutem Grund. Ohne langjährige Auseinandersetzung mit der Materie und ohne meinen Vater wäre ich da wohl durchgerasselt. Jäger wird man nicht mal eben aus dem Stand, für Neueinsteiger ist das sicher schwierig.

Welche Ausrüstung haben Sie?

Holtmann: Robuste Qutdoorkleidung, Fernglas, Messer, Schusswaffe und, bei Bedarf, Bodenbearbeitungsgeräte.

Welche Waffen haben Sie?

Holtmann: Einen Repetierer, das ist eine Kugelwaffe für Rehe, Wildschweine und Rotwild, und eine Flinte für Schrot, mit der man Hasen, Füchse und Kaninchen jagt. Die Gewehre bekam ich zu meinem 18. Geburtstag geschenkt. Hinsichtlich der Waffen möchte ich noch anmerken, dass ich einen Riesenrespekt davor habe, und das soll auch so bleiben. Routine ist brandgefährlich. Das sieht man daran, dass vor allem ältere Jäger von Schussverletzungen betroffen sind.

In welchem Revier sind sie unterwegs?

Holtmann: Mein Vater hat ein Revier zwischen Ergste und Schälk gepachtet. Die Jagdreviere werden unter der Unteren Jagdbehörde verteilt und sollen ausgewogene Anteile von Wald und Wiese aufweisen.

Haben Sie einen Jagdhund?

Holtmann: Ja, der heißt Karl und ist ein dreieinhalbjähriger Parson-Russel-Terrier.

Am 1.April wurde die neue Jagdsaison eröffnet. Was ist jetzt zu tun?

Holtmann: Zunächst gilt der Grundsatz „Wer jagen will, muss hegen“. Salzlecksteine für das Wild sind zu verteilen und Saatgut für Wildkräuter muss ausgebracht werden für die so genannte „Hasenapotheke“. Außerdem müssen die Hochsitze überprüft werden. Und wenn im Mai die Bockjagd losgeht, wird natürlich auch der Gesundheitszustand der Tiere eingeschätzt. Dann wird Absprache getroffen, wer welches Tier erlegt.

Wie schätzen sie den Zustand der Natur in unserer Region ein?

Holtmann: Fauna und Flora geht es hier recht gut. Natürlich kann aber von „Natur pur“ keine Rede mehr sein. Deshalb treten wir ja als Jäger zur Bestandskontrolle auf den Plan.

Worauf sollten die Leute beim Spaziergang in Wald und Wiese besonders achten?

Holtmann: Im Frühjahr kriegen die Tiere Junge, deshalb bitte aufpassen! Ein ganz dringende Bitte habe ich an Waldspaziergänger: Bitte auf den Wegen bleiben! Und bitte laufen Sie nicht querfeldein durch Wald und Feld, das ist quasi das Wohnzimmer der Tiere, die dadurch gefährdet werden. Hundebesitzer sollten sich ebenfalls verantwortungsvoll verhalten. Ebenso Mountainbiker, Geocacher und Pilzsucher.

Was wünschen Sie sich im Hinblick auf das Jagdrecht?

Holtmann: Mehr Mitsprache von Naturpraktikern wie uns Jägern und weniger von Naturtheoretikern. Außerdem würde ich mir mehr echte Ruhezonen für Wildtiere wünschen – und einen gelenkten Spaziergängerverkehr.

Mit 18 sind Sie ja noch recht jung. Stoßen Sie auf Unverständnis, wenn Sie sich als Jäger outen?

Holtmann: Na ja, an der Schule zum Beispiel schon. Da kommt dann oft der Vorwurf, das Jagen sei zu brutal. Sicher gibt es Vorurteile, es gibt Unbelehrbare, aber auch Belehrbare. Ich bringe auch schon mal die Probleme der Tierhaltung zur Sprache. Sind Käfighaltung, Tiertransporte und Schlachthöfe nicht kritikwürdig? Woher kommt eigentlich das Schnitzel auf dem Teller? Ich jedenfalls kann gut mit dem Gedanken leben, ein Tier in seinem natürlichen Lebensraum schnell und vergleichsweise schmerzlos zur Strecke zu bringen.

Was geschieht mit den erlegten Tieren?

Holtmann: Die werden zerwirkt, das heißt zerlegt, und das Fleisch wird unter den Jägern verteilt. Auf großen Jagdgütern geht das Fleisch auch an die Gastronomie.

Gibt es eigentlich auch Jägerinnen?

Holtmann: Durchaus, und die Zahl wächst. Das sieht man auch an den Kursen.

Herr Holtmann, vielen Dank für das Gespräch!