Mobilfunk-Masten sorgen weiterhin für Unsicherheit

Schwerte. (NO) Ob Groß oder Klein: Fast jeder hat heute ein Handy. Eine Selbstverständlichkeit. Mit Skepsis werden in der Regel jedoch die allgegenwärtigen Sendemasten beäugt, die ein möglichst flächendeckendes Mobilfunknetz gewährleisten sollen. Mobilfunk bleibt ein Reizthema, besonders wenn es um die Errichtung neuer Sendemasten geht. So wie am Waldstadion Bürenbruch. Dort regt sich erheblicher Widerspruch. Jetzt lädt die Stadt Schwerte am geplanten Standort zur Bürgerinformation ein.

„Dauerbeschuss“

Die immer wieder kritisierte Mobilfunk-Sendeanlage auf der Schule an der Ruhr soll zum Sportplatz Bürenbruch verlegt werden, weil der Vertrag des Netzbetreibers Vodaphone mit der Stadt zum Jahresende ausläuft. Zu diesem Thema findet am Mittwoch eine Informationsveranstaltung für alle interessierten Bürger statt. (Foto: Norbert Fendler)

Wie bereits berichtet, will Vodaphone die Sendeanlage von der Schule an der Ruhr zum Sportplatz Bürenbruch verlegen, da der Vertrag für das Erster Schulgebäude, dem auch ein Kindergarten angegliedert ist, mit der Stadt zum Jahresende ausläuft. Allein schon der Betrieb von Mobilfunksendern auf dem Schuldach gab immer wieder Anlass für Unsicherheit und Empörung. Besorgte Eltern verwiesen auf Statements wie beispielsweise folgendes vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) im Positionspapier 2008: „Die Gesundheit der Menschen nimmt Schaden durch flächendeckende, unnatürliche Strahlung mit einer bisher nicht aufgetretenen Leistungsdichte. Kurz- und langfristige Schädigungen sind absehbar und werden sich vor allem in der nächsten Generation manifestieren, falls nicht politisch verantwortlich und unverzüglich gehandelt wird.“ Auf dem Symposion „Kinderumwelt und Gesundheit“ des Robert-Koch-Instituts hießt es schon 2001: „Von der Installation von Basisstationen (Funkmasten) in der Nachbarschaft von Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern ist dringend abzuraten.“

Handys, schnurlose DECT-Telefone und WLAN sowie die Funkmasten senden und empfangen mit gepulster Mikrowellenstrahlung. Kritiker befürchten, dass der „Dauerbeschuss“ zu DNA-Schäden führt, Krebs und Leukämie auslöst und außerdem für Konzentrationsschwächen, Schlafstörungen, Ohrensausen, Nasenbluten und Erschöpfung führt. Besonders anfällig seien Kinder, Alte und Kranke.

Auch Handys im Visier

Für Unsicherheit sorgen jedoch nicht nur Mobilfunk-Sendemasten, sondern auch die Handys selbst. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bestehen nach wie vor Unsicherheiten, die durch das Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm nicht hundertprozentig hätten ausgeräumt werden können. Diese beträfen insbesondere die möglichen gesundheitlichen Risiken ganz besonders bei Kindern.

Eine neue große Studie gibt jetzt jedoch erst einmal Entwarnung. Die Studie basiert auf dem Bemühungen britischer, amerikanischer und schwedischer Wissenschaftler, so viele kleinere Untersuchungen wie nur irgendmöglich auszuwerten. Das Ergebnis wurde unter anderem in der Fachzeitschrift EHP (Environmental Health Perspectives) veröffentlicht, worin es – zitiert nach „Spiegel online“ – heißt, es bleibe zwar eine Unsicherheit bestehen, aber die Beweise sprächen eher gegen die These, dass der Gebrauch von Handys zu Hirntumoren bei Erwachsenen führt. Die Gefahren für Kinder wurden hingegen nicht thematisiert.

„Wenn Hinweise vorliegen, dass bestimmte Risikofaktoren Krebserkrankungen auslösen könnten, sollten diese vorsorglich auch unbedingt beobachtet werden“, meint Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Diese Einordnung bedeutet, dass es nach Einschätzung der IARC der Weltgesundheitsorganisation nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand begrenzte Hinweise auf eine krebserregende Wirkung dieser Felder auf den Menschen gibt. Weitere Studien sind jedoch notwendig, um diese Gefahr genauer zu beziffern.“

Unterschriftenaktion

Gegen den Bau einer Mobilfunk-Sendeanlage am Waldstadion Bürenbruch läuft zur Zeit eine Unterschriftenaktion. Zudem kam der Vorschlag auf, den Sendemast zum Friedhof am Sembergweg zu verlegen. Auch die lange Laufzeit des neuen Vertrags mit Vodaphone – 20 Jahre – wird kritisiert. Eine Ausstiegsklausel wurde im Ausschuss für Bürgerbeschwerden angeregt. Falls neue wissenschaftliche Erkenntnisse zutage treten, müsse man vom Vertrag zurücktreten können.

Infoabend

Viele Fragen rund um den Mobilfunk im allgemeinen und die geplante Anlage am Waldstadion im besonderen stehen im Raum. Dies nimmt die Stadt Schwerte zum Anlass, interessierte Bürger am Mittwoch, 27. Juli 2011, ins Sportlerheim der SG Eintracht Ergste am Waldstadion Bürenbruch einzuladen. Im Rahmen dieser Informationsveranstaltung soll vorgestellt werden, welche baulichen Maßnahmen genau vorgesehen sind. Außerdem gibt es Infos zu Sendeleistungen und Senderichtung und zur möglichen Erweiterbarkeit für andere Betreiber sowie zur planungsrechtlichen Situation der technischen Anlage durch den Netzbetreiber Vodaphone. Das Unternehmen hat bereits im Vorfeld Gesprächsbereitschaft signalisiert.