Natur und Poesie

Schwerte. (Red.) Einen ganzen Monat verbrachte der Schwerter Schriftsteller Thorsten Trelenberg als “artist-in-residence” auf der im Westen Islands gelegenen Halbinsel Snaefellsnes. Dazu eingeladen wurde er von den Betreibern des “Hvitahus”, das an der Nordküste von Snaefellsnes in der Nähe der Ortschaft Hellisandur liegt.

Das “Hvitahus” ist ein Künstlerhaus, das bisher nur bildenden Künstlern zur Verfügung stand. Erstmalig wollten die Organisatoren sich in diesem Jahr breiter aufstellen und das Haus auch für Schriftsteller aus der ganzen Welt öffnen. Dabei fiel die Wahl auf den Schwerter Lyriker.

Inspirationsquelle

“Über meine Berufung als Residenzkünstler habe ich mich sehr gefreut, weil das Haus in unmittelbarer Nähe zum berühmten Gletscher Snaefellsjökull liegt“, erzählt der Schwerter Dichter. Nicht nur für Jules Verne und Halldor Laxness wurde dieser erstmals 1753 bestiegene Kegelvulkan zur Inspirationsquelle. “Ich war kaum zwei Tage vor Ort, da kamen auch schon die Gedichte zu mir“, lacht Trelenberg.

Und nicht nur die Verse fanden den umtriebigen Dichter. Auch der isländische Fernsehsender N4 besuchte ihn mit einem Kamerateam. Der Frage, was einen Poeten in dieses abgelegene, von markanten Lavafelswüsten und Bergen umgebene Refugium zieht, wollte man auf den Grund gehen. Trelenberg antwortete unter anderem mit folgendem Gedicht:

HVITAHUS

Vögel
Die mir Gedichte schenken
Himmel
Die mir ihre Gedichte in den Windfang legen
Stille
Die mir ihre Gedichte an die Hauswand lehnt
Auf das ich
Die Worte
In Tinte bade

Der 700.000 Jahre alte Snaefellsjökull (Schneeberggletscher) ist der Endpunkt eines gut 30 Kilometer langen Vulkansystems. Vor rund 1800 Jahren brach er zuletzt aus. Die mittlerweile von Flechten und Moos bedeckten Ströme der Lava haben sich tief in den Berg und in die Landschaft gegraben. Sein Krater ist bis in eine Tiefe von rund 200 Metern mit Eis gefüllt.

Wenn auch der Gletscher die Insel allem Anschein nach dominiert, so gibt es auch noch eine andere Seite, nämlich den Blick zum Meer. “Vom Balkon des Hauses aus konnte man jeden Tag mit bloßem Auge die Wale vobeiziehen sehen. Mehr geht eigentlich nicht.”

In den nächsten Tagen steht für den Poeten nun die rein schriftstellerische Arbeit an. Gilt es doch, die entstandenen Texte zu sichten und zu bearbeiten.

Trelenbergs Fazit: „Schon jetzt kann ich sagen, dass der Aufenthalt im ‚Hvitahus‘ mein Leben sehr bereichert hat. Auch wenn für September schon eine Einladung für einen mehrwöchigen Gastaufenthalt in Nordisland vorliegt, werde ich den Schneeberggletscher noch lange in Erinnerung halten.”