Notdienst-Änderung „ein Unding“

Die AG 60plus im SPD-Stadtverband hat sich längst nicht mit der Neuordung des Apotheken-Notdienstes abgefunden und startet jetzt eine Unterschriftenaktion. (Foto: Norbert Fendler)

Schwerte. (NO) Die Klagen über die Änderung des Apotheken-Notdienstes sind noch nicht verstummt. Besonders ältere Bürger/innen fühlen sich benachteiligt und beklagen allzu weite Wege. Die AG 60plus des SPD-Stadtverbands Schwerte hat sich auch vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Bevölkerung dieses Problems angenommen – und bereitet eine Info- und Unterschriftenaktion vor, um das Thema wieder stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken.

„Ein Unding!“

„Mit dem Notdienstverbund der elf Schwerter Apotheken mit dem Südkreis Dortmund wurde bereits 2008 die Notdienstpräsenz vor Ort auf rund 45 Prozent reduziert“, so Siegfried Beisermann, Vorsitzender der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus. Ab dem 1. Januar 2012 wurde der Verbund noch einmal um die Randgebiete Schwertes erweitert, „sodass nun Medikamente in Notfällen zu rund 85 Prozent in Dortmund, Hagen, Unna oder Iserlohn beschafft werden müssen. Ein Unding!“

Zeitverlust und lange Wege

Besonders ältere Bürger haben die Sorge, dass im Notfall der massiv eingeschränkten Notdienste Schwerter Apotheken wertvolle Zeit verloren geht oder aber viel zu weite Wege in Kauf genommen werden müssen, um an dringend benötigte Arzneien zu kommen. „Dabei war es gerade dieser Service, der den Apothekern im Gesundheitswesen zu einer privilegierten Stellung verhalf!“, so Beisermann.

Nachts in einer fremden Stadt…

„Ich wünsche niemandem, in der Nacht in einer fremden Stadt die im Notfall dringend benötigten Medikamente beschaffen zu müssen“, ergänzt Ilse Werbel, die selbst betroffen war. Reinhild Hoffmann erzählt: „Ich hatte eine schlimme Blaseninfektion. Mit Mühe und Not habe ich mich zum ärztlichen Notdienst am Marienkrankenhaus geschleppt und dort ein Rezept für ein Antibiotikum erhalten. Mein Mann musste dann das Medikament in Hagen-Boele in der nächsten Notfallapotheke abholen. Ich selbst hätte gar nicht fahren können. Wir haben ein Auto und Navigationsgerät und waren zu zweit!

Kürzlich brauchte mein Schwiegervater, 88 Jahre alt, wegen einer Venenentzündung mit Fieber ein vom Notarzt verordnetes Antibiotikum, das wir auch aus Hagen geholt haben! Besonders bei Kindern kann doch ganz plötzlich ein schlimmer Infekt oder eine Durchfallerkrankung auftreten. Dann hat man schon genug mit dem Kind zu tun und kann nicht auch noch in fremden Städten nach Apotheken suchen!“ „Wir haben in Schwerte elf Apotheken, da müsste es doch möglich sein, den Notdienst näher vor der Tür zu haben“, findet auch Annemie Feike, 71.

„Nicht hier gemacht“

Wie Apothekersprecher Jürgen Doll vor Ort hält auch Sebastian Sokolowski, Sprecher der Apothekerkammer NRW, die Neuordnung des Notdienstes für sinnvoll, es gebe nur sehr wenige Beschwerden. Im Schnitt nehme jeder Bürger den Notdienst einmal in 20 Jahren in Anspruch. Und Menschen, die kein eigenes Auto hätten, seien auch vor dem 1. Januar 2012 nicht ohne fremde Hilfe in die Notdienst-Apotheke gekommen.

Zudem gibt Apothekersprecher Jürgen Doll zu bedenken, dass der Notdienstkalender nicht von den Schwerter Apotheken gemacht wird, sondern von der Apothekerkammer Westfalen-Lippe.

Automaten?

Laut der Schwerter AG 60plus sollte man über den Einsatz von Medikamenten-Automaten als Kompromiss nachdenken. „Technisch sind diese Automaten inzwischen ausgereift“, so Beisermann, „sie könnten dazu beitragen, dem durch das Streichen des Apotheken-Services entstandenen Medikamenten-Tourismus entgegen zu wirken.“

Unterschriftenaktion

Die AG 60plus fordert nun einen täglichen Notdienstservice in Schwerte und hat eine Unterschriftenaktion gestartet. „Schon 300 Unterschriften sind zusammengekommen, obwohl wir die Aktion noch gar nicht offiziell gestartet haben!“, freut sich AG 60plus-Ansprechpartnerin Sieglinde Wever. Der Startschuss soll am Samstag, 22. September, ab 10 Uhr auf dem Cava-Platz an einem Infostand erfolgen. Mit großer Zustimmung der Bevölkerung wird gerechnet.

„Wer über Probleme mit den Apotheken-Notdienst berichten oder Rat einholen möchte, kann sich vorher auch an die SPD-Fraktion wenden, Telefon 02304 / 104245“, empfiehlt Siegfried Beisermann.