Ponyspaß und Hundeführerschein: In Schwerte mit Tieren das Leben entdecken

tiergestützte Pädagogik und Therapie
Das Shetlandpony Lotte auf Gut Lieselühr ist geduldig und lässt sich gerne striegeln. Auch das gehört zur tiergestützten Pädagogik und Therapie, die der Kinderland Villigst e.V. anbietet. (Foto: Norbert Fendler)

Ergste. So, und jetzt noch den Rücken striegeln. Maja fährt mit der Bürste sacht durch das Fell. Das kleine Mädchen ist voll und ganz bei der Sache – und das Shetlandpony Lotte ist ein geduldiger Partner. Es macht Spaß, auf Gut Lieselühr zu sein, draußen in der Natur und ganz nahe bei den Tieren. Auch Sven freut sich. Er hat in Hund Ben einen neuen Freund gefunden.

tiergestützte Pädagogik und Therapie
Hufe sauber machen: Etwas Arbeit schadet nicht. (Foto: Norbert Fendler)

Die Tinker Stute Mady, das Pony Lotte, die Hunde Ben und Helled, Meerschweinchen – das sind die Akteure in der tiergestützten Pädagogik und Therapie, die das Kinderland Villigst e.V. – unter anderem – anbietet. In Kontakt mit Tieren zu kommen ist für Kinder heilsam. Tatsächlich zeigen Studien, dass Menschen, die mit Tieren aufwuchsen, im späteren Leben mit Herausforderungen in zwischenmenschlichen Beziehungen besser umgehen können als solche, die ohne Tiere aufwuchsen.

Tiere bewerten nicht

Tiere akzeptieren jedes Kind so, wie es ist – und geben direkte Rückmeldung. Und sie können auch trösten – ganz nach dem Motto „Als ich die Hand eines Menschen brauchte, reichte mir jemand seine Pfote…“

Seit Januar gibt es auf Gut Lieselühr feste Gruppen in der tiergestützten Pädagogik für Kinder von fünf bis zwölf Jahren. Ein weiterer Standort ist „Mullewapp“, auf dem Hof Dettmer-Prause am Overberger Weg, wo auch in den Ferien erlebnispädagogische Tage durchgeführt werden.

Neues erleben

Das Handy links liegen lassen und mal was ganz anderes machen – dieses Angebot nehmen Kinder gerne an. Rebecca Meßarius vom Kinderland Villigst e.V.: „Pferde putzen, füttern und streicheln, mit ihnen Runden drehen draußen oder in der Halle, mit den Hunden Ben und Heledd spielen und die Gegend erkunden, Hütten bauen, Meerschweinchen versorgen, das alles können Kinder bei uns erleben.“ Und dabei lernen sie quasi nebenbei, auch Verantwortung zu übernehmen und ihr Selbstvertrauen wächst.

tiergestützte Pädagogik und Therapie
Auch eine Erfahrung: Hunde können Freunde sein. (Foto: Norbert Fendler)

Wer möchte, kann sogar einen „Hundeführerschein“ machen, lernen, Hundesprache zu verstehen und klare Kommandos zu geben. Der Kinderland Villigst e.V. hat mehrere Gruppen eingerichtet, in denen verschiedene Interessen zielgerichtet bedient werden. In allen Gruppen sind noch Plätze frei und die Tiere und wir freuen uns über jedes Kind das mitmachen möchte.

Selbstbewusstsein stärken

„Unsere Angebote orientieren sich an den jeweiligen Bedürfnissen und Indikationen der Kinder und Jugendlichen“, so Petra Müller-Kramer von Kinderland Villigst e.V. „Durch den positiven Umgang mit Tieren wird das Selbstbewusstsein gestärkt. So bieten sich den Kindern und Jugendlichen neue Möglichkeiten, mit Hilfe eines Tieres weitere Entwicklungsschritte zu machen. Es gilt dann, diese positiven Erfahrungen auf andere Lebensbereiche zu übertragen.“
Auch im Falle von Autismus oder bei Down-Syndrom hat sich die therapeutische Arbeit mit Tieren bewährt. „Und plötzlich kuschelt dann ein kleiner Junge mit einem Hund, nimmt Kontakt auf. Und die Eltern sagen: ‚Das hat er ja noch nie gemacht!‘“ Fälle, die Rebecca Meßarius immer wieder bewegen.

Hilfe zur Selbstentfaltung

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Freundliche Therapeuten in Schwarz: Die Hunde Ben und Helled. (Foto: Norbert Fendler)

Das Kinderland Villigst e.V. bietet Kindern und Jugendlichen ein abwechslungsreiches Programm. Ein qualifiziertes Team unterstützt Kinder und Eltern mit vielfältigen pädagogischen und therapeutischen Angeboten auch über die tiergestützte Pädagogik und Therapie hinaus. So gehören auch die systemische Familientherapie, Hilfen zur Erziehung, inklusive Schulbegleitung und soziales Kompetenztraining zum Angebot.

„Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Entwicklung zur Selbständigkeit und Selbstentfaltung zu fördern“, sagt Rebecca Meßarius. Und hat selber Freude daran, wenn sie sieht, wie die kleine Maja wieder „ihr“ Shetlandpony Lotte streichelt.