Privatpost-Briefe entdeckt

Schwerte. (NO) 30 Jahre hat Jürgen Michael Neubauer gesucht. Hat bei Messen, in Archiven, bei Briefmarkenfreunden und -händlern die Bestände durchforstet, immer auf der Suche nach Belegen für die Schwerter Privatpostanstalt. Und nichts gefunden. Bis jetzt.

Zwei Briefe – genauer: Briefumschläge, diese jedoch ordnungsgemäß mit Marke versehen und gestempelt – hat Neubauer, Heimatsammler und Vorsitzender des Vereins für Briefmarkenkunde Schwerte, durch einen glücklichen Zufall entdeckt. „Das sind die einzigen Zeugnisse der Schwerter Privatpost, die jemals aufgetaucht sind!“, so der überglückliche Briefmarkenfreund. „Eine Sensation!“

Der Beweis

Der Durchschnitts-Schwerter mag den Fund möglicherweise nicht ganz so enthusiastisch kommentieren, ein Fachmann wie Neubauer indes reibt sich die Hände. Denn die über 125 Jahre alten Briefumschläge beweisen, dass eine echte Postbeförderung durch Kaufmann Wilhelm Neubers Privatpostanstalt erfolgte. Für die Heimatgeschichtsschreibung sicherlich bemerkenswert.

Bücher müssen korrigiert werden

„Viele Kritiker behaupteten seit langen Jahren, Schwerte hätte es gar keine richtige Privatpostanstalt gegeben, weil keine original gelaufenen Briefe bekannt wurden. Nun aber ist der Beweis erbracht“, so Jürgen Michael Neubauer, der die Bedeutung des Funds betont: „Bücher, Berichte, Kataloge müssen nun korrigiert, fachliche Meinungen und Thesen geändert werden!“

Frankiert mit einer roten Ein-Pfennig- und einer blauen Zwei-Pfennig Marke, wurden die Kuverts am 17. Dezember 1887 abgestempelt und geschickt an „Steuerassesor Wilke, hier“. Das reichte. Denn Schwerte war damals klein, man kannte sich.

Neubers Post

Die Schwerter Privatpost, gegründet vom Kaufmann Wilhelm Neuber in seinem Wohnhaus an der Bahnhofstraße 21, war, wie der Name schon sagt, ein Privatunternehmen auf lokaler Ebene, das nur ganze sieben Monate im Zeitraum der Jahre 1887 bis 1888 existierte. (Das Gesamtmonopol für die Briefbeförderung wurde von der Reichspost im Jahre 1900 wieder erhoben.) „Damals hatte Schwerte nur rund 6000 Einwohner, und Neubers Magd trug wahrscheinlich die Briefe im Ort aus. Trotzdem machte Neuber einen Gewinn von 5000 Mark, davon hätte man früher ein Haus kaufen können“, weiß Neubauer.

Ein Original

Kaufmann Wilhelm Neuber war übrigens ein echtes Schwerter Original. Er machte sich einen Spaß daraus, ein Zehn-Pfennig-Stück im Lokal Pferdekämper auf den Boden zu kleben und sich über die Zeitgenossen zu amüsieren, die danach griffen. Zudem wünschte er eine Beleuchtung für die Bahnhofstraße – wohl, weil er selber dort wohnte.

Ohne Originale wie Wilhelm Neuber wäre die Schwerter Heimatgeschichte freilich um etliche Anekdoten ärmer. Und Briefmarken- und Heimatsammler Michael Neubauer könnte sich nicht über seine beiden Kuverts als endgültiger Beweis für eine Schwerter Privatpostanstalt freuen.