Ratten und kein Ende

Kein Mangel an Arbeit: Der professionelle Schädlingsbekämpfer Reiner Voeckel mit Köderboxen, die er an Orten mit Rattenbefall auslegt. (Foto: Norbert Fendler)

Schwerte. (NO) Wanderratten Am Sohlenkamp! In diesem Artikel berichtete der wochenkurier in der vergangenen Schwerter Druckausgabe über den „Abwehrkampf“ des Ehepaars Bolz, in dessen Garten Wanderratten ihr Unwesen treiben. Auch Nachbargrundstücke sind von der Plage betroffen.

Die Nager hatten sich vom Bahndamm aus, der günstige Lebensbedingungen bietet, Am Sohlenkamp breit gemacht. Sehr zum Leidwesen der Bewohner, denn Wanderratten sind intelligent, können hervorragend klettern, dringen auch in Wohnungen ein und gelten als ausgemachte Schädlinge, weil sie gefährliche Krankheiten übertragen.

Köder angefressen

Schon vor einer Woche hatte der professionelle Schädlingsbekämpfer Reiner Voeckel im Bolzschen Garten etliche Köderboxen ausgelegt. „Alle Köder wurden angefressen, dort tummeln sich zahlreiche Ratten“, so Voeckel, der sich 2003 in Schwerte selbständig gemacht hat längst nicht nur Am Sohlenkamp aktiv ist: „Wanderratten sind in Schwerte an vielen Standorten anzutreffen“. Die massenhafte Verbreitung der unerwünschten Nager verschafft dem Schädlingsbekämpfer ein volles Auftragsbuch, derweil sich zahlreiche Schwerter Bürger vor Ekel schütteln.

Ratten im Rollokasten

So meldete sich die Bewohnerin einer Souterrainwohnung an der Heidestraße beim wochenkurier. Das Problem: Wanderratten im Rollokasten. Vor rund vier Wochen haben sich die fiesen Nager durch die Hauswand gekämpft, sind im Mauerzwischenraum nach oben geklettert und fanden im Rollokasten offenbar einen ansprechenden Nistplatz. „Ständig war ein Trippeln, Scharren und Kratzen zu hören, und dazu kam ein durchdringender, ekelerregender Gestank“, so die völlig entnervte Bewohnerin, die längst das Weite gesucht hat. Natürlich war Reiner Voeckel auch an der Heidestraße vor Ort.

Etliche Einsatzorte

Abfälle bescheren Ratten ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Wer Essensreste in der Toilette entsorgt, füttert damit auch wachsende Rattenpopulationen in der Kanalisation. (Foto: wk-Archiv)

Am Sohlenkamp, Heideweg – die Liste lässt sich fortsetzen. „Ich komme gut rum hier in Schwerte und bin auftragsmäßig voll ausgelastet“, freut sich Voeckel, der auch für große Immobiliengesellschaften tätig ist und zur Zeit am Kindergarten Gänsewinkel, an der Kantstraße, am Beckenkamp, der Eisenbahnsiedlung Schwerte-Ost und nicht zuletzt am ETuS-Sportplatz aktiv ist.

Rattenjäger

„Rattenjäger“ – ein krisensicherer Beruf? Reiner Voeckel stimmt zu. „Generell kommen sechs Ratten auf einen Menschen, und ein Weibchen kann im Laufe eines Jahres rund 200 Junge zur Welt bringen. Außerdem schmeißen viele Leute Abfälle ins Klo, die dann in der Kanalisation landen und den Rattenpopulationen dort reichlich Nahrung bieten. Die breiten sich dann durch die Leitungen immer weiter aus und können so von unten auch in Häuser eindringen. Für meine Branche bleibt also immer genug zu tun!“

Blutverdünner

Schädlingsbekämpfer Voeckel erkundet die Laufwege von Ratten an Gebäuderändern. (Foto: Norbert Fendler)

Hauptwaffe gegen den Rattenbefall sind – kindersichere – Köderboxen, knapp 30 Zentimeter lange, schwarze Plastikgehäuse mit einem in der Mitte auf eine horizontale Stange gespießten Brocken, der das Blutverdünnungsmittel Markumar enthält. Sie werden an Hauswänden oder in anderen Randbereichen aufgestellt, da sich Ratten dort fortbewegen, immer schützende Deckung suchend.

Vorsichtig

„Es dauert im Schnitt zwei Tage, bis die Köder überhaupt angenommen werden, Ratten sind sehr vorsichtig. Die Nager schicken dann erst einmal alte oder kranke Tiere zum Testen vor. Würden diese sofort verenden, nähmen die Ratten den Köder nie wieder an. Durch die Verwendung des Blutverdünners sterben die Tiere jedoch erst nach ein, zwei oder drei Tagen und können daher nicht nachvollziehen, wo die schädigende Substanz aufgenommen wurde.“

Einmal ist keinmal

„Eine vollständige Tilgung eines Schadnagerbefalls ist nach einmaliger Behandlung unabhängig von der Art des Köders oder der Bekämpfungsmethode selten möglich“, heißt es in Reiner Voeckels Unterlagen zur Schädlingsbekämpfung. Deshalb tut eine Folgebehandlung not. Während dieser Behandlung sollten nicht nur die Köder erneuert, sondern auch die Laufwege der Ratten mit Kontaktpräparaten behandelt werden. Falls allerdings immer noch Anzeichen von Nageraktivität vorhanden sind, der angebotene Köder aber nicht angenommen wird, empfiehlt es sich, den Köder zu wechseln, zum Beispiel Pastenköder oder als dritten Schritt Mischköder zu verwenden.

Keine Zukunftssorgen

Rattenbekämpfung – das ist eine Wissenschaft für sich. Reiner Voeckel macht sich keine Sorgen, dass seine Dienste vor Ort einmal nicht mehr gebraucht werden. Der professionelle Schädlingsbekämpfer ist für weitere Einsätze gut gerüstet. Und weiß: An Arbeit wird es ihm nie mangeln…