„Raus aus der Kernenergie, am besten sofort“

Kurzfristig fand am vergangenen Montag in der Fußgängerzone eine Mahnwache gegen Atomenergie statt. Diese Aktion soll keine Eintagsfliege bleiben. Am Montag, 21. März, heißt es: gleicher Ort, gleiche Zeit. (Foto: privat)

Schwerte. (NO) Das Katastrophenszenario in Japan schlägt auch in der heimischen Region heftige Wellen. Obwohl uns rund 9200 Kilometer von Fukushima trennen, verursachen die Hiobsbotschaften aus Japan Beklemmung – und bisweilen irrationale Panik. Bundesweit sind Geigerzähler ausverkauft, die Nachfrage nach Jodtabletten, mit deren Hilfe die Schilddrüse für radioaktives Jod blockiert wird, steigt.

Die in Deutschland ohnehin starke Anti-Atom-Bewegung verzeichnet wieder einen Rekordzulauf. „Raus aus der Kernenergie, am besten sofort“, heißt das Credo.

Mahnwache

Beklommenheit, ja Wut auch in Schwerte. Am vergangenen Montag fanden sich nachmittags in der Fußgängerzone rund 60 Atomkraftgegner zur Mahnwache ein. „AKW nicht sicher“, „Wir trauern um die Opfer“, „Wir wollen die Schöpfung bewahren“, war auf einigen Schildern und Spruchbändern zu lesen. Den Anstoß zur Kundgebung gaben Bündnis 90/Die Grünen und die Friedensinitiative. Mittendrin in den Reihen der Protestierenden: Pfarrer Fritz-Günter Held und Karl F. Kruschel, unter anderem Vorsitzender des St.-Viktor-Förderkreises und Vorsitzender des Friedensausschusses des Kirchenkreises Iserlohn.

Montag wieder

Die Mahnwache soll keine Eintagsfliege bleiben. Schon am kommenden Montag, 21. März, findet in der Schwerter Fußgängerzone vor Venezia und „Mein Platz“ abermals von 17.45 bis 18.15 Uhr die nächste Mahnwache statt.

„Zwei Gesichter einer Gefahr!“

Pfarrer Fritz-Günter Held: „Die Schöpfung und zukünftige Generationen vor Schäden bewahren!“ (Foto: Norbert Fendler)

Pfarrer Fritz-Günter Held findet klare Worte zur Atomkraft: „Der Anteilnahme am Schicksal der Betroffenen und mit großer Trauer um die Opfer reagieren Schwerter Friedensinitiative und Pax Christi auf Erdbeben, Tsunami und die von Menschen zu verantwortenden Atomreaktorleckagen! Zum Wirken der Naturgewalten tritt in schrecklicher Weise das von Gewalt und Gier gezeichnete Wirken der wirtschaftlich und politisch Mächtigen. Die Energiekonzerne und die Regierungen drücken immer wieder in unverantwortlicher Weise eine Energieform durch, die von Atomwaffen her ihren Ursprung hat und die niemals friedlich ist. Fukushima und Hiroshima, Atomenergie und Atomwaffen sind zwei Gesichter derselben Gefahr!“

„Ausstieg“

Pfarrer Held weiter: „Schwerter Friedensinitiative, Pax Christi und Die Grünen laden jetzt jeden Montag zur Schwerter Montags-Mahnwache gegen Atomenergie. Unser Ziel ist der endgültige Ausstieg aus einer Technologie, die hundertprozentige Sicherheit erfordert angesichts von Schäden, die für Schöpfung und künftige Generationen irreparabel sind.

Diese Sicherheit ist nicht zu gewährleisten: Das deutsche Kraftwerk Würgassen hat schon 1972 mit über tausend Litern radioaktivem Abwasser die Weser verseucht. Die ständigen Störfälle in europäischen Kraftwerken füllen lange Listen. Harrisburg und Tschernobyl sind nicht vergessen. Die japanischen Leckagen belasten die Atmosphäre zusätzlich mit der Teilchenstrahlung in der Wirksamkeit von hunderten von Atombomben!“

„Würde des Menschen“

Pfarrer Held appelliert an das Gewissen der politisch Verantwortlichen: „Weder der Betrieb der Atomkraftwerke noch die Endlagerung für tausende von Jahren sind beherrschbar. Die echten Kosten des Atomstroms sind angesichts von Schäden und Lagerung über riesige Zeiträume überhaupt nicht kalkulierbar. Die gesundheitlichen Schäden insbesondere an Schwangeren und Kindern sind zum Fluch der Atomenergie geworden. Die politisch Verantwortlichen und ihr Handeln sind zu messen an Artikel 1,1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

25 Jahre Tschernobyl

Schon jetzt sei auf das von Ökumene-Arbeit, Offener Kirche, Schwerter Friedensinitiative und Pax Christi gestaltete „Friedensgebet 25 Jahre Tschernobyl“ hingewiesen, das am Samstag, 30. April, um 12.15 Uhr in St. Viktor stattfindet.