„Revierkönige“ – Roman von Daniela Gerlach

Schwerte. (NO) Jeder ist irgendwas, findet Spargel. „Der Horst iss ebent son alter Hippie. Einer iss Skin, der Motte iss Kfz-Mechaniker und ebent der Motte, ich bin Rauschmittelverkäufer.“ „So richtig aus dem Leben gegriffen. Ist sowieso die beste Mischung: Sex und was zu Lachen.“ „Ebent. Man darf nich immer alles so ernst nehmen.“ So geht es zu in Daniela Gerlachs Erstlingswerk „Revierkönige“. Ruhri-Dialoge. Immer nah dran am prallen Leben.

„Revierkönige“ – das ist ein heiter-ironischer Roman mit ernsten Stellen, der ein Stück Ruhrgebietsalltag zeigt, das vom Großreinemachen der 80er Jahre unberührt geblieben ist. Erzählt wird von Menschen wie dem quatschsüchtigen Revierzeitungs-Redakteur Freese, den Skins Hansi und Migge, dem Kfz-Mechaniker Motte, dem Schnorrer und Marokko-Fan Bert, von Olafs Stil- und Drogenberater Hippie-Horst, dem „Verkäufer“ Spargel und auch von Frauen, ohne die gar nichts läuft.

Qualität braucht Zeit

Viel Zeit hat sich Daniela Gerlach, Jahrgang 1962, für „Ruhrkönige“ gelassen, Qualität ist ihr wichtig. Schon vor 2000 entstand die Idee zum Buch, der Reigen der recht schrägen Protagonisten wurde zunächst als Kurzgeschichte angelegt, nahm dann aber im Laufe von rund neun Jahren des Schreibens, Streichens und Einfügens die jetzige Form an. Im vergangenen Jahr ging sie mit ihrem Erstlingswerk an die Öffentlichkeit – ein Wagnis, wenngleich ein kalkuliertes. Und vielleicht auch die Erfüllung eines Traumes.

Immer wieder n die Ruhr

In Dortmund geboren, fand Daniela Gerlach im Hause von Onkel und Tante in Wandhofen einen Ruhepunkt, den sie auch heute noch immer wieder gern ansteuert. Viele Tage brachte sie hier schon als Kind und lernte dabei Schwerte und die Ruhr zu lieben.

In München studierte die 52-Jährige Neue Deutsche Literatur, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften, arbeitete als freie Journalistin, machte eine Werbetexter-Ausbildung, wurde Sekretärin, Ghostwriter und Co-Autorin. Und fühlte bei alledem, dass das Schicksal sie auf den Weg des selber Schreibens führte.

Nach Spanien

1997 lernte Danila Gerlach lernte einen Spanier kennen, nach der Heirat ließ sich das Paar in Sevilla nieder. „Eine große Befreiung und der Abschied vom Druck und immer gleichen Abläufen“, erinnert sich die Autorin, die nun mit ihrem Mann an der Küste vor Sevilla lebt und im Wasser ebenso gerne schwimmt wie in Worten.

In ihrem neuen Zuhause produzierte Daniela Gerlach zwar ebenfalls wieder „Bücher für andere“, nahm sich aber auch Zeit für den eigenen Roman. So entstand schließlich ihr erstes Buch „Revierkönige“, erhältlich im Online-Versandhandel und bei Bücher Bachmann.

Zweiter Roman

Auch in Zukunft wird die Autorin immer mal wieder in der Ruhrstadt anzutreffen sein. Kontakte hat sie bereits mit dem „Flusspoeten“ Thorsten Trelenberg geknüpft, ihre letzte Lesung vor Ort fand im November statt und im nächsten Jahr wird sie beim Weibsbilderabend in der Rohrmeisterei zu Gast sein. Vielleicht berichtet Daniela Gerlach dann auch über ihr neues Buch, das im Frühjahr erscheinen soll. „Was das Meer nicht will“ ist eine Beziehungsgeschichte und mit „Revierkönige“ nicht zu vergleichen.

Damit stimmt die Autorin aus der Wahlheimat Spanien eine neue Melodie an.