Ruhrwasser immer noch gut

Schwerte. (NO) In der Ruhr, Grundlage der Wasserversorgung für rund fünf Millionen Menschen, schwimmen Substanzen, die man lieber nicht schlucken möchte: Reste von Waschmitteln, Medikamenten, Kosmetika, Röntgenkontrastmitteln, Antibiotika, Dünger, Schädlingsbekämpfungsmitteln. Von einer akuten Gefährdung kann jedoch keine Rede sein: Die Schadstoffbelastung liegt laut Messungen unterhalb der rechtlichen Grenzwerte.

„Wir liefern einwandfreies Trinkwasser!“, betonte jetzt auch Ulrike Hütter von den Wasserwerken Westfalen auf Anfrage. Dennoch ist es notwendig, die etwa zehn der insgesamt 16 Wasserwerke der mittleren Ruhr schleunigst zu modernisieren, denn beim Gewässerschutz geht es auch um Vorsorge. „Wir stehen Gewehr bei Fuß!“, so Ulrike Hütter. Eine so genannte „Ertüchtigung“ der Wasserwerke kann die Verunreinigung mit Mikroschadstoffen reduzieren.

Die Lebensader Ruhr liefert Trinkwasser für rund fünf Millionen Menschen. Die Belastung mit Mikroschadstoffen liegt Messungen zufolge unterhalb der rechtlichen Grenzwerte. Dennoch - auch aus Gründen der Vorsorge - müssen die Wasserwerke der Region nachgerüstet werden. (Foto: Archiv)

Kopfschütteln

Für Kopfschütteln und Diskussionen sorgte dieser Tage bekanntlich NRW-Umweltminister Johannes Remmel. Dem Grünen wird vorgeworfen, er halte seit November 2010 eine behördliche Anordung an die Wasserwerksbetreiber zur Nachrüstung zurück. Der Arnsberger Regierungspräsident Gerd Bollermann, SPD, drängt auf eine verbindliche Anordnung zur schrittweisen Nachrüstung bis 2017, Remmel hingegen hält Fristen für unnötig, die geltenden Wassergesetze würden ohnehin eine stetige Anpassung verlangen. Remmel möchte nun die Wasserwerksbetreiber zum freiwilligen Nachrüsten ohne Anordung bewegen. Bis zu 180 Millionen würden die Maßnahmen wohl kosten, die der Verbraucher zu tragen hätte. Es wird mit einem niedrigen zweistelligen Centbetrag pro Kubikmeter Wasser gerechnet.

20 Millionen pro Werk

Wenn Rechtssicherheit herrscht, könne man auch vor Ort mit der Nachrüstung starten, so Ulrike Hütter von den Wasserwerken Westfalen, die über einen genauen Zeitrahmen jedoch noch nichts sagen kann. Im Schwerter Raum stehen ruhrabwärts Hengsen (Wickede), Villigst und Westhofen 1 auf der Liste, die Werke in Ergste und Westhofen 2 werden hingegen stillgelegt. Für jedes Wasserwerk werden Kosten von rund 20 Millionen Euro veranschlagt. Bei der Modernisierung sollen neue Techniken zum Einsatz kommen – in Westhofen 1 und Witten beispielsweise wird die Reinigung auf UV-Licht umgestellt.

Neue Technologie

Was neue Technologie in der Wasserreinigung betrifft, ist Schwerte ohnehin bestens aufgestellt. Denn auf der Kläranlage Schwerte des Ruhrverbands läuft eine großtechnische Versuchsanlage. Das innovative Projekt soll Erkenntnisse bringen, mit welchen Verfahren Arzneimittelrückstände, Weichmacher, Industriechemikalien oder andere organische Stoffe im kommunalen Abwasser am besten minimiert werden können – und was das kostet. Die Versuchsanlage ist Teil eines vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium geförderten Forschungsvorhabens zum Themenbereich „Spurenstoffe“.

Die Schwerter Anlage arbeitet mit einer europaweit einzigartigen Verfahrenskombination aus Aktivkohleadsorption und Oxidation mit Ozon. Dabei geht es nicht nur darum, wie das Wasser am besten von Mikrostoffen gereinigt werden kann, sondern auch darum, Investitions-, Energie- und Betriebskosten in der Praxis zu untersuchen.