Schweinemast in Ergste

Ergste-Reingsen. (NO) Auf wenig Verständnis stößt der Flyer der Bürgerinititative gegen Massentierhaltung, der zur Zeit an vielen öffentlichen Stellen ausliegt. Darin wendet sich die Gruppe vor allem gegen den geplanten Schweinemaststall, den die alt eingesessene Familie Goeken in Reingsen neben dem bereits bestehenden bauen lassen will. Den Gegenwind nahmen die Goekens, seit 1748 in der Landwirtschaft tätig, zum Anlass, über ihre Pläne zu informieren. Unterstützt wird er von Dipl.-Ing. Agr. Heinz Wilhelm Büscher, Kreisgeschäftsführer der Landwirtschaftlichen Kreisverbände Ruhr-Lippe, und Dr. Richard Hölscher, Stallbauer und Geschäftsführer des Agrartechnik-Unternehmens Hölscher & Leuschner. Das Unternehmen errichtet schlüsselfertige Hightech-Stallungen und wurde mit dem Bau der geplanten Anlage in Reingsen beauftragt. Der Bauantrag liegt der Stadt Schwerte bereits vor.

„Falsches Bild“

Der Flyer vermittle ein völlig falsches Bild vom Schweinemastprojekt, die Darstellung sei völlig überzeichnet und setzte auf Konfrontation, beklagt sich Bauherrin Sabine Goeke. Heinz Wilhelm Büscher weist darauf hin, dass alle Belange einer tier- und umweltverträglichen Schweinemast erfüllt würden. „Es hat uns überrascht, dass ein Projekt dieser doch sehr überschaubaren Größenordnung so viel Wirbel verursacht“, so Büscher.

„Über den Anforderungen“

Geplant ist der Bau eines Stallgebäudes für Schweinemast in Gruppenhaltung in der Größe von 28,12 x 50,11 Metern für 1496 Mastschweine von 25 bis 120 Kilo. Bei der Präsentation der Pläne wies Dr. Richard Hölscher, der bereits eine hochmoderne Anlage dieser Art betreibt, darauf hin, dass es ihm wie Familie Goeken durchaus am Tierwohl gelegen sei. So werde die geplante Anlage für Großgruppenhaltung über Liegebereiche verfügen und liege mit einem Durchschnittsplatz von 0,9 Quadratmetern pro Tier deutlich über den gesetzlichen Anforderungen.

Tiergerecht

„Der neue Stall dient der Zukunftssicherung unseres Sohnes Felix und wird auch auf lange Sicht den Anforderungen einer tier- und umweltverträglichen Schweinemast mehr als gerecht“, betont Rainer Goeken. Nach dem Vorbild von Dr. Hölscher möchte Familie Goeken auch für Betätigungsmöglichkeiten für die Schweine sorgen. Das könnten Heuballen zum Herauszupfen von Raufutter sein, ein Baumstamm als Scheuermöglichkeit, ein Einstreubereich zur Befriedigung des Wühltriebs, Spielelemente, eine Dusche oder eine Badewanne mit mehrmaligen, täglichen Wasseraustausch. Ein Aerocleaner soll nicht nur für saubere Luft sorgen, sondern auch Staub und Keime niedrig halten.

„Kein Grund zur Besorgnis“

In punkto Sicherheit – hier sieht die Initiative gegen Massentierhaltung große Gefahren – gebe es keinen Grund zur Besorgnis, so der Agraringenieur Heinz-Wilhelm Büscher. „Der Einsatz von Antibiotika muss in einer Datenbank erfasst werden, worauf die Veterinäramter Zugriff haben“, so Büscher. Außerdem werde die Abschottung des Betriebes von der Umwelt – er wird nur durch eine Art Schleuse zu betreten sein – für Sicherheit.
Das Problem multiresistenter Keime sei vorhanden, aber nicht in einer Größenordnung, die große Besorgnis auslösen müsste. Nur bis zu zehn Prozent aller MRSA-Keime kämen aus der Tierhaltung, die Gefahr in Krankenhäusern sei ungleich größer.

Auch den Vorwurf der Umweltbelastung durch Gülle sieht Familie Goeken als nicht gerechtfertigt an. Reiner Goeken: „Wir halten uns strikt an die Düngeverordnung, eine Gefährdung benachbarter Gewässer ist nicht zu befürchten. Die anfallende Gülle werden wir außerdem als Dünger an einen Schwerter Ackerbaubetrieb liefern.“

„Rechtslage eindeutig“

Heinz-Wilhelm Büscher abschließend: „Alle gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich des Baus eines neuen Schweinemaststalls in Reingsen durch Familie Goeken werden voll und ganz erfüllt. Die Rechtslage ist eindeutig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stadt Schwerte das Bauvorhaben lange vor sich herschieben kann.“

Wer sich ein Bild von einer Anlage, wie sie in Reingsen entstehen soll, machen möchte, kann sich an Dr. Richard Hölscher wenden, Tel. 05903/ 93960. Gerne wird er Interessierten eine Führung durch seinen Schweinemastbetrieb in Emsbüren anbieten.