Schwerte als Heimat entdecken

Hakan Namlisoy (l.), hier mit Regina Wödl und Alexander Schikora von Prism, ist zweiter Vorsitzender der Bildungsplattform und engagiert sich mit Herzblut für seine Heimatstadt Schwerte. Jetzt lädt der Verein Prisma zu Theateraufführung der Komödie „Stefanie integriert die Özturks“ in die Rohrmeisterei ein. (Foto: Prisma e.V.)

Schwerte. (NO) „Wir sollten jede Gelegenheit nutzen um zusammenzukommen“, ist Hakan Namlisoy von der Notwendigkeit gemeinsamer Anstrengung überzeugt. Doch obwohl Schwerte etwa im Vergleich zu Dortmund überschaubar und ein eher „ruhiges Pflaster“ ist, haben längst nicht alle Zuwanderer Wurzeln geschlagen, empfinden Schwerte noch nicht als Heimat. Und einige „Ureinwohner“ tun sich schwer, die Zugereisten als Nachbarn und Mitbürger zu aktzeptieren.

Viele Schritte

Die Prisma Bildungsplattform hat sich der Aufgabe verschrieben, „Nachhilfe“ zu leisten beim Zusammenleben verschiedener Kulturen und sozialer Schichten. „Was man nicht kennt, kann man leicht ablehnen“, so Hakan Namlisoy, der sich mit Herzblut für die integrative Arbeit engagiert. Viele Brückenschläge – so zu Kirchengemeinden, dem Schichtwesen, zur Verwaltung und Vereinen – sind bereits gelungen. „Außerdem konnte unser Verein Uwe Fuhrmann für Stadttouren gewinnen, denn einige Zuwanderer bleiben lieber zuhause und unter sich und wissen im Grunde gar nicht, wo sie eigentlich leben“, so Namlisoy.

Es sind viele Schritte, die zu einem entspannten Zusammenleben führen. Für ein besseres Verständnis soll jetzt aus Anlass des 50. Jahrestags der Migrationsgeschichte in Deutschland auch eine Theaterveranstaltung sorgen, die Prisma in Zusammenarbeit mit der Rohrmeisterei, dem Schichtwesen und der Stadt Schwerte eingestielt hat. „Stefanie integriert die Öztürks“ heißt die Komödie, die das Theater „Halber Apfel“ am 12. April 2011 ab 19 Uhr in der Rohrmeisterei präsentiert.

Gelegenheit zum Zusammentreffen

„Nicht nur Türken und Deutsche sollen zusammenkommen, sondern auch verschiedene soziale Ebenen, der Chef und der Angestellte, es soll locker und lustig zugehen, Integration kann und soll ja auch Spaß machen“, freut sich Hakan Namlisoy auf einen heiteren Theaterabend. Als Hauptsponsoren haben sich die Sparkasse und die Stadtwerke bereit erklärt, die Eintrittskosten für 200 Schülerinnen und Schüler zu übernehmen.

Zum Stück

Auf Grund einer verlorenen Wette zwischen dem Ali Öztürk und Stefanie, der Klassenkameradin seiner Tochter, nimmt die Familie Öztürk für eine Woche Stefanie in ihr Zuhause auf. Sie findet sich zwar ins türkische Familienleben ein, lässt aber nichts unversucht, dem traditionsverbundenen Familienvater Deutsch beizubringen und ihn in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Verständigungsprobleme, Missverständnisse, aber auch viel Humor sind unausweichlich…

Engagiert für Schwerte

Die Idee zur Aufführung des Theaterstücks hatte Hakan Namlisoy, einer der Gründer der Prisma Bildungsplattform e.V. Der gebürtige Schwerter, verheiratet, eine kleine Tochter, ist gelernter Papiertechnologe und arbeitet in 3-Schicht-Vollzeit in einer Papierfabrik. Seit der Gründung von Prisma im Jahre 2006 ist er stellvertretender Vorsitzender des Vereins und darüber hinaus in Dortmund im Interkulturellen Dialogzentrum Idiz ebenfalls ehrenamtlich tätig. Sein Fachabi hat der 34-Jährige während der Schichtarbeit nachgeholt und ist zudem als Student der Bildungswissenschaften an der Fernuni Hagen eingeschrieben.

Mit Herz

Hakan Namlisoy: „Ich bemühe mich, für unsere Stadt, für unsere Gesellschaft etwas Positives zu leisten. Um eine bessere Zukunft zu erhoffen, ist jetzt Ehrenarbeit angesagt. Wichtig ist es, für eine friedliche, bildungsgleiche Gesellschaft zu sorgen, egal, welcher sozialen Schicht am angehört und welchen kulturellen Hintergrund man hat. Denn wir sind verantwortlich für die nachwachsende Generation und ihre Zukunftschancen. Es ist wichtig, sich mit seiner Stadt emotional zu identifizieren. Erst wenn man Schwerter ist oder Schwerterin, kann man von einer gelungenen Integration sprechen. Das Herz muss mitsprechen!“

In dieser Hinsicht ist Schwerte auf bestem Wege – dank Prisma und den vielen Bürgern und Gruppen, die das Anliegen des Vereins unterstützen. Schon im Mai wird Prisma die nächste Veranstaltung für alle interessierten Schwerterinnen und Schwerter anbieten. Dann findet im Bürgersaal des Rathauses ein Expertengespräch über interkulturellen Alltag statt. Dann wird auch die Frage gestellt: „Wer ist eigentlich mein Nachbar?“