Schwerte: Kampf um Proberäume

Die Bandiniative Schwerte mit ihrem Vorsitzenden Florian Fischer (Mitte, hier mit der Band „Ruhrschrei“, die auch unter der Gesamtschule probt), findet sich nicht mit der Entscheidung der Stadt ab, das Proberaumzentrum wegen Brandschutzmaßnahmen deutlich zu verkleinern. (Foto: Norbert Fendler)

Schwerte. (NO) Schock für die Schwerter Bandszene: Die Verwaltung der Stadt Schwerte will den Nutzern des Proberaumzentrums (ProZ) die Verträge zum 1. März 2013 kündigen. Begründet wird dies mit der umfangreichen brandschutztechnischen Sanierung des ProZ, die voraussichtlich bis zu 1,40 Millionen Euro verschlingen wird.

Vier von sieben Proberäumen sollen ersatzlos wegfallen. Völlig unklar ist, wer nach der Sanierung bleiben darf.

„Eine Katastrophe!“

Kampflos wollen Florian Fischer, Bandinitiative Schwerte, und Michel Ferdinand, Kunterbunt e.V., die gestrichenen Proberäume nicht aufgeben. In einer von Beiden unterzeichneten Stellungnahme heißt es: „Für uns Musiker ist diese Entscheidung eine Katastrophe. Mit dem Wegfallen der Proberäume auf eine unbestimmte Zeit ist es für alle Bands nicht mehr möglich aktiv zu sein. Eine Band, die nicht probt, hat keine Auftritte und nimmt auch kein neues Album auf.“

Tragweite nicht bewusst?

„Wir fragen uns“, so Florian Fischer und Michel Ferdinand unisono, „ob der Stadt Schwerte die Tragweite ihres Plans bewusst ist. Die Schwerter Bandszene, die maßgeblich durch das ProZ und die dort Aktiven geprägt ist, wird hierdurch erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Wir sprechen hier von rund 30 Bands, die im Moment nicht wissen, wie es weitergeht.“

„Verlierer“

„Einige der Bands lösen sich mangels Proberaum auf“, entwerfen Fischer und Ferdinand ein düsteres Szenario. „Andere drehen der Kulturstadt Schwerte den Rücken zu und suchen sich neue Proberäume in anderen Städten. Manch eine Band kommt vielleicht noch irgendwo in Schwerte unter. Im Großen und Ganzen stünde aber die ganze Stadt Schwerte als Verlierer da.“

Hat Rotstift den Kopf ersetzt?

Angesichts des Wegfalls von Proberäumen unter der Gesamtschule ist auch Jugendpfleger Thomas Schwengers entsetzt und spricht von einer „schockierenden Situation“. Und schon im September vergangenen Jahres, als sich Probleme ums Probenzentrum in der Gesamtschule bereits abzuzeichnen begannen, schrieb Bernd Kirchbrücher einen geharnischten und immer noch aktuellen Leserbrief. Darin hieß es unter anderem:

„Man mag‘s kaum glauben: Zum zweiten Mal wollen die städtischen Jugend- und Kulturverwalter mit dem lapidaren Verweis auf den „Brandschutz“ einem wichtigen Stück Jugend- und Kulturarbeit kurzerhand den Hahn zudrehen. Nach dem Rattenloch in Kayser-Keller soll‘s jetzt das Probenzentrum im Gesamtschul-Keller sein – kunterbunt beide.

Zum zweiten Mal wird deutlich, dass die Jugend und die Kultur in der Stadtspitze zwar einen Beigeordneten, aber überhaupt keine Lobby haben. Es fehlt nicht nur jede Vision und jede Idee – es ist noch nicht einmal Interesse vorhanden. Da wird nur noch der Mangel verwaltet – und das auch noch schlecht. Der Rotstift hat längst den Kopf ersetzt.(…)

Oder ist das Ganze doch nur ein mit dem „Brandschutz“ mühsam kaschierter Versuch, sich die ungeliebten und schlecht kontrollierbaren Keller- und Schmuddelkinder per Rotstift gleich ganz vom Halse zu schaffen?“

Lösung finden

Für Florian Fischer, 1. Vorsitzender der Schwerter Bandinitiative, und Michel Ferdinand, 1. Vorsitzender des Kunterbunt e.V., ist der Fall klar: „Die Entscheidung, vier Räume ersatzlos zu streichen, ist für uns nicht tragbar. Wir sind sicher, dass es Mittel und Wege gibt, eine bessere Lösung zu finden. Die von uns bereits im letzten Jahr eingebrachten Vorschläge zur Erfüllung der aktuellen Brandschutzanforderungen bei Erhalt der Proberäume wurden erkennbar nicht ernsthaft geprüft. Wir haben nun einen externen Architekten, Olaf Pertzborn aus Essen, mit der Prüfung der Unterlagen und Pläne beauftragen. Nach den Erfahrungen des Kunterbunt e.V. mit dem Umbau des Rattenlochs Schwerte gehen wir davon aus, dass sich mit ein wenig mehr an Bemühung eine zufrieden stellende Lösung finden lässt.“

Am Donnerstag abend nahm Architekt Pertzborn mit einem Kollegen bei einem Ortstermin die Proberaum-Situation in Augenschein. Außerdem findet am Sonntag, 27. Januar, ein Treffen der Bandinitiative im Rattenloch, Eintrachtstraße 10, statt, das um 17.30 Uhr beginnt. Dann wird es vor allem um die wegfallenden Proberäume in der Gesamtschule gehen.