Schwerter Bundestagskandidaten: Hubert Hüppe, CDU

Schwerte. (NO) Am 22. September 2013 ist Bundestagswahl. Im Kreis Unna I, zu dem auch Schwerte gehört, treten Walter Wendt-Kleinberg, Die Linke, Oliver Kaczmarek, SPD, Malte Spitz, Bündnis 90/Die Grünen, Hubert Hüppe, CDU, und Heike Schaumann, FDP, als Bundestagskandidaten an. In einer Interviewreihe stellt der wochenkurier ihre Ansichten und Schwerpunkte vor. Heute im Interview: Hubert Hüppe, CDU.

Zur Person

Hubert Hüppe, geboren am 3. November 1956 in Lünen, war von 1991 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages und ist seit 2010 Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Seit 2012 ist er auch wieder Mitglied des Deutschen Bundestages.

Nach der Mittleren Reife am Gymnasium St. Christophorus in Werne absolvierte Hüppe eine Ausbildung für den gehobenen nichttechnischen Dienst bei der Stadtverwaltung Lünen. Ab 1982 war er als Sachbearbeiter beim Jugendamt der Stadt Lünen für den Bereich Kindergartenwesen, Kommunale Förderung von Jugendverbänden und Familienerholungen tätig. Hüppe ist Diplom-Verwaltungswirt war zuletzt als Stadtoberinspektor bei der Stadt Lünen. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

1971 trat Hubert Hüppe in die Junge Union und 1974 auch in die CDU ein. Er gehörte von 1982 bis 1990 dem JU-Landesvorstand in NRW an und war von 1983 bis 1987 Vorsitzender des JU-Kreisverbandes Unna. Seit 1988 ist Hüppe Mitglied des CDU-Bezirksvorstandes Ruhrgebiet und seit 1989 Kreisvorsitzender der CDU Unna. Ende 2009 wurde Hubert Hüppe vom Bundeskabinett zum Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen ernannt. Hüppe engagiert sich besonders in der Lebensrechtsbewegung und ist seit 1986 stellvertretender Bundesvorsitzender der Christdemokraten für das Leben. Er ist außerdem Mitglied der Lebenshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e.V. Hubert Hüppe wurde mit dem Bundesverdienstkreuzes am Bande ausgezeichnet.

Wie gut kennen sie den Kreis?

Na, immerhin bin ich hier ja groß geworden. Und als Kreisvorsitzender der CDU sollte man wohl Durchblick haben. In Schwerte war ich auch schon früh aktiv, ich denke da an das politische Jugendlager, das ich als Vorsitzender der Schülerunion auf Vickermanns Hof in Ergste organisiert habe.

Sie sind Behindertenbeauftragter der Bundesregierung. Was haben Sie in den letzten Jahren vorangebracht?

Es ist mir in den vergangenen Jahren gelungen, dass bei vielen Gesetzen auch an die Menschen mit Behinderungen gedacht wird. So habe ich es geschafft, dass bei der Zulassung von Fernbussen, diese auch zukünftig barrierefrei für Rollstuhlfahrer sein müssen, oder dass zukünftig nur dann Filme öffentlich gefördert werden, wenn es auch eine barrierefreie Version für Seh- und Hörbehinderte gibt. Zudem ist es gelungen, dass Contergan geschädigte Menschen endlich seit August die Leistungen bekommen, für die sie und früher ihre Eltern 50 Jahre gekämpft haben. Natürlich habe ich das nicht alles alleine durchgesetzt, aber das waren alles Dinge, die erstmal nicht vorgesehen waren und für die ich gekämpft habe.

Mal eine böse Frage: Ist Behindertenarbeit auch ein Wirtschaftsfaktor?

Natürlich wird auch mit behinderten Menschen Geld verdient und die Sonderwelten werden manchmal immer noch größer. Tatsache ist, es gab vor fünfzehn Jahren 150.000 Werkstattplätze für Menschen mit Behinderung, heute sind es 300.000. Ich erlebe auch selten Einrichtungen, die sich freiwillig selbst auflösen.

Woher wissen Sie, was Menschen mit Behinderungen bewegt?

Ich habe sofort nach meiner Amtsübernahme einen sogenannten „Inklusionsbeirat“ eingerichtet, dessen Mitglieder fast alle eine Behinderung haben. Diese Mitglieder habe nicht ich benannt, sondern der deutsche Behindertenbeirat. Diese Menschen wissen am besten, was für Probleme sie haben und sie kennen auch oft die Lösungen.

Was halten Sie vom Betreuungsgeld?

Man sollte nicht allen Vätern und Müttern unterstellen, dass sie das Geld missbrauchen. Ich finde es durchaus gerecht, dass Eltern bei ihrer Erziehungsleistung zuhause unterstützt werden, das Betreuungsgeld bietet zumindest einen kleinen Ausgleich.

Wo verorten Sie sich innerhalb der CDU?

Da wo ich stehe. Für mich ist das „C“ noch wichtig. In der Politik für Menschen mit Behinderung gelte ich schon vielen als zu fortschrittlich, bei Wertefragen bei vielen als zu konservativ. Mir ist es wichtig, nicht immer dem Trend nachzurennen. Wer dem Zeitgeist nachläuft, ist auch immer auf dem neuesten Stand des Irrtums.

Halten Sie das neue Hilfspaket für Griechenland für sinnvoll?

Ein weiteres Hilfspaket kommt nur dann in Frage, wenn die Griechen bereit sind, die notwendigen Reformen durchzuführen und die Auflagen aus dem aktuellen Hilfsprogramm vollständig umgesetzt werden. Es darf keinen Freifahrtschein geben, die Griechen müssen ihre Hausaufgaben machen. Einen zweiten Schuldenschnitt lehne ich ab, der würde der griechischen Regierung den Druck nehmen, Reformen durchzuführen.

Sollten Länder wie Griechenland nicht lieber aus dem Euro austreten?

Nein. Man kann fragen, ob es damals richtig war, Griechenland in den Euro-Raum aufzunehmen, aber nicht, ob sie jetzt austreten. Wer jetzt einfache Lösungen anbietet, muss sich bewusst sein, dass er die Stabilität der gesamten Euro-Zone gefährdet. Gerade jetzt, wo die Krisenstaaten beginnen sich zu erholen, wäre das geradezu katastrophal, nicht nur für die Länder selbst, sondern auch für uns und unsere Arbeitsplätze.

Könnten Sie sich mit einer großen Koalition arrangieren?

Ich will, dass die CDU so stark wie möglich wird und Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt. Eine Koalition mit demokratischen Parteien von vorneherein auszuschließen halte ich für Quatsch.

Wann kann der Ausbau der B 236 an der Stadtgrenze zu Dortmund beginnen?

Der vierstreifige Ausbau der B236 im Teilabschnitt von der Dortmunder Stadtgrenze bis zur Anschlussstelle Schwerte hat überregionale Bedeutung. Für Schwerte ist der Ausbau darüber hinaus von wichtiger Bedeutung um durch weitere Verkehrsplanungen der zu Stoßzeiten aufkommenden Lärm- und Umweltbelastung entgegenzuwirken.
Nach dem kürzlich abgeschlossenen „Deckblattverfahren“ müssen zunächst seitens der Bezirksregierung Arnsberg und des Landesbetriebs Straßen NRW die eingegangenen Stellungnahmen bewertet werden. Bei zügiger Bearbeitung ist der Planfeststellungbeschluss für Sommer 2014 zu erwarten. Baubeginn könnte dann im Jahr 2015 sein.

Thema Energiewende. Halten Sie die Errichtung des (vorerst gestoppten) Windparks Am Schälk in Ergste bzw. lokale Projekte dieser Art überhaupt für sinnvoll?

Wir müssen die Energiewende schaffen, gemeinsam und gerecht. In Bezug zu den Planungen eines Windparks Schälker Heide sind sowohl die Stadt Schwerte als auch die Stadt Iserlohn in den Planungen zur Erkennung und Benennung von Windvorrangflächen. Ich weiß, dass viele Bürger aus Ergste Probleme mit dem Windpark haben. Wichtig ist, dass auch auf den Schutz der Menschen geachtet wird. Natürlich sollte aber auch geprüft werden, ob die Gewinnung von Energie durch den Windpark wirtschaftlich wäre. Das ist keine Entscheidung, die im Bundestag getroffen wird.

Haben Sie noch Zeit für Hobbys? Wenn ja, für welche?

In den letzten dreieinhalb Jahren als Beauftragter und zuletzt auch als Abgeordneter hat meine Arbeit sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Bevor ich Zeit für Hobbys habe, kommt erst einmal meine Familie. Außerdem bin ich in verschiedenen Vereinen für Menschen mit Behinderung engagiert, zum Beispiel in der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung. Gerne treibe ich Sport, vor allen Dingen Fußball und Beachvolleyball. Seit meinem Einzug in das Parlament bin ich Mitglied des FC Bundestag. Leider konnte ich in diesem Jahr bisher nur an drei Spielen teilnehmen – und die Einsätze werden mit dem Alter zunehmend kürzer. Wenn spätabends in Berlin nochmal Zeit bleibt, spiele ich auch mal gerne Skat. Zu Hause mit der Familie ist im Moment das Kartenspiel Skip-Bo in.

Wenn Sie nicht in der Politik wären, was wäre die Alternative?

Im Moment kann ich mir das gar nicht vorstellen. Ich habe vorher im Jugend- und Sozialamt der Stadt Lünen gearbeitet, aber ein Leben ganz ohne Politik ist für mich kaum denkbar. Ich könnte mir dabei auch vorstellen, dass ich für einen Verband für Menschen mit Behinderungen oder einen Sozialverband arbeite.

Gefällt Ihnen das große Wahlplakat „Mensch Hüppe“, erkennen Sie sich darin wieder?

Na klar. Das Motiv und das Motto waren ja meine Idee. Vor vier Jahren hatte ich ein ähnliches Plakat. Es soll zeigen, dass ich vor Ort ansprechbar bin, für junge und alte Menschen und dass ich ein Mensch bin, der den normalen Alltag kennt.
Zugegeben, die ältere Dame auf dem Plakat ist meine Schwiegermutter. Aber auch das finde ich gut: Wir verstehen uns prima – auch noch nach 29 Jahren.

Herr Hüppe, vielen Dank für das Gespräch.