Schwerter Malteser werden 50

Schwerte. (ric/Red.) Für Wolfgang Boos, den Stadtbeauftragten der Malteser in Schwerte, und viele weitere Menschen steht der heutige Samstag, 10. September 2011, ganz im Zeichen eines runden Geburtages: Der Malteser Hilfsdienst wird 50 Jahre alt. Die Feierlichkeiten beginnen um 10 Uhr mit einer Heiligen Messe in der St. Marien-Kirche in der Goethestraße. Ab 11.30 Uhr lädt der Hilfsdienst zum Empfang im Gemeindezentrum St. Marien, ebenfalls in der Goethestraße, ein. Bei Grußworten, Ehrungen, einem Mittagessen und gemütlichen Zusammensein bleibt viel Raum, um an die vergangenen 50 Jahre zurück zu denken.

1961 – Der Anfang

Der Kreis der Gründungsmitglieder des Malteser Hilfsdienstes (MHD) in Schwerte kommt aus der katholischen Jugend. Gottlieb Angresius, Manfred Schumann, Norbert Göbel und Heinz Weidlich ergriffen in diesem Jahr die Initiative und gründeten den MHD in Schwerte. Zum ersten Stadtbeauftragten wurde Gottlieb Angresius ernannt. Knapp drei Monate nach seiner Gründung konnte bereits eine beachtliche Leistungsbilanz in der Ersten-Hilfe-Ausbildung vorgewiesen werden. Ende 1962 hatte der Malteser Hilfsdienst 30 Mitglieder, davon neun Aktive. Und auch die ersten Sanitätseinsätze wurden übernommen. In der weiteren Zeit wurde der MHD zu einer festen Einrichtung in Schwerte geworden. Die Helfer konnten ständig bei verschiedensten Veranstaltungen – sportlicher, kultureller oder religiöser Art – zum Sanitäts- und Betreuungsdienst angetroffen werden.

Das erste Fahrzeug

Die älteren Schwerter werden es noch kennen und in liebevoller Erinnerung haben: Das erste Einsatzfahrzeug der Malteser war ein lang gehegter Traum. (Foto: Wolfgang Boos)

Und dann erfüllte sich ein großer Wunsch der Schwerter Malteser: Das erste Einsatzfahrzeug konnte angeschafft werden. Damit wurde die Einsatzbereitschaft bei Sanitätsdiensteinsätzen wesentlich verbessert. In den 1970er Jahren übernahm der MHD dann auch den ersten Bereitschaftsdienst im Krankentransport an den Wochenenden. Ab 1975 wurden hauptamtlich Krankentransporte durchgeführt. Die Schwerter sahen ab jetzt auch an den Wochentagen den MHD-Krankenwagen. Und auch für Besonderheiten ist der Malteser Hilfsdienst zu haben: Einer der Krankentransporte dauerte drei Tage – von der Ruhrstadt bis zur Südspitze Italiens.

Doch Ende 1977 drohte das Aus für den so gut begonnenen Krankentransport. Personalschwierigkeiten machten dem MHD das Leben schwer. Durch das Engagement der ehrenamtlichen Helfer konnte das Personalproblem jedoch so lange überbrückt werden, bis sich die Lage geklärt hatte und der Krankenwagen des MHD nicht von den Straßen in Schwerte verschwand.

Gemeinsam geht es besser

1978 gab der Rat der Stadt Schwerte grünes Licht zur Zusammenarbeit zwischen dem Malteser Hilfsdienst, dem Deutschen Roten Kreuz und der Feuerwehr. Von nun an wurden die Krankentransporte von der Feuerwehr vergeben und gesteuert. Für die Schwerter Bürger bedeutet dies eine Verbesserung des Krankentransportes und des Rettungsdienstes. Fahrzeuge kamen schneller und gezielter zum Einsatz, Doppelbestellungen wurden vermieden. Gute zehn Jahre gab es die nächste Besonbderheit im Alltag der Malteser: Auf der Autobahn kam es zu einem Großeinsatz, nachdem ein Schneesturm Hunderte von Autofahrern überrascht und unfreiwillig zum Stillstand gebracht hatte. Die Malteser halfen die ganze Nacht über mit Decken und warmen Getränken bei klirrender Kälte aus.

Dier ersten Rettungsasstistenten

1990 waren die Malteser mit Gerhard Scholz und Torsten Trelenberg die ersten im Kreis Unna, die Rettungsassistenten vorweisen können. Und am 23. Februar 1992 begann ein Großprojekt: Die Malteser schickten einen Hilfsgütertransport nach Korostyn bei Tschernobyl auf den Weg. An Bord waren Hilfsgüter im Wert von fast 40.000 Mark, finanziert durch Spenden der Schwerter Bevölkerung. Kurz darauf startete der erste Hilfsgütertransport nach Kowel in der Ukraine. Die ehrenamtlichen Helfer waren erschüttert über die Situation vor Ort. Auch 1996 hatte sich das Leid der Menschen noch nicht verbessert und die Helfer der Malteser wurden weiter dringend benötigt. Als 1998 eine schwere Flutkatastrophe die Ukraine erschütterte, machten sich die Schwerter Malteser erneut auf den Weg. Im selben Jahr befand sich der Hilfsdienst sich im Umbruch. Eine Trennung zwischen Haupt-und Ehrenamt wurde vollzogen. Und auch neue Führungsstrukturen wurden geschaffen, sodass das Hauptamt in den Bezirk Dortmund eingegliedert wurde.

Und heute?

Heute sind beim Schwerter Ortsverein 40 Aktive dabei. Seit 2004 betreut das Hilfswerk ein Obdachlosenheim im Polen. Drei- bis viermal im Jahr machen sich die Schwerter auf den Weg. Im Gepäck haben sie gebrauchte Kleidung, Hygieneartikel, Medikamente. Und auch in der Ukraineist man nach wie vor aktiv: Erst 2008 wurde ein Rettungswagen dorthin überführt. Ebenfalls im jahr 2008 wurde eine Aktion für Fernfahrer ins Leben gerufen: Jedes Jahr am ersten Weihnachtstag warten die Schwerter Malteser auf der Raststätte Lichtendorf. Dabei haben sie ein kleines Präsent, das jeder der Fernfahrer bekommt. Und natürlich sind die Haupt- und Ehrenamtlichen auch in Schwerte selbst mit dem Rettungsdienst, Krankentransporten, sozialen Diensten und den Erste-Hilfe-Kursen stark vertreten. „Sie alle helfen und tragen ihren Teil für die Malteser bei“, erklärt Wolfgang Boos. „Diese Helfer sind unser Kapital. Ohne sie bräuchten wir gar nicht erst mit etwas anzufangen.“