„Sprache unserer Träume“: Freiraum für kreative Begegnung

Schwerte. (Red.) Was verbindet jugendliche Flüchtlinge und
Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Gänsewinkel? Gemeinsam haben sie die
Suche nach kultureller Identität, Träume, Zukunftswünsche und die Frage, wie es
auf dem Weg zum Erwachsenwerden weitergeht. Sprachlicher Austausch und die
gemeinsame mediale Gestaltung des Themas schaffen Verbindungen, fördern
Lesemotivation und gesellschaftliche Integration.
Diese Ziele verfolgt ein neues Projekt, das von drei örtlichen Akteuren
durchgeführt wird. Dies sind die Stadtbücherei Schwerte als Institution der
Leseförderung und Vermittlerin von Medienkompetenz, die Gesamtschule Gänsewinkel
mit dem Titel „Schule gegen Rassismus“ und das Wohnprojekt „Mittendrin“ des
Vereins Wellenbrecher, das unbegleiteten jugendlichen Geflüchteten ein Zuhause
in Schwerte bietet.
Fünftägiger Workshop
„Die Sprache unserer Träume“ heißt der fünftägige Workshop, der in der
zweiten Herbstferienwoche im Kultur- und Weiterbildungsbetrieb (KuWeBe) bzw. der
Stadtbücherei stattfindet. Insgesamt 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu gleichen Teilen Schüler der Gesamtschule und junge
Geflüchtete tauschen sich über ihre Träume, ihre
kulturelle Identität und ihre Zukunftswünsche aus. „Sprache ist natürlich unser
vorrangiges Werkzeug“, betont Torsten Einecke, Koordinator des Projekts beim
Wellenbrecher. „Besonders wichtig ist es allerdings auch, Begegnungsräume zu
schaffen, in denen sie erprobt werden kann.“ Gesamtschulleiter Jürgen
Priggemeier ergänzt: „Das Projekt dient auch dazu, dass sich die Jugendlichen
auf Augenhöhe begegnen.“
Künstlerische Handschrift
Der Garant dafür, dass sich die Begeisterung für Sprache auch auf die jungen
Teilnehmer überträgt, ist der bekannte Schwerter Autor und Flusspoet Thorsten
Trelenberg. Er soll die biografischen Äußerungen der Teilnehmer zu einer
Geschichte formen. Diese wird im Laufe des Workshops gemeinsam gelesen, ergänzt
und zu einem improvisierten „Drehbuch“ umgestaltet.
„Ob Dokumentation, Tagebuch oder Kurzgeschichte, die Form ist nicht
vorgegeben und wird im Zusammenspiel mit den Teilnehmern entstehen“, beschreibt
Anja Stock, Leiterin der Stadtbibliothek, die Herangehensweise. Bei Entwicklung
einer künstlerischen Handschrift hilft außerdem der Schwerter Künstler Jan van
Nahuijs, der im Rahmen verschiedenster Kunstprojekte bereits mit den
Jugendlichen des Wellenbrecher e.V. gearbeitet hat.
Film entsteht
Auf Grundlage der erstellten Geschichte werden mit Unterstützung des
Medienpädagogen Rudolf Gier-Seibert in der Folge Spielszenen und dokumentarische
Sequenzen gefilmt. Aus dem Videomaterial entsteht ein Film, der die
Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jungen Menschen aus unterschiedlichen
Kulturkreisen und mit unterschiedlichen Erfahrungen darstellt. Abschließend soll
das Ergebnis des Projekts der Öffentlichkeit vorgestellt werden, wobei auch hier
die genaue Ausgestaltung der Präsentation den Jugendlichen überlassen wird.
Lesen macht stark
Das Projekt „Die Sprache unserer Träume“ wird durch das Bundesministerium für
Bildung und Forschung aus dem Projekttopf „Lesen macht stark: Lesen und digitale
Medien“ gefördert. Besonderen Dank richtete Dr. Christine Mast, Vorstand des
KuWeBe, an MdB Hubert Hüppe (CDU), der sich im Vorfeld in besonderem Maße für
das Schwerter Projekt eingesetzt hatte.