Taktik, Helm und dicke Polster

Von Leonie Werski

Die Dortmund Giants sind bundesweit unterwegs. Mit dabei ist der Schwerter Yannik Kullik (rechts mit der Nummer 28), der als „Spieler der Saison“ ausgezeichnet wurde. Der 19-Jährige möchte sein Talent weiter ausbauen – möglicherweise in den USA. (Foto: privat)

Schwerte. American Football und Schwerte – wie passt das zusammen? Yannik Kullik kennt die Antwort. Seit acht Jahren spielt er mit großem Ehrgeiz und Erfolg Football bei den Dortmund Giants. „Football war für mich schon immer ,normaler’ als Fußball’, erklärt der 19-Jährige. Was man nachvollziehen kann, ist doch sein Vater Trainer bei den Giants, die sich nach der erfolgreichen letzten Saison mit nur einem verlorenen Spiel und einem Unentschieden noch in der Winterpause befinden.

Ausgezeichnet

Besonders Yannik blickt mit Stolz auf die vergangene Spielzeit zurück, denn er erhielt eine Auszeichnung als „Spieler der Saison“ für sein Engagement und vielfältigen Einsatz. Normalerweise ist der junge Schwerter in der Abwehr, aber in speziellen Teams gibt er auch als „Returner“ sein Bestes.

Training

Neben dem dreimaligen regulären Training im Verein standen zudem zweimal pro Woche Einheiten im Fitnessstudio auf dem Programm. Doch in der „Noch-Winterpause“ spielt sich das Training ausschließlich im Fitnessstudio ab. Die gewonnene Zeit kann der junge Mann für die Vorbereitung aufs Abi nutzen.

Seit seinem 15. Lebensjahr spielt Yannik Kullik Vollkontakt, und mit Beginn der neuen Saison wechselt er zur Herrenmannschaft. Er ist übrigens nicht der einzige Footballspieler aus Schwerte. Vor etwa zwei Jahren konnte er seinen Kumpel Nils Krüger dazu überreden, es auch mal mit dieser „Ami-Sportart“ zu versuchen.

In den USA

Yannik Kullik, 19, mit dem Pokal „Spieler der Saison“. (Foto: Leonie Werski)

Mit 17 Jahren war Yannik für ein Jahr in Wisconsin/USA und hatte dort die Möglichkeit, drei Monate professionell American Football zu spielen. Ein besonderes Erlebnis war für ihn das „Homecoming- Spiel“, bei dem er in kompletter Montur zum Spiel gefahren wurde. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn ein ganzer Ort auf den Bein ist, um bei einem Spiel dabei zu sein!“

Für jeden ein Platz

„Beim Football findet jeder seinen Platz“ erzählt der Schwerter. „Jede Körperstatur findet ihre Position, egal, ob groß, klein, dick oder dünn.“ Und: Football ist absolut kein „Krawallsport“, wie viele Leute denken. Neben Teamgeist und Fitness ist ein kluges Köpfchen gefragt, denn American Football ist ein Spiel mit vielen Regeln, bei dem vor allem Taktik gefragt ist.

Grundregeln

Bei einem Spiel sind zwei Mannschaften mit jeweils elf Spielern auf dem 120 Yards (109,728 Meter) langen und 53 Yards (48,4632 Meter) breiten Feld. Das Spielfeld ist in zwölf gleich große Abschnitte zu je zehn Yards eingeteilt, wobei die 100 Yards in der Mitte als Spielfläche und die restlichen zehn Yards an den Rändern des Spielfeldes als Endzone bezeichnet werden. Am Ende der Endzone befinden sich zusätzlich noch die „goalposts“ (Torpfosten).

Punkte können auf verschiedene Weise mit dem Erreichen der Endzone erzielt werden. Es gibt immer einen Sturm, die „Offense“, die im Ballbesitz ist, den Angriff ausübt und mit erlaubten vier Anläufen versucht, zehn Yards zu überbrücken. Gelingt dies nicht, bekommt die gegnerische Mannschaft ihre Chance. Die „Defense“ verteidigt und versucht, den typisch länglichen Ball abzufangen oder ihn den Gegnern abzuschlagen.

Anfängerfehler

„Ein Anfängerfehler ist es, sich einfach am Gegenspieler festzuklammern“ lacht Yannik. Es darf jedoch nicht getreten, gebissen, geschlagen oder gar beleidigt werden, die sinnvollste Möglichkeit ist es, den Gegner mit den Schultern zu Boden zu bringen. Leichte Verletzungen wie Schürfwunden oder Prellungen sind wie bei jedem anderen Sport mit inbegriffen und schwere Verletzungen kommen dank der Ausrüstung selten vor.

Gut gepolstert!

Bisweilen kann es rauh zugehen beim American Football - aber immer streng nach Regeln. (Foto: privat)

Hierzulande ist es ist schwer, an die vergleichsweise kostspielige Ausrüstung zu kommen, denn sie wird in Europa nur von einem Haupthändler und ansonsten einigen wenige weiteren Händlern angeboten. Wichtigste Bestandteile sind Helm, Schulter- und Körperpolster, wobei die Beweglichkeit möglichst wenig eingeschränkt werden darf, denn die Spieler müssen ja schnell und agil sein. Yannik Kullik benutzt dazu normale Fußballschuhe, allerdings werden sie bei jedem Spiel stark strapaziert.

Bundesweit unterwegs

Die Dortmund Giants sind bundesweit unterwegs, Heimspiele finden in der Sommersaison meistens samstags oder sonntags am Mendeplatz am Fredenbaum in Dortmund statt. In dieser Saison werden die Giants vom Studienkreis gesponsert und freuen sich über jede weiter Unterstützung.

Ins Ausland!

Yannik Kullik, der auch schon als „Team Captain“ zu Ehren kam, wünscht sich für seine Zukunft, außerhalb Deutschlands und vielleicht sogar außerhalb von Europa zu studieren. Dort möchte er dann sein Talent als American-Football-Spieler noch weiter auszubauen. Möglicherweise in den USA. Man darf auf zukünftige Erfolge des jungen Schwerters gespannt sein!