Viel Spaß im „Knast“

Die Justizvollzugsanstalt Schwerte hat nicht nur eine eigene Band, sondern seit 2004 auch eine Theatergruppe. Das „theaterlabor schwerte“ präsentiert am „Tag der offenen Tür“ Auszüge aus seinem neuen Stück „Judas“. Ansonsten können Besucher die JVA bei einem Rundgang mit insgesamt 36 Stationen kennen lernen. (Foto: theaterlabor schwerte)

Ergste. (NO) Musik, Theater, Kino, Kinderolympiade – so heiter präsentiert sich ein „Knast“ nicht alle Tage. Die Justizvollzugsanstalt Ergste tut es – anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens am Samstag, 14. Mai. Zum Besuch in der Anstalt sind auch Familien eingeladen, die nicht nur einen unterhaltsamen, sondern auch informativen Tag verbringen möchten. Zudem freuen sich JVA-Leiterin Gabriele Harms und ihre Mitarbeiter/innen über die Gelegenheit, mit Interessierten über die Aufgaben des Strafvollzugs zu sprechen. Wer möchte, kann sich sogar mal zur Probe in eine Zelle einschließen lassen.

40 Jahre JVA

Ursprünglich war die JVA Schwerte als Haftanstalt für Männer und Frauen geplant. 1971 ging sie dann als Einrichtung des geschlossenen Männerzollzugs mit 269 Haftplätzen in Betrieb. 2004 wurde sie auf 364 Haftplätze erweitert. Heute sitzen dort 386 Gefangene ein – eine strukturelle Überbelegung, mit der alle Einrichtungen dieser Art zu kämpfen haben. Entlastung verspricht indes ein JVA-Neubau in Ratingen und Umstrukturierungen in anderen Haftanstalten.

2004 wurden auch eine Sporthalle und Werkhallen gebaut, das Sicherheitssystem erweitert. Besondere Schwerpunkte in der JVA Schwerte sind die Sozialtherapeutische Abteilung, drei Wohngruppen für junge Straftäter, eine Abteilung für die Vorbereitung auf Drogentherapien und eine Schulabteilung.

Die 2004 begonnenen An- und Umbaumaßnahmen sind noch nicht abgeschlossen, die Sanierung im Altbau wird fortgesetzt. Für 2012 ist der Umbau des Verwaltungs- und Besuchsbereichs vorgesehen.

Arbeit in der JVA

Die Beschäftigungsquote in der Justizvollzugsanstalt Schwerte liegt bei durchschnittlich 65 Prozent einschließlich Schüler. Wie auch in den Vorjahren werden Gefangene mit Verpackungs- und Hausarbeiten, in der Arbeitstherapie sowie in den Eigenbetrieben Schreinerei und Wäscherei beschäftigt. Im Durchschnitt nehmen darüber hinaus 50 Häftlinge als Vollzeitschüler am Unterricht teil.

28 Nationen

70 der 386 Gefangene repräsentieren 28 Nationen, hinzu kommen 40 so genannte Spätaussiedler.

Tag der offenen Tür

Bei Tag der offenen Tür am 14. Mai können Besucher ein vielfältiges Programm erleben und ebenso erfahren, auf welch vielfältige Weise sich die Insassen betätigen können – nicht nur bei Arbeit und Schule, sondern auch mit Film, Theater und Musik.

Einlass ist um 10 Uhr, kurz darauf startet ein Kinoprogramm mit Beiträgen aus dem „Knastleben“ nicht nur in Schwerte. Die Knastband „The Lost Souls“ sorgt für Musik, das „theaterlabor schwerte“ unter der Leitung des Pfarrers und Theaterpädagogen Dirk Harms, in dem seit 2004 Insassen der JVS schauspielerisch aktiv sind, führt Auszüge aus dem neuen Stück „Judas“ auf.

Bereichert wird das Programm zudem durch eine Kinderolympiade, ein „Fitnesstest“ in der Sporthalle, Blutzucker- und Blutdruckmessung und das „Justiz-Online-Glücksrad“. Alles in allem sind 36 Stationen eingerichtet, an den große und kleine Gäste die JVA Schwerte in- und auswendig kennen lernen können. Samt Hilfsprojekten und Ehrenamtlichen, die als wichtiges Bindeglied zwischen Drinnen und Draußen für Gefangene im geschlossenen Vollzug tätig sind.

Auch für Arbeitssuchende ohne Berufsperspektive könnte der Tag der offenen Tür in der JVA Schwerter interessant sein: Denn in der Anstalt wird am 14. Mai auch über Ausbildung und Berufsbild im allgemeinen Vollzugsdienst informiert. Hier sind noch viele Jobs frei.