Warum tut sich nichts Am Ohl in Schwerte?

Zeugnis der Vergangenheit verfällt weiter

Heimatkundler Ferdinand Ziese Am Ohl in Villigst
Wieder war der Wochenkurier mit Heimatkundler Ferdinand Ziese Am Ohl in Villigst. Die Reste der alten Wallburg, die auf dem ersten Blick einem Bombenkrater ähneln, verfallen weiter. Am Rand haben Biker sogar eine Schanze gebaut. Nicht einmal ein Schild weist auf dieses Zeugnis der Vergangenheit hin. (Foto: NO)

Schwerte. Was auf den ersten Blick wie ein Bombentrichter aussieht, ist ein Zeugnis der Geschichte. Zu finden ist es Am Ohl, wenn man kurz vor Haus Villigst von der Iserlohner Straße aus rechts den Waldweg hinaufgeht. Der Ortskundige erkennt nach rund 120 Metern auf der linken Seite eine Art Ringwall. Darüber hat der Wochenkurier bereits im Mai vergangenen Jahres berichtet, als eine Ortsbegehung mit Ferdinand Ziese stattfand.

Schon damals beklagte sich der Heimatkundler über den schlechten Zustand des Objekts, das eigentlich als Bodendenkmal ausgewiesen werden müsste. Denn immerhin handelt es sich um die Reste einer rund 1000 Jahre alten Wallburg, von der jetzt freilich nichts mehr zu sehen ist. Bis auf den mit Bäumen bewachsenen „Krater“.

Der Verfall geht weiter

In dieser Woche war der Wochenkurier wieder mit Ferdinand Ziese vor Ort. Enttäuscht und empört stellt der Heimatkundler fest: „Die Anlage verfällt weiter – und bei der zuständigen Denkmalbehörde herrscht weiterhin Funkstille. Es besteht offenbar keinerlei Interesse daran, dieses geschichtliche Zeugnis zu erhalten. Nicht einmal ein Schild weist darauf hin.“

Ferdinand Ziese, der demnächst auch wieder als Schwerter Nachtwächter in Aktion tritt, erklärt: „Der Erdwall Am Ohl, im Durchmesser etwa 20 Quadratmeter groß, war ein Bestandteil der ehemaligen Einhegung der alten Wallburg. Innen stand eine Befestigung aus Holzstämmen. Wenn ein Feind durch das Ruhrtal zog, diente die Wallburg nicht nur als Rückzugsort, sondern auch als Signalstation. Mit Feuer- und Rauchzeichen wurde dann Alarm gegeben.“

Marser und Brukterer

Ziese weiter: „Eine weitere Wallburg stand am Ochsenhügel in Wandhofen, davon ist leider kaum noch etwas zu sehen. Der Name Ochsenhügel verweist übrigens auf eine germanische Kultstätte, wo Ochsen geopfert wurden. Von dort aus wurden die Alarmsignale Vom Ohl aus weitergegeben bis zum Plateau oberhalb der Flussmündung von Lenne und Ruhr zum Vorläufer der Hohensyburg. Dort konnte dann die damalige Bevölkerung Schutz suchen oder es wurden Gegenmaßnahmen ergriffen.“

Auch über die frühere Bevölkerung weiß Ferdinand Ziese einiges zu sagen: „Die alten Stämme der Marser und Brukterer waren hier in unserer heimischen Region ansässig. Die Marser wurden im Jahre 14 nach Christus von den Römern vernichtet. Ein Teil des Stammes wurde bei Holzwickede überfallen, fast alle wurden erschlagen. Das war am Tag der Herbstgleiche, am 20. September.“

Geschichte ist überall präsent

Der Name „Am Ohl“, wo sich die Reste der alten Wallburg befinden, hat übrigens ebenso eine Bedeutung wie der Name „Ochsenhügel“. Dazu wieder Ferdinand Ziese: „Das Wort ‚Ohl‘ bezeichnet ein wasserreiches Terrain. Von den dortigen Quellen aus wurde Wasser dorthin geleitet, wo sich heute das Haus Villigst befindet.“

Zeugnisse der Geschichte findet man in der heimischen Region allerorten. Doch nicht alle sind als solche zu erkennen. Das bedauert speziell im Falle der Reste der alten Wallburg Am Ohl nicht nur Heimatkundler Ferdinand Ziese. Schade, dass dieses Objekt weiter verfällt – und dass sich keiner darum kümmert.