Wenn Max und Mama Hilfe brauchen

Schwerte. (NO) Steckbrief Max: Elf Jahre alt; Wohnort: Schwerte-Holzen; Wunsch: angeln, Betreuung bei Hausaufgaben; Sonstiges: ADHS, drei jüngere Geschwister, Mutter alleinerziehend. Steckbrief Aysun: Alter: drei Jahre; Wohnort: Schwerte-Mitte; Wunsch: spielen, spazieren gehen; Sonstiges: kranke Mutter (Schlaganfall).

Marie Keuthen (l.) und Ulrike Roguschak (r.) vom AWO-Familienzentrum freuen sich über engagierte Familienpaten wie das Ehepaar Sabine und Frank Kuschmierz. (Foto: Norbert Fendler)

Ob Krankheit oder Überlastung: Manche (Teil-)Familien brauchen Hilfe. Die gibt es kostenlos beim AWO-Familienzentrum für Bildung und Lernen in Schwerte. Beim 2009 gestarteten Projekt „Familienpatenschaften“ kommen Nachfrage und Angebot zusammen. Die „Steckbriefe“ von Max und Aysun sind nur zwei Beispiele, wie sich die Nachfrageseite präsentieren kann.

Ehrenamtlicher Einsatz

Ehrenamtlich engagierte Paten unterstützen zunächst sechs Monate, auf Wunsch auch länger, für zwei bis drei Stunden in der Woche überforderte Familien und Alleinerziehende um Umgang mit ihren Kindern und der Außenwelt. Die Voraussetzung: Paten sollten tolerant, verständnisvoll, zuverlässig und einfühlsam sein und sich für andere Menschen und Kulturen interessieren. Wie beispielsweise Sabine und Frank Kuschmierz.

Aus der Praxis

Sabine Kuschmierz ist Verkäuferin und wurde 2010 auf das AWO-Projekt „Familienpatenschaften“ aufmerksam. „Unser Kinder sind groß und längst aus dem Haus, und zunächst hatte ich den Wunsch, die Zeit mit dem Umgang mit fremden Kindern zurückzudrehen“, so die 48-Jährige. Maria Keuthen, pädagogische Fachkraft bei der AWO, stellte den Kontakt mit einer Unterstützung suchenden türkischen Familie her.

„Seitdem besuche ich sie einmal wöchentlich zwei bis drei Stunden und widme die Zeit hauptsächlich den beiden vier und sieben Jahre alten Mädchen. Wir machen gemeinsame kleine Ausflüge, gehen ins Schwimmbad, spielen oder quatschen. Dadurch trainieren die Beiden auch die deutsche Sprache. Mein Einsatz wird vom Familienvater gern unterstützt“, erklärt Sabine Kuschmierz.

Hilfe tut gut

Wohl durch ihr Beispiel ließ sich auch Ehemann Frank Kuschmierz, tätig in der Kunststofftechnologie, auf das Projekt „Familienpaten“ ein: „Am Wochenende nehme ich mir dafür Zeit. Ich betreue einen fünfjährigen Jungen, der von seiner Oma in Obhut genommen wurde. Bei meinen Besuchen stehen Freizeitaktivitäten wie Fahrradfahren oder Sport auf dem Programm, und manchmal toben wir einfach nur. Ich habe festgestellt, dass vielen Jungen eine männliche Bezugsperson fehlt!“

Ihr ehrenamtliches Engagement macht Sabine und Frank Kuschmierz nicht nur viel Freude, es ist auch seelisch befriedigend: „Die Hilfe tut auch uns gut. Wir bekommen als Familienpaten viel zurück!“

Nachfrage steigt

Zur Zeit sind 17 Paten – sechs männlich, elf weiblich – im AWO-Projekt im Einsatz, das Durchschnittsalter beläuft sich auf 55 Jahre. Aktuell werden 16 Familien betreut, davon sechs Einwandererfamilien und sieben Alleinerziehende. „Zur Zeit gibt es neun offene Anfragen von Familien und Alleinerziehenden, und die Nachfrage nach Familienpaten in Schwerte steigt“, erklärt AWO-Betriebsleiterin Ulrike Roguschak. Sie und Maria Keuthen stehen Interessierten gern unter Tel. 02304 / 981060 zur Verfügung.

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