Wie lebt es sich in Villigst?

Villigst. (as) Wie wollen wir leben? Eine Frage so alt wie die Menschheit. Michael Kamutzki möchte ihr auf den Grund gehen – in Villigst. Er ist evangelischer Pfarrer, zuständig für den Bezirk Villigst und er wohnt in Villigst. Gemeinsam mit einigen Villigster Bürgerinnen und Bürgern begann er mit einer Bestandsaufnahme: „Wie lebt es sich in Villigst?“ Mit einem Fragebogen wandte sich das Team an die Bevölkerung. Es ging um das Thema Nachbarschaft: Was ist das eigentlich? Wofür braucht man Nachbarn? Herausgekommen sind nicht nur allgemeine Antworten, sondern eine regelrechte Wunschliste für Villigst.

Ein Miteinander der Generationen ist wichtig. Damit dieses Miteinander in Villigst klappen kann, sucht die Nachbarschaftsgruppe um Michael Kamutzki noch Mitstreiter. (Foto: privat)

„Älter werden in Villigst“ lautete vor zwei Jahren das Thema beim „Villigster Treff“. Für Michael Kamutzki war die Veranstaltung Grund genug, einmal genauer hinzuschauen. Er fand Mitstreiter. Gemeinsam entwickelte das Team den Fragebogen rund um die Nachbarschaften. Ein Fragebogen, der ein „durchweg positives Echo“ fand, wie Michael Kamutzki sagt. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer betonten, wie wichtig eine gut funktionierende Nachbarschaft sei.

Das Umfrage-Team erfuhr, dass in manchen Straßenzügen seit vielen Jahren und Jahrzehnten Nachbarschaften gewachsen seien. Vor allem ältere Anwohner pflegen die nachbarschaftlichen Kontakte. Gegenseitige Hilfen in kleinen Dingen seien selbstverständlich. Auch jüngere, später zugezogene Nachbarn hätten sich gut eingefügt.

Mobil, nur um wegzufahren?

Doch die funktionierenden Nachbarschaften seien eher die Ausnahme, fanden Michael Kamutzki und seine Mitstreiter heraus. Teilnehmer an der Fragebogen-Aktion bemängelten, dass „in Villigst der Generationen-Mix schlecht“ sei. Die wenigen jungen Menschen, die es gebe, seien berufstätig, in dieser Lebensphase zu sehr mit sich selbst beschäftigt und eigentlich nur zum Schlafen in Villigst. Aber auch viele ältere Menschen „nutzen ihre Mobilität eher dazu, um aus Villigst wegzufahren“. Woran so etwas liegen kann? Auch dafür gab‘s Erklärungen in den Fragebögen: Es fehlen Treffpunkte wie Cafés, Gaststätten und Kioske. Die Geschäfte verschwinden.

In vielen Fragebögen wird der Wert von lebendigen Nachbarschaften herausgehoben: Sie beuge der Vereinsamung im Alter vor. Sie trage zum Wohlbefinden bei.

„Zu wissen, dass man sich bei Bedarf auf die Hilfe der Nachbarn verlassen kann, gibt ein Gefühl von Sicherheit, wenn zum Beispiel bei Urlaubsreisen ein Auge auf das eigene Haus geworfen wird oder konkrete Hilfe bei Krankheit geleistet wird“, fasst Michael Kamutzki zusammen. „Nachbarn sind oft wichtiger als die weit entfernt lebende Verwandtschaft.“

Mitarbeiten, mitreden und mitmachen

Ein Miteinander der Generationen sei wichtig. Die meisten Teilnehmer an der Fragebogen-Aktion wünschen sich eine funktionierende Nachbarschaft. Damit dieser Wunsch erfüllt werden kann, benötigen Michael Kamutzki und seine Mitstreiter noch Unterstützung. Interessierte sich herzlich eingeladen, sich an einer Villigster Nachbarschaftsgruppe zu beteiligen. Wer mitarbeiten, mitreden und einfach mitmachen möchte, kann sich mit Michael Kamutzki, Telefon 02304 / 2500092 oder Mail: michael_kamutzki@me.de, in Verbindung setzen.