Willy Kramp, ein bedeutender Schwerter

Schwerte. (Red.) Nachdem die Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße beschlossen ist, muss ein neuer Name her. „Willy-Kramp-Straße“ wäre angemessen, finden die Grünen. Denn Willy Kramp war ein bedeutender Schwerter.

Konservativ-christlich

Willy Kramp, 1909 bis 1986, war ein bedeutender Schwerter. Die ehemalige Agnes-Miegel-Straße könnte seinen Namen erhalten. (Foto: Archiv)

Willy Kramp (1909 bis 1986) ist, wenn man so will, das Gegenprogramm zu Agnes Miegel, die sich mit den Nationalsozialisten gemein gemacht hatte. Der Schriftsteller kam ebenfalls aus Ostpreußen, auch aus einem eher konservativ-christlichen Milieu, bezog aber im Unterschied zu Agnes Miegel aus moralischen Gründen eine eindeutige Position gegen den Nationalsozialismus. Ohne selber ein Widerstandskämpfer zu sein, hatte er Kontakt mit der Bewegung des 20. Juli und sympathisierte mit ihr. Sein vielleicht wichtigstes Buch „Brüder und Knechte“ gibt von diesen Begegnungen Zeugnis.

Bedeutender Bürger

Willy Kramp kann ohne Übertreibung als einer der bedeutenden Bürger der Stadt Schwerte bezeichnet werden. 1943 wurde er Soldat. Im Januar 1945 geriet er am Weichselbrückenkopf in russische Kriegsgefangenschaft und wurde fünf Jahre später entlassen.

Nach Villigst

1950 kam Willy Kramp nach Villigst, wo er für fünf Jahre Leiter des Evangelischen Studienwerks war. Seit 1955 bis zu seinem Tod 1986 lebte er als freier Schriftsteller in einem Haus im Ohl am Rheinener Weg. In den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts war er ein vielgelesener Schriftsteller, der vor allem in evangelischen Kreisen in ganz Deutschland ein großes Publikum hatte.

Kramp war Mitbegründer des Deutschen Evangelischen Kirchentages. 1967 erhielt er den Droste-Hülshoff-Preis und 1975 den theologischen Ehrendoktor der Kirchlichen Hochschule Berlin. In der Chronik seiner Krankheit „Wider die Krebsangst (Chronik eines Kampfes)“ aus seinem Todesjahr 1986 gab der Christ Willy Kramp der Nachwelt ein Vorbild der Glaubenszuversicht. Seit 1938 war der Schriftsteller mit Helene, geb. Keuch, verheiratet und hatte drei Kinder.

Reichtum der Welt

So sehr er seine Bücher immer von einem christlichen Standpunkt aus schrieb, so wenig sind sie ideologisch voreingenommen, sondern wenden sich dem ganzen Reichtum der Welt zu, so dass sie auch für Leser ohne religiösen Hintergrund gut zu lesen sind. Auch das Leben in Schwerte bzw. Villigst kommt immer wieder am Rande in diesen Büchern vor, zum Beispiel in „Herr Adamek und die Kinder der Welt“.

„Schriftstellerecke“

Die ehemalige Agnes-Miegel-Straße eignet sich nach Auffassung der Grünen im besonders für die Umbenennung in Willy-Kramp-Straße, weil die Umgebung eine Art „Schriftsteller- und Ostecke“ ist. Die Straßennamen verweisen großenteils auf Schriftsteller (Herder, Arndt, Huch, Hauptmann), zum Teil auch auf Menschen, die aus Ostpreußen (Herder) bzw. Pommern stammen (Stephan, Virchow, Nettelbeck, in gewisser Hinsicht kann man auch Kopernikus dazu zählen). Es sei klar, so die Grünen, dass gerade Straßennamen, die sich auf ehemals deutsche und heute polnische Gebiete beziehen, mit besonderer Sensibilität gewählt werden müssten und daher eine Benennung nach einem Nazi-Gegner angemessen wäre.

Gedenken

Am 21. Oktober 2011 findet erneut eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 25. Todestages Kramps in Schwerte statt. Dann könnten sich einige der Entscheidungsträger gute Argumente für eine Straßenbenennung nach Willy Kramp anhören, finden die Grünen.