„Wir sind am Ende“ – Neu-Schwerter kämpft mit Rentenversicherung

Schwerte. (th) Durch einen Motorradunfall und jahrelange berufliche Belastung ist Erne Knauer berufsunfähig geworden, jedenfalls in seinem bisherigen Tätigkeitsfeld. Deshalb möchte er einen neuen Beruf erlernen, doch das ist mit großen Schwierigkeiten verbunden. Lange hat er gemeinsam mit seiner Partnerin Sylke Herzer gekämpft und in Schwerte eine neue Heimat gefunden, doch nun wissen die beiden nicht mehr weiter.
Berufsunfähig
Erne Knauer ist eigentlich Betriebswirt. Der Münchener ist seit einem Motorradunfall vor über 30 Jahren rechts gehandicapt. Durch die jahrelange Überlastung der linken Seite bei intensiven Arbeiten am Computer kann er auch diese mittlerweile nicht mehr für EDV-Tätigkeiten, die unerlässlich für seinen Beruf sind, benutzen. Deshalb wurde er 2013 für berufsunfähig erklärt, dieser Befund ist unumstritten.
Suche nach neuen Wegen
Anstatt sich mit der Rente zufriedenzugeben, entschied sich Knauer dazu, einen neuen beruflichen Weg einzuschlagen. Im Rahmen des Teilhabegesetztes steht ihm dafür die Unterstützung zur Rentenversicherung zu, sofern gewisse Bedingungen erfüllt sind. Zum Beispiel muss der neue Beruf mit seinen Einschränkungen vereinbar sein.
Knauer möchte Fotograf werden, mit Schwerpunkt auf gestalterische Konzepte. Mit spezieller Ausrüstung kann er diesen Beruf trotz seines Handicaps ausführen. Außerdem eröffnet ein Studium in diesem Bereich ihm die Möglichkeit einer Hochschullaufbahn. So sieht er es jedenfalls – und die Rentenversicherung stimmte dieser Einschätzung zu.
Über Umwege nach Schwerte
So begann Knauer ein Studium an einer privaten Akademie in Esslingen, Baden-Württemberg. Doch nach einem Semester stellte sich heraus, dass das Studium an dieser Akademie ihn nicht dorthin führen würde, wo er hinwollte. Die angestrebten gestalterischen Schwerpunkte wurden nicht mehr angeboten, stattdessen wurde der Fokus auf technische Ausrichtung gelegt.
Knauer suchte nach Alternativen und landete nach sorgfältigen Recherchen in ganz Deutschland schließlich bei der BTK in Iserlohn. Er zog mit Sylke Herzer nach Schwerte, um sein Studium fortzusetzen – er konnte in das zweite Semester einsteigen. Doch plötzlich stellte die Rentenversicherung die Unterstützung ein.
Kostenübernahme verweigert
Unter anderem wird die Kostenübernahme für eine spezielle Kamera verweigert, die Knauer aufgrund seines Handicaps braucht, um die Aufgaben an der Hochschule meistern zu können, obwohl ein ärztliches Attest die Notwendigkeit dieser Kamera eindeutig feststellt. Knauer muss auf seine finanziellen Reserven zurückgreifen, die durch den Umzug ohnehin schon strapaziert worden sind. Er kann sich gerade so durchschlagen, für die neue Kamera ist aber kein Geld da. So muss er, während er einen langwierigen Schriftwechsel mit der Versicherung führt, seine Pflichten an der Hochschule mit einer herkömmlichen Kamera erfüllen, sonst droht die Exmatrikulation.
Die Zeit läuft davon
Wie vom Arzt befürchtet und attestiert, verschlimmert sich dadurch seine Verletzung. Um keine dauerhafte Schädigung in Kauf zu nehmen, muss Knauer wohl oder über pausieren, verliert im Studium weitere Zeit. Mittlerweile hat die Rentenversicherung die Unterstützung ganz eingestellt.
Knauer sieht das Recht auf seiner Seite, doch die Zeit läuft ihm davon. Auch vom Jobcenter fühlt sich Knauer im Stich gelassen. Sein Studium musste er schon unterbrechen, wie lange er seine Wohnung noch finanzieren kann ist unklar. Wie es weitergehen soll, weiß er nicht: „Wir sind am Ende.“