Der Traum von der NFL lebt in Louis Theiler

Hagen. (hc) An jedem verdammten Sonntag. So heißt ein Filmtitel mit Al Pacino, der in die Rolle eines Trainers einer American-Football-Profimannschaft schlüpft. Keine Filmrolle, sondern das echte Leben ist diese Sportart für Louis Theiler.
Der 16-jährige Hagener gehört zu den größten Football-Talenten der Bundesrepublik und hat ein klares Ziel vor Augen: Profi in der NFL – der National Football League – werden. Dort spielen die absoluten Ausnahmeathleten. 32 Teams, 1.696 Spieler, 17 Spiele in der regulären Saison plus maximal vier Partien in den Playoffs – so die nackten Zahlen der Liga.

Viel Aufwand für den großen Traum

Doch der Weg dahin ist weit. Sehr weit. Louis Theiler hat mit dem Football in Dortmund begonnen. Es folgten Wechsel nach Düsseldorf und Köln und ganz aktuell wieder zurück nach Düsseldorf. Wenn alles gut läuft, dann führt ihn aber der Weg bereits 2019 in die USA. Der Plan ist, dass der Hagener zwei Jahre an einer Highschool im Heimatland der Sportart spielt und anschließend aufs College geht. Vier Jahre bleibt man im Schnitt an der Universität, spielt Football und macht seinen Studienabschluss. Dann kommt der entscheidende Punkt in der Vita eines Footballers: Der Sprung in die Welt der Profis.
Damit das gelingt, trainiert der junge Mann bereits sechs Mal in der Woche. Mal mit dem Team, mal mit dem eigenen Trainer, mal im Gym. Das beansprucht viel Zeit und ein Elternhaus, das diesen Weg mitgeht. „Will man dem Traum seines Kindes im Weg stehen?“, stellt Vater Torsten Theiler eine eher rhetorische Frage.

Unterstützung aus der eigenen Familie

Dass der eigene Filius so begabt ist, das bekam die Familie schon relativ früh mit. Denn Louis wurde bereits in jungen Jahren immer in Teams mit älteren Jungs eingesetzt. Bei einem physischen Sport wie Football keine einfache Aufgabe. Denn ältere Kontrahenten sind nicht nur größer, sondern auch schneller, kräftiger und oft mental weiterentwickelt.
Das macht die Leistung des jungen Hageners umso erstaunlicher. Bereits als 13-Jähriger war er bei der U17-Klub-Weltmeisterschaft im Einsatz. Auf dem Spielfeld legte er sich mit den „großen“ Jungs an. Den Gewinn der Bronzemedaille durfte er aber im Gegensatz zu seinen Mannschaftskameraden nicht feucht-fröhlich feiern. „Dafür hat der Trainer schon gesorgt“, so Vater Theiler.

Youngster in der Mannschaft

Überhaupt ist Louis Theiler immer der Jüngste im Team. „Man gewöhnt sich daran. Während des Trainingscamps mussten wir nach Arnheim fahren, da sind einige Jungs mit dem eigenen Auto gefahren. Das kann ich noch nicht“, so Louis. Noch nicht, möchte man sagen. Denn die Startvor­aussetzungen sind gut. Ein koreanischer Autohersteller wird ihm einen fahrbaren Untersatz zu Verfügung stellen. Auch weitere persönliche Sponsoren unterstützen den Hagenern auf seinem Weg ins Profitum.
Doch nicht nur finanzielle Hilfe ist wichtig, auch Trainingseinheiten mit Ex-Profis wie Björn Werner sind für die Entwicklung des Defensiv­spezialisten enorm wichtig. Werner, der erste Deutsche, der im NFL-Draft in der ersten Runde ausgewählt wurde, spielte zwei Spielzeiten in der amerikanischen Profiliga, ehe er sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste.
Er ging einen ähnlichen Weg wie Theiler über das Ausbildungssystem der amerikanischen Hochschulen, was ihm am Ende den NFL-Traum wahr werden ließ.

Verteidiger seit der ersten Minute

Theiler spielt, ähnlich wie einst Werner, in der Defensive. Jedes Football-Team ist dreigeteilt. Eine Offensive, eine Defensive und sogenannte Special-­Teams, die für ganz spezielle Aufgaben auf das Feld geschickt werden.
Theiler spielt auf der Position des „Strong Safety“. Das heißt, er ist ein Verteidiger in der zweiten Reihe, der die Pass­empfänger daran hindern soll, den Ball zu fangen. Im Optimalfall fängt Theiler selbst den Ball ab, die sogenannte Interception, und sichert seinem Team so das Angriffsrecht.
Das erfordert viel taktisches Wissen, denn als Verteidiger reagiert man auf die zahlreichen Angriffsvarianten des Gegners. An der Aufstellung lässt sich ein möglicher Spielzug erahnen, doch am Ende des Tages braucht man den richtigen Instinkt. Diesen hat Louis Theiler. Das bestätigen die zahlreichen Scouts, die den Hagener in verscheidenen Spielen gescoutet haben.

Hagen statt Wien

Dabei handelt es sich nicht nur um Talentspäher aus Übersee, auch europäische Topclubs buhlten um die Dienste des Volmestädters. So wollte die Wiener Jugendakademie Theiler ins eigene Internat holen. Nach zähen Verhandlungen entschied sich die Familie für diesen Schritt. „Wien ist wie der FC Barcelona im europäischen Football“, erklärt der Vater. Auf der letzten Autobahnraststätte vor Wien nahm Vater Torsten noch einmal sein Mobiltelefon zur Hand und telefonierte mit den Wienern Verantwortlichen. Es fehlte eine letzte Bestätigung für die Spielberechtigung. Und der denkbar schlechteste Fall trat ein: Louis Theiler sollte vier Spiele gesperrt werden – also die halbe Saison –, wenn er nach Wien wechselt.
Da entschied sich die Familie zu einer Umkehr im wahrsten Sinne des Wortes. Bereut hat Louis Theiler diese Entscheidung nicht, er ist gerne in Hagen. Deshalb ist ein Wechsel in ein deutsches Internat auch kein Thema für ihn gewesen.
Lediglich in die USA wird es ihn ziehen – für den großen Traum und der heißt: National Football League.