Schmerztherapie mit Opioden: Risiken und Chancen

Wenn‘s um Schemrzen geht, werden häufig Opiode verordnet. Rund um dieses Thema informieren Experten am Wochenkurier-Telefon. (Foto: StockfotosMG/fotolia)

Wenn es um die Behandlung von mittleren oder starken Schmerzen geht, werden in vielen Fällen Opioide verordnet. Sie sind fester Bestandteil des schmerztherapeutischen Spektrums – und sie kommen in immer mehr Anwendungsbereichen zum Einsatz.

Wurden früher hauptsächlich Tumorschmerzen mit Opioiden behandelt, werden sie heute zur Schmerzlinderung zum Beispiel auch bei rheumatischen Erkrankungen, neurologischen Erkrankungen wie dem Restless Legs-Syndrom oder nach einer Gürtelrose eingesetzt.

Die breite Verwendung von Opioiden steht im Gegensatz zu ihrem Ruf: Während die einen eine mögliche Abhängigkeit befürchten, sorgen sich andere wegen der Nebenwirkungen, die eine Opioid-Therapie mit sich bringen kann.

Arzneimittel – und kein Suchtmittel

Weiten Teilen der Öffentlichkeit sind Opioide und Opiate vor allem als Suchtmittel ein Begriff. Opium, Heroin oder Methadon stehen für das Suchtpotenzial dieser Stoffe. Das Thema Abhängigkeit wird deshalb häufig auch mit der medizinischen Anwendung von Opioiden in Verbindung gebracht. Doch einerseits ist ihr therapeutischer Einsatz durch das Betäubungsmittelgesetzt streng reguliert, andererseits werden Opioide in der Schmerztherapie ausschließlich gezielt eingesetzt. So streben Ärzte immer die geringstmögliche Dosis an, unter der Schmerzfreiheit erreicht werden kann. Zudem werden Opioide nicht kurzfristig nach Bedarf, sondern nach einem festen Zeitplan eingenommen, um einen gleichmäßigen Wirkstoffspiegel über den Tag zu erzielen. Die Vermeidung der Gewöhnung an den Wirkstoff ist ebenso Teil der ärztlichen Beratung im Rahmen der Schmerztherapie wie die Behandlung möglicher Nebenwirkungen.

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung?

Nebenwirkungen der Opioid-Therapie sind vor allem auf ihren Wirkmechanismus zurückzuführen, denn der Wirkstoff macht keinen Unterschied zwischen den Nervenkontaktstellen, die er im Körper blockiert. Weil die Opioid-Schlüssel Bereiche im so genannten Brech- oder Atemzentrum besetzen, kann es zu Beginn der Behandlung zu Übelkeit, Schwindel oder Erbrechen kommen. Die meisten Beschwerden gehen jedoch nach einer Eingewöhnungsphase vorüber. Von Dauer allerdings ist die Opioid-induzierte Verstopfung – kurz OIC. Diese nach Angaben der Deutschen Schmerz-Liga häufigste Nebenwirkung der Opioid-Therapie tritt auf, weil der Wirkstoff auch die Signalübermittlung im Magen-Darmtrakt beeinträchtigt. Die Folge: Der Darm führt die für eine geregelte Verdauung notwendigen Bewegungen nicht mehr durch und es kommt zu einer Verstopfung, die sich durch Bauchkrämpfe, Schmerzen, Blähungen und Übelkeit bemerkbar macht. Unbehandelt dauern die Beschwerden so lange an, wie die Opioid-Therapie durchgeführt wird.

Expertenrat zur Schmerztherapie

Expertenrat rund um die Schmerztherapie mit Opioiden und die Behandlung der Nebenwirkungen gibt es am Lesertelefon mit Schmerztherapeuten am Donnerstag, 9. November von 11 bis 15 Uhr unter der kostenfreien Rufnummer 0800 – 0 90 92 90.

Es informieren:

  • Prof. Dr. med. Martin Storr
    Facharzt für Gastroenterologie, Innere Medizin, Proktologie, Zentrum für Endoskopie Starnberg
  • Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Wirz
    Facharzt für Anästhesie, Intensivmedizin, Palliativmedizin und Schmerztherapie, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie, Interdisziplinäre Intensivmedizin, Schmerzmedizin/Palliativmedizin – Zentrum für Schmerzmedizin, Lehrbefugter an der Universitätsklinik Bonn, CURA – katholisches Krankenhaus im Siebengebirge, Bad Honnef
  • Ulf Schutter
    Facharzt für Anästhesiologie, Allgemeinmedizin, Spezielle Schmerztherapie, Palliativmedizin, Leitender Notarzt, Praxis für Schmerztherapie, Marl.