Tagebuch und Grenzen: Kampf gegen Spielsucht

Glücksspiele können zum gefährlichen Poker um die Gesundheit und die gesamte Existenz werden. Viele Leser ließen sich am Wochenkurier-Telefon beraten. (Foto: be.p)

Hagen. (Red./tau) Glücksspiel bringt selten Glück. Diese Erfahrung haben offensichtlich viele Leser gemacht entsprechend rege war die Nachfrage bei unserer Telefonaktion mit Beraterinnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Hier eine Übersicht:
Bisher fand ich es ganz gut, dass mein Freund mit Pokern Geld verdient. Aber in letzter Zeit verliert er immer öfter, spielt aber immer mehr. Kann daraus eine Sucht werden?
Leider ist die Suchtwirkung des Glücksspiels nicht so bekannt wie beispielsweise die von Heroin. Um es klar zu sagen: Die Gefahr ist groß, dass Ihr Freund in eine Sucht mit allen negativen Folgen abrutscht. Vielleicht hat er schon selbst das Gefühl, dass ihm durch das Spiel zu viel Geld verloren geht und Sie können ihn dazu bewegen, eine Beratungsstelle aufzusuchen, die sich auf Glücksspielsucht spezialisiert hat. Das wäre der beste Weg. Adressen in Ihrer Nähe finden Sie unterhttp://www.check-dein-spiel.de.
Ich spiele seit drei Jahren fast täglich an den Automaten in der Spielhalle. Jetzt reicht auch der Dispo-Kredit nicht mehr. Was kann ich tun?
Dann wissen Sie ja schon, dass Sie mit dem Glücksspiel Geld verlieren, aber nicht gewinnen. Ich rate Ihnen, professionelle Hilfe vor Ort in Anspruch zu nehmen. Wenden Sie sich am besten an eine Beratungsstelle, die sich auf Glücksspielsucht spezialisiert hat. Rufen Sie dort gleich an. Man muss die Momente der Motivation ausnutzen. Wenn man zu lange wartet, verfliegen sie wieder.
Ich habe zu viel Geld in den Automaten gelassen und will eine Therapie. Der erste Termin ist aber erst in zwei Monaten. Kann ich schon etwas allein tun?
Ein Suchttagebuch kann ein guter Anfang sein. Dafür brauchen Sie nur eine Tabelle mit drei Spalten. In die erste Spalte schreiben Sie das Datum, an dem Sie gespielt haben, in die zweite Spalte, wie die Situation war, in der Sie sich zum Glücksspiel entschlossen (vielleicht Langeweile oder Stress oder Freude oder Ärger …) Für die dritte Spalte brauchen Sie Fantasie: Hier hinein schreiben Sie, was Sie anstelle des Glücksspiels hätte zufriedenstellen können – vielleicht eine Verabredung mit Freunden, ein Kreuzworträtsel, eine Jogging-Runde um den Block, ein Krimi, ein Entspannungsbad?
Vor allem meine Frau leidet sehr unter der Spielsucht unseres Sohnes. Er ist zurzeit überhaupt nicht bereit, etwas zu ändern. Wie sollen wir damit umgehen?
Wenn Ihr Sohn nichts ändern will, könnten Ihre Frau und Sie vielleicht mit der Veränderung bei sich anfangen, damit sie wieder Freude am Leben finden – trotz der Spielsucht Ihres Sohnes. Hilfe gibt es dabei von Familienberatungsstellen. Die finden Sie zum Beispiel unter www.dajeb.de in Wohn-Nähe. Auch viele Beratungsstellen für Glücksspielsucht bieten Angehörigen Unterstützung an.
Mit den Kumpels treffe ich mich ein-, zweimal die Woche abends zum Bier. In der Kneipe stehen Spielautomaten. Ich will da eigentlich nicht viel reinschmeißen, aber es passiert doch. Wie kriege ich das unter Kontrolle?
Mit Bier kaum, denn Alkohol senkt die Hemmschwelle für riskantes Spielen. Das kann dazu führen, dass mehr Geld einsetzt, als man es sich eigentlich leisten kann. Machen Sie es daher wie im Straßenverkehr: Hände weg vom Alkohol, wenn Sie Glücksspiele nutzen. Zusätzlich können Sie sich schützen, indem Sie nur einen bestimmten finanziellen Betrag mit in die Kneipe nehmen.
Unser Sohn studiert noch, erhält von uns Unterhalt. Da er spielt, ist das Geld immer gleich weg. Dafür haben wir es ihm aber nicht gegeben. Was sollen wir tun? Er kann ja nicht ohne Geld sein.
Warum nicht? Erst dann würde er die Konsequenzen seines Spiels spüren und vielleicht das Problem angehen. Sie können ihm sagen, dass Sie sein Studium gern finanzieren, nicht aber sein Glücksspiel. Je klarer Sie das formulieren, desto besser ist die Orientierung für ihn. Sie können die Miete zum Beispiel direkt an den Vermieter überweisen und die finanzielle Unterstützung entsprechend kürzen. Drohen Sie aber nicht mit Maßnahmen, zu denen Sie nicht wirklich bereit sind. Sie müssen komplett dahinterstehen, sonst werden Sie nicht ernst genommen.

Telefonberatung zur
Glücksspielsucht
0800 / 1372700
Mo – Do 10-22 Uhr
Fr – So 10-18 Uhr
Internet
www.check-dein-spiel.de, www.spielen-mit-verantwortung.de.
Info-Material
www.bzga.de/infomaterialien

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