Scheidung – Was wird aus dem Eigenheim?

Das eigene Heim ist eine hochemotionale Angelegenheit. Im Jahr 2016 betrug laut statistischem Bundesamt die Scheidungsquote in Deutschland rund 39,56 Prozent. Auf eine Eheschließung kamen rechnerisch etwa 0,4 Ehescheidungen.

Mit allem rechnen

Da stellt sich doch die Frage: Was wird dann eigentlich mit dem bis dato gemeinsam bewohnten Familienhaus? Welche Konsequenzen hat eine Scheidung fürs Wohneigentum? „Denn Fakt ist: Die wenigsten Paare kalkulieren die potentielle Endlichkeit ihrer Beziehung beim Hauskauf oder -bau ein,“ erklärt Wieland Rahn, Vorstandsmitglied des Immobilienverbands Deutschland (IVD) West aus Gevelsberg. Zudem sind viele Immobilien, die von Paaren oder Familien selbstgenutzt werden, recht knapp finanziert. Nicht selten ist der Verdienst von beiden Partnern eingerechnet, um die Kredite bedienen zu können.

Ehevertrag von Vorteil

Kommt es zur Trennung, stehen plötzlich drängende Fragen im Raum: Was passiert nun mit dem Wohneigentum? Grundsätzlich gilt: Wer einen Ehevertrag geschlossen hat, ist klar im Vorteil. Ansonsten gilt, dass bei einer Scheidung sowohl Vermögen als auch Schulden nach dem Prinzip des Zugewinnausgleichs zwischen den Partnern aufgeteilt werden, unabhängig davon, ob einer der Partner mehr investiert hat als der andere.

Wer steht im Grundbuch?

„Grundstück und Haus gehören demjenigen, der als Eigentümer im Grundbuch steht“, erläutert Rahn. Idealerweise sind also beide eingetragen. Für den Immobilienkredit gilt Ähnliches: Es haftet der, der den Vertrag bei der Bank unterschrieben hat. Ratsam ist – gerade bei unverheirateten Paaren – alle Belege und Unterlagen, die die Finanzierung und Investitionen betreffen, als mögliche Beweise aufzubewahren.

Zwei Optionen

Am Ende gibt es zwei Optionen, mit dem bisher gemeinsamen Haus zu verfahren: Verkaufen und den Gewinn aufteilen – oder eine Partei nutzt es weiterhin und zahlt die andere aus. Eine Lösung sollte möglichst noch vor dem Scheidungstermin schriftlich fixiert werden, sonst kann eine Zwangsversteigerung drohen. Einen Tipp für die, die verkaufen wollen, hat Wieland Rahn: „Treten Sie in Verhandlungen als harmonisches Paar auf und lassen Sie sich Ihre Zwangslage nicht anmerken. Andernfalls könnte dies Preis­abschläge zur Folge haben.“