Es ist der klassische Streit zwischen Nachbarn: Die Birke ragt aufs Nachbargrundstück, das Laub verstopft die fremde Regenrinne und nimmt den gepflegten Rosen des Nachbarn das Sonnenlicht. Glücklich ist, wer sich mit seinem Nachbarn gut genug versteht, um das Problem unter vier Augen zu lösen. Landet der Fall vor Gericht, wird es schwierig. Denn die Regeln für Pflanzen an Grundstücksgrenzen sind nicht ganz einfach und nicht bundesweit einheitlich.

Grundstück darf nach Belieben bebaut werden

Grundsätzlich gilt: „Jeder darf auf seinem Grundstück die Bäume und Pflanzen setzen, die er will“, sagt Kai Warnecke vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Wenn der eine einen englischen Rasen bevorzuge, der andere aber Blumen, sei das völlig in Ordnung. Bei Mietern komme es darauf an, ob es sich um eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus oder um ein Einfamilienhaus mit eigenem Garten handelt, ergänzt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund.

Äste und Zweige hängen über das Grundstück

Breidbach empfiehlt, die Paragrafen des jeweiligen Landesrechts zu lesen und auf eventuelle Vorgaben der Kommunen zu achten. Denn so lässt sich Streit vermeiden. «Außerdem ist es sinnvoll, den Grenzabstand lieber etwas größer zu wählen, um grundsätzliches Streitpotenzial rauszunehmen.» Generell gilt: Blumen und Büsche, die nicht allzu hoch sind, könnten direkt am Zaun gepflanzt werden, erklärt Warnecke.

Zweige und Blätter sollten aber nicht auf das Nachbargrundstück hängen. Gleiches gilt für Hecken. Denn der Nachbar sei berechtigt, Wurzeln an der Grundstücksgrenze zu kappen, erläutert Breidbach. Streit gebe es oft, wenn dadurch dem Baum die Lebensgrundlage genommen werde.

Laub ist kein Grund zur Klage

Fühle sich jemand durch Laub oder Schatten auf seinem Gelände gestört, sei das aber noch kein ausreichender Grund zur Klage, sagt Warnecke. Auch wenn man allergisch auf einen Baum des Nachbarn reagiere, müsse der das Gehölz nicht automatisch fällen. „Das gilt als Naturereignis.“