Leseherbst: Wie ein Flug ein ganzes Leben verändern kann

Hagen. Zurücklehnen statt anschnallen und statt den Sicherheitsanweisungen zu folgen, darf man sich bequem in den Sessel daheim kuscheln. Der Leseherbst lädt auf 288 Seiten auf eine Flugreise nach Amerika ein: Im Roman „Nachtflug“, erschienen im Rowohlt-Verlag (ISBN 978-3-499-27411-4), geschrieben von Kati Naumann und Sofie Cramer.

Ausgerechnet im Flugzeug treffen zwei Menschen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Ingrid und Jakob. Sie – zum ersten Mal mit dem Flugzeug unterwegs, einfache Gardrobe, etwas naiv und sehr redselig; er – Vielflieger, Geschäftsmann, scheinbar erfolgreich und glücklich verheiratet.

Ingrid zwingt ihrem Sitznachbarn ihre Lebensgeschichte auf und erfährt nach und nach auch seine. Dass sich das Leben der beiden nach dem mehrstündigen-Flug komplett ändern wird, ahnen sie nicht. Fast wie auf der Couch eines Psychotherapeuten, so kommt es dem Leser vor, wirkt der Roman von Kati Naumann und Sofie Cramer. In einem Nachtflug erzählen sich die beiden Fremden gewollt oder ungewollt ihr bisheriges Leben und bringen dabei manche Erkenntnis zu Tage. Ernst ist der Lesestoff durchaus, aber auch genauso amüsant und voller Ironie. Die beiden Helden wachsen dem Leser ans Herz und so wünscht man sich nur eins am Ende des Fluges – eine Antwort auf die Frage: „Wie mag es mit den zwei Protagonisten wohl weitergehen?“

Die Turbulenzen, in die das Flugzeug zusätzlich gerät, hätte es für die Spannung gar nicht gebraucht. Abwechslung genug bietet allein der in jedem Kapitel vollzogene Perspektiv­wechsel, in dem Ingrid und Jakob Einblick in ihre zwiespältigen Gefühle bieten.

Fazit: Ein unterhaltsames Buch, das einen zum Schmunzeln und Nachdenken bringt und besser nicht im Flugzeug gelesen werden sollte.