Leseherbst: „Vier, Zwei Eins: Vier Menschen – Zwei Schicksale – Eine Lüge“ von Erin Kelly

Redakteure lesen für Leser

Hagen/Iserlohn. Draußen ist es ungemütlich, nass und kalt: Was gibt es dann Schöneres, als es sich auf der Couch unter einer warmen Wolldecke, mit einer heißen Tasse Tee, womöglich noch einer guten Schokolade und einem dicken Schmöker gemütlich zu machen? Mit einem spannenden Buch lassen sich selbst die grauesten Herbsttage versüßen und die vielen Regenstunden vergessen machen.

Auch die Wochenkurier-Redaktion liest in ihrer Freizeit gerne und viel. Krimis, Romane, Thriller, Jugendbücher – da wird schon mal gerne und auch heiß diskutiert, welches Buch besonders spannend war, welche Geschichte gefesselt oder welches Schicksal einen besonders gerührt hat – vielleicht sogar zu Tränen. Oder welcher Autor es auf einer der Bestsellerlisten geschafft hat.

„Lesen heißt durch fremde Hand träumen“, hat Fernando Pesso einmal gesagt. Und damit sie, liebe Wk-Leser, wissen, mit welchen Büchern Sie eine Weile in eine andere Welt eintauchen und den Alltag vergessen können, möchten wir Ihnen in den kommenden Wk-Ausgaben in loser Folge einige Bücher vorstellen.

Den Anfang macht „Vier, Zwei Eins: Vier Menschen – Zwei Schicksale – Eine Lüge“ von Erin Kelly (erschienen im Fischer-Scherz-Verlag, ISBN: 978-3-651-02571-4), das Wk-Redakteurin Anja Schade gelesen hat.

Das junge Liebespärchen Kit und Laura ist absoluter Anhänger der Sonnenfinsternis. Wenn eine angesagt ist, fahren die beiden dorthin, ist der Weg auch noch so weit. Ihre Reise nach Cornwall aber soll ihr Leben ändern. Denn Laura beobachtet eine Vergewaltigung und hilft dem Opfer, den Täter anzuzeigen. Der Kontakt zu jener Beth bleibt zunächst bestehen, aber seltsame, teils beängstigende Ereignisse häufen sich. Eine überstürzte Flucht des Pärchens in die Anonymität hilft nicht, Jahre später scheint die Vergangenheit sie mitten in ihrer Familienplanung einzuholen.

Leseherbst
Die Wochenkurier-Redaktion liest gerne und häufig. Deshalb geben einige der Redakteure in den kommenden Ausgaben Tipps, welche Bücher es sich zu lesen lohnt. (Foto: Anja Schade)

Die Geschichte beginnt im Gerichtssaal: Düster, fast mystisch wird dieser dargestellt und den Leser beschleicht gleich zu Beginn ein ungutes Gefühl: Wer sagt hier die Wahrheit? Wer lügt? Und was ist überhaupt passiert?

Die Autorin baut die Handlungsstränge geschickt auf. Sie lässt abwechselnd die Protagonisten die Geschehnisse erzählen, aus ihrer Sicht, gefühlvoll und detailreich. Sie lässt den Leser nach und nach Informationen zukommen, die nur er weiß. In zwei Zeitzonen erfährt er von den Sonnenfinsternissen, die die beiden gerne besuchen, von dem Verbrechen, von dem Leben und der Flucht danach. Und dem Gefühl, das irgendetwas nicht stimmt. Aber was? Ist Jamie wirklich der skrupellose Verbrecher? Ist Beth nur ein Opfer oder doch eine Psychopathin? Welche Geheimnisse haben Laura und Kit?

Überraschend wie dramatisch kommt das Ende daher – und es endet wie der Anfang – im dunklen Gerichtssaal, in dem endlich die Wahrheit ans Licht kommt.

Mein Fazit:

Spannung ist gegeben von Anfang an bis zur letzten Seite oder besser: bis zum letzten Satz des Buches. So mancher Schauer lief mir den Rücken herunter. Der Roman gleicht einem Psychothriller, der sich langsam entwickelt und immer neue Details verrät. Man fiebert mit dem Pärchen mit, das ein schreckliches Verbrechen aneinander kettet. Logisch ist die Handlung aufgebaut und auch die Zeit- und Erzählsprünge stören den Lesefluss nicht. Im Gegenteil: Man mag das Buch kaum aus der Hand legen, bis klar ist, wer hier denn der Lügner (oder gibt es mehrere?) ist. Ein Buch, das mich 480 Seiten gefesselt hat.