„Venuswalzer“ mit bösen Folgen

Hagen. Nicht kapitulieren vor schamlosen Bauarbeitern und deftiger Sprache! Wer den krassen Einstieg von Lotte Mincks „Venuswalzer“ übersteht, wird mit einem unterhaltsamen, leicht zu lesenden Krimi belohnt: markante Charaktere, eine runde Story, handwerklich sauber gemacht.

Maler Kevin Wehling ist vom Baugerüst geschubst worden und liegt im Koma. Verdächtigt wird Andrea „Ruby“ Rubikon, vor deren Fenster sich der Widerling immer wieder onanierend entblößt hatte.

Madame Pythia alias Maria Schmidt und ihre Enkelin Stella Albrecht glauben nicht an die Schuld der jungen PC-Spezialistin mit dem blauen Irokesenschnitt. Kurzerhand engagieren die beiden esoterisch motivierten Lebensberaterinnen Wehlings frivole Anstreichertruppe für Renovierungsarbeiten an ihrer Villa und schleusen einen Freund ein, um an Insider-Informationen zu gelangen.

Kommissar Arno Tillikowski, der die Ermittlungen zu dem Mordanschlag leitet, ist nicht erfreut über die Einmischung der beiden Frauen – zumal er für die jüngere bereits seit geraumer Zeit (natürlich uneingestandene) Gefühle hegt.

Wer trachtete Kevin Wehling nach dem Leben? War sein Fall das Ergebnis eines Kollegen-Komplotts? Und welche Rolle spielt seine Geliebte, Chef-Tochter Susanne Brauckmann, die aus den gemeinsamen „Venuswalzern“ ein Kind von ihm erwartet?

Spannung bis zuletzt, wenn man nicht allzu analytisch an die „Ruhrpott-Krimödie“ herangeht, sondern sich einfach durch die Geschichte treiben lässt. Am Ende bekommt man durchaus sogar Lust, den ersten Stella-Albrecht-Roman von Lotte Minck zu versuchen: „Planetenpolka“.

  • Lotte Minck, „Venuswalzer“ Droste-Verlag
  • 304 Seiten
  • Erschienen am 16.01.2019
  • ISBN 978-3-7700-2018-8