Viel mehr als ein Krimi: „Geisternächte“ in Berlin

Hagen. Um sich ihren Lebensunterhalt aufzubessern, inszeniert die arbeitslose Schauspielerin Kathi spiritistische Sitzungen. Dann kommt die zehnjährige Sophie zu ihr, weil sie mit ihrem ermordeten Bruder in Kontakt treten will. Trotz ihrer Skrupel lässt sich Kathi auf die Sache ein.

Ist sie doch zeitgleich emotional sehr mit ihrem im Koma liegenden Bruder Jakob beschäftigt.
Zusammen mit dessen Lebensgefährten Kenan versucht Kathi die Prügelattacke aus der rechten Szene aufzuklären. Und irgendwann ist dann auch das Mädchen Sophie, das selbst den Tod ihres Bruders ergründet, in diese andere Geschichte verstrickt.

Der Roman ist mitnichten nur ein typischer Krimi, er bietet beispielsweise mit den immer wieder in Sophies Umgebung auftauchenden Elstern mystische Spannung. Real wie symbolisch wird hier unheilvolle Vergangenheit heraufbeschworen – privat wie politisch.

Dadurch, dass Autor André Mumot, der sich bereits mit seinem Debüt „Muttertag“ einen Namen gemacht hat, seine Handlung in das gegenwärtige Berlin legt, ist das Werk auch ein Gesellschaftsroman, der alle aktuellen Themen aufs Trapez holt: ein schwules Pärchen, ein Migarionshintergrund contra homophobe und rassistische Kirchenvertreter und andere vermeintlich Honorige sowie dumpfe Schläger.

Mumot versteht in leichter, klarer Sprache zu erzählen, gleichsam spannend wie den Leser beständig weiterdrängend. Eben noch feinfühlig die Gemütslage der unglücklichen Mutter des toten Jungens schildernd, lässt er seine Leser aber auch einen Befreiungsversuch dramatisch miterleben.

Und immer wieder tritt Verborgenes an die Oberfläche, das verblüfft.
André Murmots „Geisternächte“ sind im Eichborn-Verlag erschienen, 414 Seiten stark.