Alles gleichzeitig

Frauen rühmen sich gern, zwei oder gar drei Sachen gleichzeitig tun zu können.

„Multi Tasking“ heißt die hohe Kunst der typisch weiblichen Schaffenskraft im trendigen Englisch und hört sich wuchtig an.

Frau kann gleichzeitig: Bügeln und dabei Englisch Nachhilfe geben, Pfannekuchen backen und dabei Kondolenzbriefe schreiben, mit dem Nachwuchs beim Kieferorthopäden im Wartezimmer Wurzeln schlagen und dabei den Wochenkochplan samt dazugehörigem Mega-Einkaufzettel verfassen. Frau plant den nächsten Urlaub beim Wäschefalten und tröstet stundenlang telefonisch die Freundin während des Hausputzes.

Männer dagegen können nicht zwei Dinge auf einmal tun, heißt es.

Sie sind anders programmiert, heißt es.

Sie können immer nur stur eins nach dem anderen abarbeiten, heißt es von weiblicher Seite, mit spöttischer Dünnlippe ungezählte Mal vorgetragen.

Alles falsch! Neulich berichtete das Österreichische Fernsehen (ORF) über einen männlichen „Multi-Tasker“, der eine wirkliche Glanznummer hingelegt hat. Der junge Mann ist ein Pilot auf einem österreichischen Fliegerhorst – und er steht kurz vor seiner Eheschließung. Beides macht Stress. Beides frisst Zeit. Beides fordert den ganzen Mann. Und wahrscheinlich singt dazu noch die Braut schon weit vor dem Ja-Wort die Arie von der weiblichen Schaffensüberlegenheit.

Und so hat der Bräutigam mal kurz gezeigt, was eine Harke ist. Die frisch gedruckten Einladungen zur Hochzeit lagen abholbereit in einer Druckerei, die praktisch direkt an seiner Luftlinie lag. Da hat er mit seinem Kampfhubschrauber ratzfatz auf dem Firmen-Parkplatz einen Zwischenstopp eingelegt, sich den Karton geschnappt, ist wieder aufgestiegen und davon gedröhnt.

Die Braut war begeistert von ihrem fliegenden Alles-Könner. Sein Arbeitgeber weniger. Jetzt setzt es ein Disziplinarverfahren und eine saftige Geldstrafe. Und zwar beides gleichzeitig.

Schönen Sonntag!