Auf den Hund gebracht

Um es gleich klarzustellen: Ich liebe Hunde – und sie lieben mich auch, meistens. Zwei Mal schon habe ich lange Lebensjahre mit einem eigenen Familienhund verbracht und das war klasse.

Der Hund von heute hat längst seine traurige Vergangenheit als reiner Nutz-Hund an der Kette hinter sich. Er ist zum Sportgerät, Mode-Accessoire oder gar Lebensgefährten aufgestiegen. Wir merken es in unserem Redaktionsalltag: Immer öfter flattern „Hunde-Neuigkeiten“ auf den Tisch.

Zum Beispiel die zehn beliebtesten Hunderassen 2012 – Mischling, französische Bulldogge, Labrador Retriever, Golden Retriever, Mops, Chihuahua, Jack Russel Terrier, Deutsche Dogge, Deutscher Schäferhund und Australian Shepherd – in dieser Reihenfolge.

Oder die Topp-Ten der beliebtesten Hundenamen: Luna, Emma, Amy, Bella, Sammy, Sam, Buddy, Paul, Kira und Lilly – in dieser Reihenfolge.

Dann die Tierschützer. Sie sind sauer über die neue Doku-Soap „Herrchentausch“, die dieser Tage erstmals in die Wohnzimmer flimmern soll. Nicht zumutbar sei den Fiffis dieser Stress. Hundewelten würden zwangsweise aufeinanderprallen und die Tiere traumatisieren

Logisch: Wenn nix prallt und knallt, dann guckt keiner! Es muss krachen für die Quote. Davon können bestimmt die vielen Kinder ein Kummer-Lied singen, deren Mamas in der Sendung „Frauentausch“ den Wohnort und die Familie wechseln. Hat da jemals ein „Kinderschutzverein“ protestiert?

Wie auch immer: Hund ist absolut „in“. Mehr noch: Der Trend geht eindeutig zum Zweit- oder gar Dritthund.

Jeder Spaziergang durch den Stadtwald zeigt es: Da sind neben einigen wenigen Wanderern zumeist Sportler und vor allem Hundehalter unterwegs. Hunde – ohne – Ende.

Ganze Schnüffelclubs ziehen Flanke an Flanke durch den Forst, gefolgt von einer Traube Herrchen und Frauchen, in trautem Gespräch vertieft. Was man gar nicht mehr auf grüner Flur sieht, sind Kinder. O je.

Leute mit außereuropäischem Migrationshintergrund fehlen ebenfalls im grünen Wald. Warum eigentlich?

Heute noch undenkbar, aber DAS wäre der gelungene Abschluss aller Integrationsbemühungen: das kinderlose muslimische Ehepaar Fatima und Mustafa zieht mit einem deutschen Schäferhund durch den Tann – als normalste Sache von Welt.

Schönen Sonntag!