City-Bauern

Wer übers Land reist, könnte meinen: Wir ernähren uns hierzulande hauptsächlich von Mais. Doch der Mais wandert nicht in unsere Bäuche, kaum noch in den Schweinespeck, sondern in moderne Biogasanlagen. Er wird nicht mehr durch den Stoffwechsel eines Lebewesens in Lebenskraft verwandelt. Er wird schlichtweg verbrannt und verheizt.

Dadurch gehen immer mehr wertvolle Anbauflächen „flöten“ – in einer Welt, die zu weiten Teilen schlimmsten Hunger leidet! Beim Mais habe einige Ökopolitiker eine Meise, ehrlich.

Es verschwindet auch immer mehr Fläche, wo Kraut angebaut wird. Dabei werden doch gerade die Deutschen international ironisch als „Krautfresser“ bezeichnet – und das Schlimme daran ist: Es stimmt! Die Statistiker des Landes Nordrhein-Westfalen weisen nach: Auch 2011 waren die Kohlgemüsearten wieder die flächengrößte Anbau-Gruppe in NRW. Mit sagenhaften 4755 Hektar nahm das Kohlgemüse knapp ein Viertel der Gesamtgemüseanbaufläche ein. Spitzenreiter ist dabei mit 1019 Hektar der Weißkohl, aus dem man bekanntlich das berühmte Sauerkraut macht. Darauf erst folgen die anderen Kohle wie Blumenkohl, Kohlrabi und Konsorten.

Jenseits der breiten Kohlfront belegen dann Stängelgemüse und Blattgemüse die Plätze zwei und drei unter den Hauptgruppen dessen, was bei uns so vom Acker auf den Teller kommt.

Aber es wird, siehe oben, immer weniger Freilandgemüse angebaut. In dieser Saison war es schon 2,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Wenn dieser Trend anhält, hat es sich irgendwann ausgekrautet.

Jetzt gibt es einen neuen Trend, der ein bisschen gegensteuert. Der Acker wird aufs Dach verlegt. „Urbane Landwirtschaft“ heißt das Motto! Die Idee für das sogenannte „inFarming“ kommt aus den USA. In Münster prüft man gerade die Chancen zum Anbau von Obst und Gemüse auf den Dächern. Ich sehe es schon vor mir: Spargelbeete um die Schornsteine, Erbsen und Möhren am Balkongeländer, Paprika im Balkonkasten, Weintrauben an der Regenrinne und Kartoffeln auf dem Garagendach. Wer weiß, vielleicht ernten wir bald Spinat in der Duschtasse und Rüben in der Badewanne.

Fast wie im Paradies! Fehlt nur noch, dass uns City-Bauern die gebratenen Tauben gleich in den Mund fliegen – auf kürzestem Transportweg und bei „Null-CO2“-Ausstoß versteht sich.

Und weiter geht‘s: Schweine unterm Küchentisch, Hühner im Schlafzimmer und das Milchvieh auf der begrünten Verkehrsinsel vor der Haustür, vom Mist ganz zu schweigen – Gute Nacht und

Schönen Sonntag!